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Zwei Hitzesommer haben ihre Spuren hinterlassen
19.09.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (red/vn) - Die wertvollen Garten- und Parkanlagen im Südwesten sollen mit einer "Nothilfe" fit für die klimabedingten Herausforderungen kommender Jahre gemacht werden. Die Ettlinger Landtagsabgeordnete Barbara Saebel (Grüne), Fraktionssprecherin für Kulturliegenschaften und Mitglied im Finanzausschuss, sagte bei einem Besuch von Schloss Favorite zu, sich in den bis Ende des Jahres laufenden Haushaltsverhandlungen für eine solche Millionenhilfe stark machen zu wollen.

"Man hört aus Stuttgart einiges über Notfallpläne für den Forst", so Saebel, die zusammen mit ihrem Rastatter Kollegen Thomas Hentschel im Schlosspark unterwegs war. "Da müsste eine solche Investition von einer Million Euro in zehn Jahren (...) möglich sein."

Gartenkonservatorin Meike Kirscht von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg (SSG) informierte die beiden Abgeordneten im Rahmen einer Führung über den Zustand des Parks. Kirscht wies darauf hin, dass sich die Bäume und insbesondere die Buchen viel zu früh herbstlich färben. "Die wahren Folgen des Hitzesommers 2018 werden wir aber erst 2020 sehen." Braune Blätter und kahle Äste direkt neben leuchtend grünen Bäumen machen bereits jetzt den Unterschied zwischen geschädigten und nicht so hitzeanfälligen Baumarten sichtbar.

Die klassischen Maßnahmen des Waldumbaus über eine Generation hinweg, wie sie gerade für den gerade vom Klimastress geplagten Forst diskutiert werden, greifen in den Parks und Landschaftsgärten nicht. Gerade die besonders wertvollen Einzelbäume können wegen ihrer Denkmaleigenschaft nicht einfach durch robustere Arten ersetzt werden.

Saebel hakte bei Kirscht nach, wie tief die Wurzeln der einzelnen Baumarten reichen und welche Arten sich als Ersatz eignen. "Für Buchen gibt es keinen trockenheitsresistenten Ersatz innerhalb der Art, eventuell könnten Herkünfte aus trockeneren Gebieten länger durchhalten", so Kirscht.

Die Hoffnung der Gartenexpertin liegt auf der Einstellung eines eigenen Baumkundlers bei den SSG, der wie ein Förster im Wald einzelne Bäume kulturhistorisch als wichtig klassifizieren könnte. Er könnte die direkte Umgebung so gestalten, dass Verschattung, Verdunstung, Schädlingsresistenz und Wasserverbrauch dem Leitbaum helfen, sich optimal zu entwickeln. "Der Kampf um Fachkräfte wird aber auch in diesem Bereich in ganz Deutschland geführt. Besonders im sandigen und trockenen Ostdeutschland leiden die Schlossgärten."

Zu einem weiteren SSG-Schwerpunkt wird zunehmend die Forschung. Alte Rezepte gegen Trockenphasen würden nur bedingt helfen, deshalb kombiniere man drei Lösungsansätze, so Kirscht. "Erstens die Naturverjüngung, also das Aufziehen hiesigen Pflanzenmaterials in einer eigenen Baumschule. Zweitens das Ansiedeln von Pflanzen derselben Art, aber mit einer anderen Herkunft, die unter trockeneren Bedingungen wächst. Und drittens kleine Maßnahmen wie Wässern, Düngen und Freistellen."

Frühwarnsysteme für klimasensitive Gehölze

In zwei Forschungsprojekten unter Beteiligung der SSG wird momentan daran gearbeitet, eine bessere Entscheidungsgrundlage für präventive Maßnahmen zu schaffen, Instrumente für die Anpassung des kulturellen Gartenerbes an den Wandel von Klima und Landnutzung zu schaffen sowie ein Frühwarnsystem für klimasensitive Gehölze in historischen Parks zu entwickeln. Ziel der Projekte ist es nach Angaben von Gartenkonservatorin Kirscht, "Probleme rechtzeitig sichtbar zu machen, um dann gezielt reagieren zu können und dauerhafte Schädigungen zu vermeiden."

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