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An die Zukunft denken
07.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Arne Bänsch



und Sven Braun

Berlin - Als Sigmar Gabriel und Wolfgang Kubicki jüngst zusammen auftraten, wetterten sie gegen junge Politiker. "Wie viele Leute, die heute im Bundestag sitzen, haben denn einen Beruf, den sie auch ausüben?", fragte der Bundestags-Vizepräsident, der neben seinem Amt noch als Strafverteidiger tätig ist. Gabriel, der ehemalige Außenminister, beklagte zu wenig Lebenserfahrung bei jüngeren Abgeordneten.





Einen Politiker stört dies wenig. Thomas Oppermann blickt auf 30 Jahre Erfahrung zurück und erinnert sich noch gut an seine eigenen Anfänge. "Natürlich wollen junge Politiker schneller zu Lösungen kommen", sagt der SPD-Politiker. Das bedeute aber auch, dass sie kompromissloser seien, meint der 65-Jährige. Bewegungen wie "Fridays for Future" bescheinigt er noch weniger Bereitschaft für Kompromisse. "Die wollen ihre Forderungen zu 100 Prozent und am liebsten jetzt sofort umsetzen." Stattdessen wünscht er sich, dass mehr junge Menschen in Parteien mitarbeiten.

Junge Leute gibt es auch im Bundestag, wo Abgeordnete im Schnitt rund 50 Jahre alt sind. "Ich werde manchmal gar nicht als Abgeordnete erkannt", sagt Gyde Jensen von der FDP. Die 30-Jährige ist seit 2017 die jüngste Frau im Bundestag. Zu Beginn hätten sie andere Abgeordnete oft für eine Mitarbeiterin oder Praktikantin gehalten, sagt sie. "Ich bin damals in die Politik gegangen, weil ich fand, dass zu wenig junge Leute im Parlament sitzen und mitbestimmen." Schließlich seien junge Menschen diejenigen, die von Entscheidungen am längsten betroffen seien. "Der Bundestag könnte deutlich jünger sein aus meiner Sicht."

Die Abgeordnete aus Schleswig-Holstein ist ambitioniert. Mit dem Vorsitz des Menschenrechtsausschusses bekam sie 2018 zudem große politische Verantwortung. Politik im Bundestag ist ihr teils zu zäh. "Die Mühlen des Bundestages oder der Politik mahlen langsamer, als man sich das manchmal wünschen würde." Aber auch sie wünscht sich, dass Klimaaktivisten ihr Engagement mehr in politischen Debatten und in Parlamenten einbringen.

Politischen Protest von der Straße in die Parlamente verlagern? Wünschenswert wäre das schon, aber Politiker machten es sich damit zu einfach, meint Mirko Drotschmann. Der 33-Jährige betreibt den bekannten deutschen Youtube-Kanal "MrWissen2go" mit mehr als einer Million Abonnenten. "Viele junge Leute wollen sich nicht mehr auf Dauer engagieren, sondern für ein Projekt", sagt Drotschmann. Gleichzeitig hätten sich junge Leute seiner Meinung nach schon über einen langen Zeitraum vernachlässigt gefühlt.

Ein Beispiel wie sich dieser Unmut äußert, hat vor kurzem ein Video des Youtubers Rezo gezeigt. Wenige Tage vor der Europawahl hatte dieser in einem Videobeitrag mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" mit der konservativen Partei abgerechnet und innerhalb kurzer Zeit Millionen von Menschen erreicht. Auch er prangerte zu wenig Engagement für Klimaschutz an. Daraus wurde schnell eine Diskussion mit dem Vorwurf entfacht, alte Politiker würden sich nicht genug um junge Wähler kümmern.

"Man muss auch Politik für diese Zielgruppe machen und nicht einfach versuchen, mit ihr zu kommunizieren", sagt Drotschmann. Sein Ratschlag an Abgeordnete wäre deshalb, auch mal an Schulen zu gehen, um die Sorgen von Schülern besser zu verstehen. "Oft reicht es auch einfach mal, zuzuhören und sich in die Lebenswelt der Leute zu begeben."

Gyde Jensen kann man nicht vorwerfen, die junge Sicht nicht zu berücksichtigen. "Wir müssen auf jeden Fall in der Politik auf Landesebene, auf kommunaler Ebene, aber auch auf Bundesebene dafür sorgen, dass sich die nächste oder eine junge Generation gehört fühlt." Lauter Protest auf der Straße oder Millionen Klicks im Internet generieren Aufmerksamkeit. Die Frage sei dann, was man mit der Aufmerksamkeit macht, sagt die 30-Jährige. Sie fordert beidseitige Verantwortung und mehr Kompromissbereitschaft von Bewegungen wie "Fridays for Future".

Idealistische Forderungen findet Jensen gut, wünscht sich aber auch, dass junge Menschen an umsetzbaren Ideen mitarbeiten. Die ganze Debatte habe gezeigt, dass die Jugend politisch ist und auch schon immer politisch war. "Diesen Moment sollten wir alle gemeinsam nutzen, vor allem auch die ältere Generation, zuzuhören, zu verstehen und dann möglicherweise Kompromisse daraus abzuleiten, die man auch umsetzen kann."

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