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Mentrup droht mit Kündigung
Mentrup droht mit Kündigung
21.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Winfried Heck

Karlsruhe - Die Zeichen stehen auf maximalem Konfrontationskurs. Am kommenden Montag sehen sich die Stadt Karlsruhe und der Zweitligist KSC vor dem Landgericht Karlsruhe wieder, das dann entscheiden muss, ob die Stadt beim Neubau des Wildparkstadions ihren Pflichten nicht oder nur unzureichend nachgekommen ist. Mit einstweiligen Verfügungen will der KSC erreichen, dass der bereits laufende Baugenehmigungsprozess so lange ruht, bis alle strittigen Fragen zwischen der Bauherrin - der Stadt Karlsruhe - und dem künftigen Mieter - dem KSC - geklärt sind (wir berichteten).


Es geht um Einsichtnahme in den Vertrag zwischen der Stadt und dem mit dem Bau beauftragten Generalunternehmer, um eine umfassende Umplanung des Businessbereichs, die von der Stadt bisher aus Zeit- und Kostengründen abgelehnt wird, sowie die Planung von Kiosken im Stadionumlauf.

Der KSC hat seine Forderungen mit einem Zwangsgeld in Millionenhöhe hinterlegt, hilfsweise soll der "Herr Oberbürgermeister" mit einer Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten belegt werden. Spätestens an dieser Stelle reißt der Geduldsfaden von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), der inzwischen sogar eine Kündigung des Pachtvertrags zwischen Verein und Stadt nicht mehr ausschließen will. Schon jetzt würden massive Verzögerungen im Bauablauf und damit verbunden erhebliche Kostensteigerungen drohen, was zu Einsparungen an anderer Stelle führen würde.

Noch am Mittwoch wollten sich Stadt und Verein zu einem letzten Gütetermin treffen, der dann vom KSC abgesagt wurde. Deshalb ging die Stadt jetzt in die Offensive. In Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz redete ein sichtlich erregter Mentrup Klartext. Der KSC verkenne seine Rolle als Pächter, wenn er bauherrengleiche Rechte einfordert, die ihm vertraglich gar nicht zustünden, sagte er. Wobei die Stadt ihren Pflichten durchaus vollumfänglich nachgekommen sei.

Genehmigungsplanung, Bauantrag und Ausführungsplanung seien sofort an den KSC weitergereicht worden, nachdem man sie vom Totalunternehmer erhalten hatte. Nur vertrauliche Informationen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer seien zurückgehalten worden, so wie auch ein Mieter normalerweise nicht die Verträge zwischen Bauherrn und Bauunternehmer zu Gesicht bekomme.

Auch bei den Sonderwünschen, für die der Verein die Kosten übernehmen müsste, wurde in 147 von 152 Fällen eine einvernehmliche Lösung gefunden. Hierzu hätte es Dutzende Gespräche und Sitzungen in den vergangenen beiden Jahren gegeben. Klärungsbedarf besteht nur noch in wenigen, dafür aber höchst kritischen Punkten.

Dass der Verein eine Klimatisierung von Fanshop, Clubgaststätte und Logen wünscht, sei noch nachvollziehbar, allerdings müssten entsprechende Einsparpotenziale gefunden werden. Anders sieht es bei der Forderung des KSC aus, der einen 2 000 Quadratmeter großen Businessbereich ohne sichtbehindernde Stützen wünscht. Die in den Stadionbereich integrierte Räumlichkeit - die vier mal so groß wie der große Saal im Konzerthauses Karlsruhe ist - wurde aus statischen Gründen mit insgesamt 48 Stützen im Abstand von acht Metern geplant. Was dem Verein, der diese Planung abgesegnet hatte, erst nach über drei Monaten aufgefallen war. Erst danach kamen die Änderungswünsche, die aus Sicht der Stadt und des Totalunternehmers die Statik erheblich verändern und eine Neuplanung erfordern würden. Diese koste viel Zeit und Geld. Zumal solche Stützen in den Businessbereichen anderer Stadien, beispielsweise in Hoffenheim, laut Mentrup, durchaus üblich und für die Nutzer auch zumutbar sind.

Das sieht der Verein anders und will es vor Gericht als Teil des Vertrags mit der Stadt durchsetzen. Mentrup stellt allerdings klar, dass er im Gemeinderat kein höheres Kostenbudget beantragen werde. Mehrkosten müssten dann über Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden.

Insgesamt habe sich das Klima zwischen Verein und Stadt so drastisch verschlechtert, dass er nichts mehr ausschließen wolle. "Wir erleben, dass der Verein dem Bauherrn unter Androhung von Zwangsgeld und Haft untersagen will, eine Baugenehmigung zu beantragen", schließt Mentrup selbst den Stopp des Vorhabens nicht mehr aus.

"Angesichts eines Partners, der eine bestimmte Rollenverteilung nicht akzeptieren will, kann es am Ende so sein, dass wir schauen müssen, wie wir aus diesem Projekt wieder raus kommen." Vielleicht baue man das Stadion aber auch nach Kündigung des Pachtvertrags in aller Ruhe zu Ende und suche dann einen anderen Verein, der Profifußball in Karlsruhe anbieten wolle, flüchtete sich Mentrup sogar in Sarkasmus.

Noch sei es aber das Ziel, bis Sommer 2022 ein zukunftsfähiges Stadion fertigzustellen und er habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass der KSC am Wochenende "zur Besinnung kommt".

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