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29 Kandidaten: Bad Herrenalb ist heiß begehrt
29 Kandidaten: Bad Herrenalb ist heiß begehrt
25.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Stefan Jehle

Bad Herrenalb - Die Kurstadt Bad Herrenalb schickt sich erneut an, landesweit für Schlagzeilen zu sorgen. Am Montagabend beriet der Gemeindewahlausschuss über die bis Fristende eingegangenen 29 Bewerbungen für die Bürgermeisterwahl am 20. Oktober. Amtsinhaber Norbert Mai (parteilos) tritt nach 16 Jahren nicht mehr an. Die große Bewerberflut löst im Ort kaum Freude aus.

Nach BT-Recherchen steckt die Satiretruppe "Die Partei" dahinter. Mindestens 17 der 29 Kandidaten stammen aus deren Reihen - viele davon aus anderen Bundesländern.

Wird Bad Herrenalb zur Satire? Der Amtsinhaber, der seinen Stuhl zum Jahresanfang 2020 räumt, meinte vor wenigen Tagen, die Vielzahl der Bewerber sei "auf die gute Infrastruktur, das optische Erscheinungsbild und die Aufenthaltsqualität" zurückzuführen. Mai, der 2011 mit 66,1 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit gewählt worden war, hatte mit dafür gesorgt, dass Bad Herrenalb im Sommer 2017 eine Gartenschau ausrichtete.

Und doch gab es in den vergangenen Jahren manche Kontroversen. Etwa rund um die im Dezember 2013 und im Oktober 2016 durchgeführten Bürgerentscheide. Vor sechs Jahren hatte ein ominöser Investor Mittel in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro für den Neubau einer monströs wirkenden "Bäderlandschaft" am südlichen Stadteingang angeboten - bis der ganze Traum zerplatzte. Selbst die Kontoauszüge der Basler Sarasin Bank, die für Seriosität sorgen sollten, erwiesen sich als gefälscht. 2016 und danach beschäftigten sich die Herrenalber und der Landtag mit einem möglichen Kreiswechsel - weg von Calw, hin zu Karlsruhe. Auch das blieb ein Wunschtraum.

Bei der Stadt erwartet man "einen extrem langen Wahlzettel", wie Sprecher Christian Siebje auf Anfrage mitteilt. Probleme sind zudem bei den vier Vorstellungsterminen zu erwarten - mit Start am 30. September im Kurhaus. Der Hauptamtsleiter, sagt Siebje, wolle alle 29 Kandidaten anschreiben, ob sie beabsichtigen, an den vier Terminen teilzunehmen (was mit Anreise teilweise bis aus Köln, Berlin, Kiel, Wilhelmshaven oder Regensburg eher unwahrscheinlich sein dürfte). Hauptamtsleiter Ralph Götzmann rechnete vergangene Woche mit zehn Bewerbern, die vor Ort auftreten - bei 15 Minuten Vorstellungszeit je Kandidat/in.

"Bad Herrenalb ist ein wunderschöner Ort", versichert der Christian Romoser (CDU) - dienstältester Gemeinderat seit über 20 Jahren und zwei Mal hintereinander Stimmenkönig. Die Stadt habe "überregionale Strahlkraft", die Bürgermeisterstelle sei gut dotiert. Romoser urteilte schon vor der öffentlichen Bekanntgabe der 29 Namen: "Die Hälfte der Bewerber nehmen sie einfach mal weg, die sind nicht ernsthaft."

Das mit der Ernsthaftigkeit sieht der Student Max Braun (25) anders. Er sitzt seit 2014 für "Die Partei" im Karlsruher Gemeinderat. Auf der jetzt zugelassenen 29-köpfigen Bewerberliste steht er auf Platz 17. "Wir wollen auf ein Phänomen aufmerksam machen, das sich im Englischen ,parachute candidate' nennt", sagt er, und am ehesten übersetzt wird mit "Fallschirmkandidaturen". Das seien Kandidaten "die nicht in der Gemeinde leben und keinen sonstigen Bezug haben". Auf die Frage, ob mit der Massenkandidatur nicht die mit dem Wahlprozedere befassten Mitarbeiter der Stadt in den Wahnsinn getrieben würden, sagte er: Es ist "eher ein Plus für die Demokratie, wenn wir Aufmerksamkeit für die Wahl schaffen und ein erhöhtes überregionales Medieninteresse". Zudem behauptet Braun mehr oder weniger ernsthaft: "Absprachen gab es natürlich nicht."

Die ernsthaft im Rennen befindlichen Kandidaten kann man an einer Hand abzählen. Dazu zählen die seit neun Jahren bei der Kurstadt beschäftigte Kämmereiamtsleiterin Sabine Zenker (Listenplatz zwei) sowie der Geschäftsführer der Karlsruher Tourismus GmbH, Klaus Hoffmann (Listenplatz ein), der Karlsruher Rechtsanwalt Marc-Yaron Popper (Platz sechs) und der Unternehmer Egon Nagel (Platz drei).

Eine besonders hohe Bewerberzahl gab es schon einmal bei einer Wahl in Bad Herrenalb: 1962 mit 22 (männlichen!) Bewerbern. Sieger war der damals Zweitjüngste: Robert Traub, Kandidat auf Platz 13, amtierte bis 1996.

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