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Knapper, kürzer, handlicher
Knapper, kürzer, handlicher
02.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Es gab viele Unwuchten, als 2011 Schwarz-Gelb abgelöst wurde im Land und eine grün-rote Koalition ans Ruder kam. Die Kulturpolitik gehörte nicht dazu. Ganz im Gegenteil: Die neue grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer lobte die Hinterlassenschaften, zusammengefasst auf 440 Seiten im Konzept "Kultur 2020". Inzwischen haben sich ihr Haus und vor allem Kunststaatssekretärin Petra Olschowski der Fortschreibung angenommen. Gestartet ist der Dialog "Kulturpolitik BW", um Grundlagen für das nächste Jahrzehnt zu entwickeln. Im Wissen, wie es heißt, dass "Kunst und Kultur unverzichtbar ist für unsere Gesellschaft".

Ein neuer Schwerpunkt liegt auf dem ländlichen Raum. In Singen, in Ettlingen und zuletzt in Lauchheim auf der Ostalb fanden drei Foren statt, in denen es nicht nur um Stärken, sondern auch um Schwächen ging, etwa zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen in Kunstbetrieben oder über regionale Grenzen hinweg. Ein weiterer Aspekt von vielen: Nirgends in der Republik gibt es gemessen an der Bevölkerungszahl mehr Kulturfördervereine als in Baden-Württemberg. Die Verantwortlichen vor Ort sind auch auf die Suche nach attraktiven möglichen Spielstätten gegangen. "Die alte Sporthalle, in der auch Theater gespielt wird, ist nicht mehr wirklich gefragt", weiß Olschowski. Aufgelegt wird ein neues Programm "Freiräume", um - mit immerhin drei Millionen Euro ausgestattet - Leerstände, Bibliotheken, Gasthäuser oder andere geeignete Objekte für Kunst- und Kultur nutzbar zu machen. Bereits beschlossen sind andere Förderlinien, etwa jene rund vier Millionen Euro, die Museen, die Kunst- und Musikhochschulen in die Digitalisierung stecken können, um über den eigentlichen Standort hinaus zu wirken. Die weiteren Komplexe des Kulturdialogs "Digitale Welten", "Neue gesellschaftliche Bündnisse" und "Strategien der Transformationen", wurden ebenfalls bereits auf mehreren Veranstaltungen im ganzen Land diskutiert. Alle Ergebnisse sollen in ein neues Konzept einfließen. "Wir haben beste Grundlagen und wissen um das Vorhandene", sagt die Staatssekretärin, "wir wollen jetzt aber einen neuen Ansatz wählen."

Der alte ist im Bundesländer-Vergleich sehr alt. Einmalig war vor mehr als drei Jahrzehnten das Bekenntnis des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth zur Bedeutung von Kunst und Kultur für Wirtschaft und Gesellschaft: "Die veränderte Berufswelt, höhere Bildungsanforderung, der Bedarf an sozialem Engagement, das Spannungsverhältnis von Fortschritt und Identität - all das ist für mich eine kulturelle Herausforderung ersten Ranges, die auch von großer Bedeutung für unseren Standort ist." Der Satz stammt von 1989, als schon die Überarbeitung der ersten Kulturkonzeption anstand. Auf Späth geht - neben vielem anderen - das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie zurück, aber auch dass kleinere und alternative Projekte gefördert wurden und werden. Seither und bis zu "Kultur 2020" wurden die Konzepte fortgeschrieben. Jetzt wird im Frühsommer die neue Variante präsentiert - knapper, kürzer, handlicher, wie Olschowski verspricht, und vor allem mit konkreten Empfehlungen. Was nicht ohne Eigennutz ist, weil auf diese Weise auch Strukturen durchleuchtet werden. Vom kommenden Jahr an gilt erstmals die Schuldenbremse, also das Verbot zusätzlicher Kreditaufnahmen. Und das wird die finanziellen Spielräume auf allen Ebenen verknappen.

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