Die Karausche soll der Region erhalten bleiben

Die Karausche soll der Region erhalten bleiben

Karlsruhe (for) - Sowohl gute als auch schlechte Nachrichten haben das Regierungspräsidium Karlsruhe und der Landesfischereiverband Baden-Württemberg: Während in den heimischen Gewässern wieder mehr Steinbeißer gezählt werden, haben Forscher einen erheblichen Rückgang der Karausche festgestellt.


Lediglich in drei von rund 80 Gewässern konnte Ralf Haberbosch die karpfenartige Karausche nachweisen. Der Diplom-Biologe führte von 2012 bis 2014 Untersuchungen entlang des Rheins zwischen Baden-Baden und Mannheim durch. Weil die Karpfenart immer seltener vorkommt, wurde sie im Jahr 2014 in der Roten Liste Baden-Württembergs um eine Stufe angehoben. Sie gilt seither als vom Aussterben bedroht.

Und das, obwohl man bis vor etwa 15 Jahren noch davon ausging, dass die Karausche im Land weit verbreitet ist. Für diese falsche Annahme gibt es laut Haberbosch verschiedene Ursachen: "Oft wird die Karausche mit dem Giebel, der sie zunehmend verdrängt, verwechselt". Außerdem bewohne die bedrohte Fischart überwiegend kleine Gewässer wie Rheinauen, die von den Fischereivereinen nicht bewirtschaftet und von den Ämtern nicht nach Fischbeständen geprüft werden.

Durch Rheinbegradigung und Hochwasserschutzmaßnahmen sind die meisten Auengewässer vom Fluss abgetrennt worden. "Dies führt dazu, dass die Auengebiete nicht mehr regelmäßig von Hochwasser durchflutet und gereinigt werden", erklärt Haberbosch. Folglich verlanden die Gewässer und die Karausche verliert zunehmend ihren natürlichen Lebensraum. Als weiteren Grund nennt der Experte den Kalikokrebs, eine eingeschleppte Art, die der Karausche die Nahrung wegnimmt, weil sie den Untergrund aufwühlt und die Wasserpflanzen so am Wachstum hindert.

Um das Aussterben der bedrohten Fischart zu verhindern, wurde nach geeigneten Besatzgewässern gesucht. Dadurch, dass geeignete Kleinstgewässer oder Tümpel mit der Karausche besetzt werden, wolle man die Art im Regierungsbezirk Karlsruhe langfristig sichern. Laut Frank Hartmann von der Fischereibehörde sind bisher in drei Kleinstgewässer im Landkreis Karlsruhe Karauschen eingesetzt worden. "Wir haben leider nicht genügend Fische, um alle möglichen Lebensräume gleichzeitig zu besetzen, deshalb müssen wir die Sache langsam angehen", so Hartmann. Besonders im Landkreis Rastatt gebe es noch viele geeignete Kleintümpel.

Doch allein dadurch, dass man für die Fische neue Lebensräume suche, sei das Problem noch nicht gelöst. "Starke Düngung führt zu verstärktem Pflanzenwachstum. Folglich verlanden die Stillgewässer noch schneller", sagt Haberbosch. Eine intensive Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe zu den Gewässern müsse unterbunden werden. Ob tatsächlich Jungtiere nachkommen und ob der Bestand des schimmernden Fischs tatsächlich gesichert werden kann, will die Behörde in den kommenden Jahren überwachen.

Deutlich entspannter sieht dagegen die Lage des Steinbeißers aus. Der auch Dorngrundel genannte Fisch sei im Rheinsystem wieder vermehrt anzutreffen. Das stellten die Diplom-Biologen Michael Pfeiffer und Benjamin Schmieder bei ihren Untersuchungen fest.

Hartmann zeigt sich zuversichtlich: "Der Fisch ist weiterhin auf dem Vormarsch. Im Bezirk Karlsruhe zählt er sogar zu einer der häufigsten Fischarten am Rhein". Als Speisefisch eigne sich die Dorngrundel allerdings nicht besonders gut.

Auch im Raum Rastatt ist der Steinbeißer zu Hause. Maik Seiberling, zweiter Vorsitzender der Fischergilde Plittersdorf, kann das bestätigen: "Immer wieder stoßen wir am Altrhein auf den Fisch. Gerade am Kieswerk stellt der Rhein mit seinem grabbaren Untergrund einen sehr geeigneten Lebensraum für den Steinbeißer dar".

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl bezeichnete den Steinbeißer als ermutigendes Beispiel dafür, dass sich eine stark gefährdete Art erholen könne, wenn ihr Lebensraum wieder hergestellt werde.

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