Attacke auf die Lufthansa

Ryanair-Jet in Frankfurt am Main: Der irische Billigflieger nimmt die Lufthansa an ihrer Heimatbasis  ins Visier.  Foto: dpa

Von Jürgem Volz,

Meldung dpa

Rheinmünster/Frankfurt - Der irische Billigflieger Ryanair nimmt die Lufthansa an ihrer Heimatbasis Frankfurt noch stärker ins Visier. Ab Sommer 2018 würden 34 neue Strecken von Deutschlands größtem Flughafen angeboten, sagte Marketingchef David O'Brien gestern. Gleichzeitig baut Ryanair die Präsenz am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) aus. Dort werden fünf neue Ziele aus dem Winter in den Sommerflugplan 2018 übernommen.

Unter den neuen Strecken in Frankfurt seien Geschäfts- und Urlaubsziele vor allem in Spanien, Italien und Griechenland, erklärte O'Brien, etwa Barcelona, Lissabon, Mailand, Marseille, Mykonos und Gran Canaria. Für den Ausbau solle die Zahl der stationierten Jets in Frankfurt bis nächsten Sommer um drei auf zehn steigen. Der Flughafen Frankfurt-Hahn in Rheinland-Pfalz solle zudem eine neue Strecke ins bulgarische Plowdiw erhalten und dann 43 Ziele anbieten.

Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden ist die Resonanz auf die fünf neuen Strecken nach Edinburgh, Lissabon, Sevilla, Tel Aviv und Warschau für den kommenden Winter so gut, dass die Ziele auch im Sommer angeflogen werden. Damit bedient der irische Billigflieger am FKB insgesamt 18 Routen, wie Neal McMahon, Chef der Routenentwicklung der Airline, gestern bei der Vorstellung des neuen Programms sagte. Ryanair erwartet am FKB aufgrund der Streckenausweitung jährlich rund 850000 Passagiere - 75000 mehr als bisher.

Dass die Expansion von Ryanair in Frankfurt negative Folgen für den FKB haben könnte - zwischen den beiden Flughäfen liegen gerade mal 180 Kilometer -, befürchtet man angesichts des deutlich erweiterten Angebots der Iren am Baden-Airport nicht. "Außerdem haben die beiden Flughäfen unterschiedliche Einzugsgebiete", sagte Flughafensprecherin Elke Fleig gestern. Das Einzugsgebiet des FKB reiche vom Rhein-Neckar-Raum im Norden bis nach Freiburg im Süden und beziehe Teile des Elsass mit ein, so Fleig.

Der FKB verzeichnet im bisherigen Jahresverlauf ein höheres Passagieraufkommen und wird die Vorjahreszahl von 1,11 Millionen deutlich übertreffen. 2018 dürften die Kundenzahlen angesichts der neuen Ryanair-Strecken nochmals steigen.

Der irische Billigflieger hatte bereits in diesem Sommer die Lufthansa attackiert und erstmals von Frankfurt am Main aus vier Strecken in Europa ins Angebot genommen. Zuletzt hatte Ryanair verkündet, die Zahl der Jets in Frankfurt für den Winterflugplan von zwei auf sieben zu erhöhen. Insgesamt wollen die Iren, die in Deutschland insgesamt 14 Flughäfen anfliegen, hierzulande 2018 um 20 Prozent wachsen - gemessen an Passagieren und Flügen.

Eine weitere Expansion in Deutschland hänge vom Marktumfeld ab, sagte Marketingchef O'Brien. "Wir haben kürzlich München hinzugenommen, dort könnten wir mehr machen." Der Manager plädierte dafür, den Flughafen Berlin-Tegel offenzuhalten. "Es ist verrückt, dass Deutschlands Hauptstadt weniger Kapazität hat als Dublin." Sollte Tegel offenbleiben, sei es möglich, dass Ryanair auch dort mehr Flugzeuge stationiere.

Der Vorstoß der Iren auf das Territorium der Lufthansa stößt auf Widerstand des deutschen Marktführers. An einer neuen Gebührenstaffel, mit der Flughafenbetreiber Fraport Ryanair Rabatte gewährt und die Iren so nach Frankfurt gelockt hatte, entzündete sich ein heftiger Streit. Lufthansa warf Fraport vor, die Iren zu bevorzugen. Zuletzt hatten die beiden Parteien ihren Zwist teils beigelegt. Lufthansa baut inzwischen ihre Billigtochter Eurowings ebenfalls aus, fliegt aber damit Frankfurt noch nicht an.

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