Umfrage sorgt für Unruhe in der Union

Nach den schlechten Umfrage-Ergebnissen erhalten Merkel-Kritiker Auftrieb. Foto: dpa

Von Gunther Hartwig

Berlin - Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen sorgt eine Umfrage für weitere Diskussionen in der CDU. Danach hat eine Analyse des Meinungsforschungsinstituts Insa ergeben, dass sich zwar vier von zehn Wählern der Union nur wegen Bundeskanzlerin Angela Merkel für CDU oder CSU entscheiden. Auf der anderen Seite könnten sich aber rund 30 Prozent der Nicht-Unionswähler vorstellen, der Partei ohne Merkel ihre Stimme zu geben.

Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über die Umfrage berichtet. Das Blatt schrieb, die "geheime Anti-Merkel-Umfrage" kursiere in der Union und gehe "auf Spitzenkreise von CDU/CSU selbst zurück". Ein CDU-Parteisprecher lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zu der Erhebung und deren Auftraggeber ab: "Dazu äußern wir uns nicht." Verwiesen wurde auf eine Mitteilung des Instituts Insa bei Facebook: "Wir haben diese interessante Umfrage zu Analysezwecken im Rahmen unserer Wahlforschung durchgeführt. Es gab dafür keine Beauftragung."

In der Union gibt es seit der Bundestagswahl am 24. September interne Debatten über die Gründe für den Absturz von 41,5 Prozent im Jahr 2013 auf jetzt nur noch 32,9 Prozent. Offen wird darüber geredet, dass die "Merkel-muss-weg-Kampagne" der rechtspopulistischen AfD offenkundig mehr Wirkung erzielt habe als vorher vermutet. Daher dürfte die Insa-Umfrage über den möglichen Anziehungs- beziehungsweise Abschreckungseffekt der Bundeskanzlerin für die Wähler in der Partei mit Interesse zur Kenntnis genommen werden.

Die "Bild"-Zeitung jedenfalls schloss aus der Erhebung, dass die Union bei der jüngsten Bundestagswahl unter dem Strich "ohne Merkel mehr erreicht" hätte als das enttäuschende Ergebnis von 32,9 Prozent. Freilich wird darauf hingewiesen, dass bei der Umfrage keine Rolle gespielt habe, wer statt der Bundeskanzlerin an der Spitze der Union kandidiert hätte.

Auftrieb könnten nun jene Merkel-Kritiker erhalten, die seit langem argumentieren, die Anhänger der Kanzlerin hätten keine dauerhafte Bindung an die CDU oder deren Programmatik. Auch eine weiter anschwellende Diskussion über die Merkel-Nachfolge sowie den Zeitpunkt ihres Abgangs wird in Parteikreisen nicht ausgeschlossen.

Von einem unverändert großen Rückhalt für die Bundeskanzlerin im eigenen Parteilager zeugt demgegenüber eine gestern veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und "Stern". Danach würden sich derzeit 92 Prozent der CDU/CSU-Anhänger für Angela Merkel entscheiden, wenn der Regierungschef in Deutschland direkt gewählt würde. SPD-Chef Martin Schulz kam beim SPD-Anhang nur noch auf 66 Prozent - fünf Prozentpunkte weniger als vor einer Woche.

Allgemein geht eine Mehrheit der Wahlbürger von einer stabilen Zukunft der Volksparteien im politischen System der Bundesrepublik aus. Laut Forsa sind 60 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Union und SPD auch wieder mehr Wähler anlocken als bei der Bundestagswahl, wo es für beide Lager empfindliche Einbußen gegeben hatte. 34 Prozent glauben das nicht.

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