Zwölf Wochen Vollsperrung ohne Alternative

Zwölf Wochen Vollsperrung ohne Alternative

Von Volker Neuwald

Gambsheim - Der Rheinübergang zwischen Rheinau und Gambsheim wird zwischen Anfang Juni und Ende August 2018 für rund zwölf Wochen komplett gesperrt sein. Die französischen Behörden empfehlen allen Verkehrsteilnehmern, nach Norden über die Staustufe Iffezheim oder nach Süden über die Kehler Rheinbrücke auszuweichen. Gestern Abend fand in Gambsheim eine Informationsveranstaltung statt.

Rund 10000 Fahrzeuge, darunter 1500 schwere Lkw, passieren tagtäglich die Staustufe Gambsheim. Dieses hohe Verkehrsaufkommen hat der 45 Jahre alten Brückenanlage auf französischer Seite (über die beiden Schleusen und die Kraftwerksturbine hinweg) gehörig zugesetzt. Der Neubau ist bereits mehrfach angekündigt, aber dann verschoben worden.

Jetzt werden also Nägel mit Köpfen gemacht: Das französische Département Bas-Rhin und das auf badischer Seite zuständige Regierungspräsidium (RP) in Freiburg nutzen die ohnehin notwendige Vollsperrung, um einen gesicherten Rheinübergang für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Auf französischer Seite sollen zudem im Hinterland die Départementstraße 2 bis zur Autobahn 35 sowie weitere Brücken über die Ill und den Ill-Entlastungskanal saniert werden. Der Neubau der Auto- und Radwegbrücke kostet nach letzten Schätzungen 9,9 Millionen Euro. Deutschland übernimmt 2,6 Millionen Euro.

Im März 2017 gab es auf deutscher Seite harsche Kritik an der Informationspolitik auf der anderen Rheinseite, rechnete man doch mit der Vollsperrung bereits im Sommer 2017. Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein warnte vor den dramatischen Folgen der Sperrung für viele Betriebe vor allem zwischen Offenburg und Achern, die zahlreiche Elsass-Pendler beschäftigen.

Gestern betonten die Vertreter der französischen Straßenbaubehörde deshalb, dass seit April 2017 ein großer Beteiligungs- und Informationsprozess stattgefunden habe. Mehr als 800 Anfragen seien gestellt worden, um Probleme zu diskutieren und Kompromisslösungen zu finden. Zur Vollsperrung gebe es aber keine Alternative. Eine Ersatzbrücke für Autofahrer könne aus statischen Gründen nicht gebaut werden.

Betriebe und Kommunen in der Region können sich dank des Vorlaufs besser auf die Einschränkungen einstellen. Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche befürchtet dennoch immense Verluste für die Geschäfte seiner Gemeinde: "80 Prozent der Kunden der Einkaufsmärkte im Gewerbegebiet Freistett kommen aus Frankreich", hatte Welsche im April 2017 dem "Acher- und Bühler Boten" gesagt. Schmerzhafte Monate sieht auch Dominik Eble von der BKB Badische Kioskbetriebe auf das Unternehmen zukommen, das in unmittelbarer Nähe der Brücke in Rheinau eine seiner Filialen betreibt, die Tabakwaren verkauft: "95 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit französischen Kunden", sagte er dem BT. Die könnten sich neue Anlaufstellen suchen.

Bereits in dieser Woche haben auf deutscher Seite Bauarbeiten an der Landesstraße 87 zwischen Freistett und Gambsheim begonnen. Sie hängen mit der Rad- und Gehwegbrücke über den Wehrkanal zusammen, erläutert das RP in Freiburg. Anfang März soll mit dem Einbau der Brückenteile begonnen werden, fertig sein will man im Juni. Dann könnten die französischen Straßenbaubehörden nahtlos mit ihren Arbeiten und der Vollsperrung auf französischer Seite anknüpfen. Eine große Unbekannte beiderseits des Rheins ist die Hochwassersituation im Frühjahr, so das RP. Zeitliche Verschiebungen im Bauzeitenplan sind möglich.

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