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"Das kann nicht gerecht sein"
22.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Karlsruhe - Heute Berlin, morgen Rom und dann ein Auslandsjahr in Afrika - wer das nötige Kleingeld hat, kann mit einem deutschen Pass nahezu problemlos um die Welt reisen. Wie aber ist es, wenn ein Kameruner ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland machen möchte? - "Da stehen die Chancen auf ein Visum oft nicht gut", weiß Myriam Hombach aus Erfahrung. Die Studentin aus Karlsruhe engagiert sich für die Kampagne "Visa-Wie", die sich gegen diskriminierende Visa-Verfahren richtet. In einem Dokumentarfilm will sie auf die Ungerechtigkeiten bei der Visa-Vergabe aufmerksam machen.

"Immer wieder haben wir erlebt, dass es insbesondere für Menschen aus Uganda kaum möglich ist, ein Freiwilligenjahr in der Bundesrepublik zu mache", erzählt Hombach, die am Karlsruher Institut für Technologie Geoökologie studiert.

Ihre Erfahrungen führten zu der Erkenntnis, dass vor allem Antragstellern aus wirtschaftlich weniger privilegierten Ländern das Visum oft verweigert wird. "Meist wird den Menschen aus ärmeren Nationen ein fehlender Wille zur Rückkehr unterstellt", sagt Hombach. Woran genau die Botschaften das festmachen, könne sie nicht nachvollziehen. "Das Kriterium des Rückkehrwillens ist nicht objektiv, es gibt dafür keine Beweise", betont die 25-Jährige.

Fehlender Wille

zur Rückkehr

Mit gesenktem Blick erzählt sie von einer Antragstellerin aus Uganda, die für ein freiwilliges Auslandsjahr in Deutschland sogar ihr Kind in der Heimat zurückgelassen hätte. "Trotzdem wurde ihr nicht geglaubt, dass sie Deutschland nach Ablauf ihres Visums wieder pünktlich verl assen würde." Hombach spricht außerdem von Studierenden aus Kamerun, die in Deutschland ein Auslandssemester absolvieren wollten. "Sie hatten bereits die Zusage einer deutschen Uni in der Tasche. Die Botschaft verweigerte ihnen allerdings das Visum." Der Grund: Man habe nicht an den Studienerfolg der Kameruner geglaubt. "Das kann nicht gerecht sein", sagt Hombach mit fester Stimme.

Eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von Abgeordneten der Bundesfraktion "Die Linke" zeigt, dass es tatsächlich große Unterschiede zwischen den verschiedenen Herkunftsländern gibt: Während die Ablehnungsquote im Jahr 2016 weltweit 6,71 Prozent betrug, lag sie zum Beispiel in Afghanistan bei 28,4 Prozent. Insbesondere in afrikanischen Ländern sind die Ablehnungsquoten sehr hoch, in Guinea lag sie beispielsweise 2016 bei fast 50 Prozent.

Neben den Linken üben auch die Aktivisten von "Visa-Wie" Kritik an diesen Quoten. In der deutschen Bevölkerung sei das Problem allerdings kaum präsent, meint Hombach. Mit einem Dokumentarfilm unter dem Titel "Die Macht des Visums" wollen mehrere Mitglieder von "Visa Wie" nun ein Bewusstsein für die Problematik schaffen.

Dreharbeiten in Afrika und in der Karibik

Bei Hombach laufen die Fäden für das Filmprojekt zusammen. Schon mehr als eineinhalb Jahre arbeitet sie gemeinsam mit ihrem fünfköpfigen Team an dem Projekt, auch ein Filmemacher ist mit im Boot. In der Doku sollen mehrere Personen in unterschiedlichen Ländern vom Stellen ihres Antrags bis zur Entscheidung begleitet werden - wie die einzelnen Fälle ausgehen, ist völlig unklar.

"In der Dominikanischen Republik haben wir bereits mithilfe eines dort ansässigen Filmkollektivs gedreht", verrät Hombach. Die Protagonistin habe versucht, ein Visum zu bekommen, um ihren Bruder in Deutschland zu besuchen. "Momentan sind wir gerade dabei, in Kamerun einen Antragsteller zu finden, der sich filmen lässt." Die Suche nach Protagonisten gestalte sich nicht immer einfach. Zwar seien viele Mitglieder von "Visa-Wie" in verschiedenen Entwicklungsländern vor Ort und hätten immer wieder mit Betroffenen Kontakt, "allerdings scheuen sich viele, sich filmen zu lassen. Sie haben Angst, dass sich das negativ auf ihre Visa-Anträge auswirken könnte", so Hombach. Die einzelnen Geschichten, die entstehen, wollen Hombach und ihr Team mit Interviews aufbereiten. "Wir planen etwa Gespräche mit ehemaligen Botschaftern oder früheren Mitarbeitern des Auswärtigen Amts."

Hombach hofft, das Filmprojekt in ein bis zwei Jahren abschließen zu können. Dann soll die Doku im Rahmen der Bildungsarbeit von "Visa-Wie" eingesetzt werden, etwa bei Workshops. "Wir haben auch noch ein paar andere Ideen und gute Kontakte", kündigt Hombach an. Aber zunächst gehe es darum, den Film fertigzustellen.

Eine Hürde sei dabei auch die Finanzierung. Trotz der ehrenamtlichen Arbeit ihres Teams würden die Kosten für den Film am Ende sicher im fünfstelligen Bereich liegen. "Der Fairwandler-Preis, der uns überreicht wurde, hilft uns bei der Finanzierung", merkt die Studentin an. Nun hofft sie noch auf zwei weitere Quellen: Spendeneinnahmen und der Deutsche Engagement Preis. Der Gewinner des Publikumspreises für ehrenamtliches Engagement erhält 10 000 Euro. Hombach zeigt sich optimistisch: "Die Konkurrenz ist groß, aber einen Versuch ist es wert." Die Abstimmung für den Deutschen Engagement Preis läuft noch bis zum 24. Oktober online.

www.deutscher-engagementpreis.de

www.visawie.org

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