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Verrisse und Bekenntnisse
Verrisse und Bekenntnisse
27.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Gut, dass noch ein "Tatort" kam mit Ulrich Tukur als bewährter Ermittler und mit überraschender Wendung am Ende des langen, ersten Wettbewerbstags beim Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden, um das selbst gesteckte Qualitätscredo der im Kurhaus vorherrschenden öffentlich-rechtlichen Fernsehwelt wieder zurechtzurücken - nach viel "Action-Klischees" von Privaten. Insgesamt ist das bis Freitag laufende Festival in seiner 31. Ausgabe sowieso krimi- und problemlastig, mit allein drei ARD-"Tatorten" im Wettbewerb um den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Ins Rennen hat sich also gestern Nachmittag ein durchaus packendes Sat.1-Gerichtsdrama eingemischt, das das Thema Zivilcourage hochhält. Sonja Gerhardt, Star aus dem ZDF-Mehrteiler "Ku'damm 56", spielt eine junge Staatsanwältin, die vor einer riesigen Herausforderung steht. Es ging um das brisante Thema Gewaltexzesse in der U-Bahn, hier in Berlin: Zwei Jugendliche schlagen im Film "Ein ganz normaler Tag" von Ben Verbong vor den Augen zahlreicher Passagiere in der Bahn zwei Mitfahrer brutal zusammen. Das männliche Opfer liegt im Koma, seine Freundin wird verletzt. Die Polizei stellt die beiden Täter noch am Tatort, es gibt genug Zeugen, die aber ziehen nach massiven Einschüchterungen aus dem Umfeld der Täter ihre Aussagen plötzlich zurück.

Die Jury unter der Leitung von Christiane von Wahlert hat den Sat.1-Film bei der anschließenden Diskussion vor Publikum im gut besetzten Runden Saal in der Luft zerrissen: zu eindimensional erzählt, vorhersehbar, brutal. Jury-Punkte erhielt der Film immerhin für die schon dokumentarisch-ernsthafte Kameraführung von Peter Nix. Dass die Geschichte nicht ganz am Leben vorbei agiert, zeigte das Bekenntnis von Jurymitglied Mehmet Akif Bükükatalay. Er erzählte, dass er selbst zweimal in Berlin von aggressiven jungen Männern provoziert und angegriffen worden sei, einmal habe er sich dabei ein Bein gebrochen: "Und die Gerichtsverhandlung war im gleichen Gerichtsgebäude in Tempelhof", fügte er noch hinzu. Die Gewaltbereitschaft dieser jungen Männer zeige weniger ein rechtsextremes oder ausländerfeindliches Problem, sondern sei mehr Ausdruck einer unter ihnen vorherrschenden "toxischen Männlichkeit - die muss hinterfragt werden", unterstrich der deutsch-türkische Filmemacher immerhin die Relevanz des Filmthemas.

Ein Leichtgewicht mit viel Charme ist demgegenüber die Gesellschaftskomödie "Klassentreffen" (WDR), die heute Vormittag läuft. Ein Promiaufgebot - mit Annette Frier, Charly Hübner, Anja Kling, Nina Kunzendorf - trat in der Regie von Jan Georg Schütte angeblich ohne Textvorgabe und ausformulierter Geschichte an: Witzig, melancholisch und wahrhaftig haben sie ehemalige Klassenkameraden gespielt, die, selbst 25 Jahre nach dem Abitur, noch einiges miteinander abzurechnen haben.

Bis morgen läuft der Hauptwettbewerb des Fernsehfilm-Festivals mit zwölf nominierten Fernsehfilmen, mit dabei auch der ORF. Am Freitag schließt sich der Nachwuchswettbewerb um den MFG-Star an.

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