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"Dein persönlicher Minischder" in der Kritik
10.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Manfred ("Manne") Lucha passt in keine Politiker-Schublade. Seit 40 Jahren rockt der Gründungsgrüne die Basis mit seinem Temperament und dem über all die Jahre im Südwesten erhalten gebliebenen oberbayerischen Dialekt. Bei Amtsantritt als Sozialminister 2016 weigerte er sich, "Manne" gegen das förmliche Manfred zu tauschen. Und er findet, wie er in der Landtagsdebatte über die gegen ihn erhobenen Kumpanei-Vorwürfe sagt, "Rituale der Geselligkeit produktiv". Die Opposition verlangt dennoch - oder gerade deshalb - nach weiterer Aufklärung der Verbindungen zu dem mit Fördermitteln bedachten Kabarettisten Christoph Sonntag.

Die Zahlen unterstreichen den Bedarf, Licht ins Dunkel zu bringen: FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke beklagt, dass jeder Tag des vom Sozialministerium finanziell unterstützten Demokratieprojekts für Jugendliche 3 500 Euro bei nur 20 Teilnehmern gekostet habe, Lucha wiederum spricht von 151,97 Euro pro Kopf. Das sind umgerechnet auf den Tag allerdings auch gut 3 000 Euro. Nach einer Prüfung der mit der Durchführung von "A-B-C-D-E-Mokratie" beauftragten Landeszentrale für politische Bildung ist dennoch alles mit rechten Dingen zugegangen. Zugleich hatte das Ministerium die Zusammenarbeit mit Sonntag aber gekündigt.

Aufgekommen war die Bekanntschaft der beiden Männer ebenso wie die Förderung des laut PR-Text "einzigartigen Formats politischer Bildung" durch Medienberichte. Den "Stuttgarter Nachrichten" zufolge hatte die Ehefrau des Kabarettisten Zweifel an der Korrektheit des Vorgehens geltend gemacht. Ein SMS-Verkehr ist bekannt, in dem Lucha mit "Dein persönlicher Minischder" unterschreibt. Seiner Noch-Schwiegermutter wird eine Mail zugeordnet, in der die bewilligten Steuergelder als "Selbstbedienungsladen" für Sonntag bezeichnet werden.

"Das Ganze findet also in einem Rosenkrieg statt", so der Grünen-Abgeordnete Thomas Poreski, der daran erinnerte, dass die Zusammenarbeit vor den Veröffentlichungen aufgrund einer Prüfung im Haus gekündigt wurde. Lucha sei also nicht be-, sondern entlastet.

Die Opposition bleibt trotzdem bei ihrer Missbilligung. Für die Fördersumme, so SPD-Fraktionschef Andreas Stoch, "hätten drei bis vier Sozialarbeiterinnen ein ganzes Jahr beschäftigt werden können und viel mehr Effekt erzielt, aber halt ohne Show und ohne Schlagzeilen".

Lucha, einst Sozialarbeiter und langjähriger Gemeinderat, versprach nicht nur alle Akten vorzulegen, sondern auch "in Zukunft ein bisschen darauf zu achten, nicht so flapsig zu sein". Das gebe er selbstkritisch zu.

Verbiegen werde er sich aber nicht: "Als ich Minister wurde, habe ich mir vorgenommen, authentisch und bürgernah zu bleiben und nicht nur bürokratische Phrasen von mir zu geben."

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