Neue Herausforderungen für Ingenieure und Informatiker

Neue Herausforderungen für Ingenieure und Informatiker

Von Volker Neuwald

Gaggenau - 4.0 ist in aller Munde: Das Vernetzen industrieller Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik wird nach Expertenansicht zu tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt führen. Deutschland und Europa stehen dabei noch am Anfang. Um im globalen Wettbewerb des digitalen Wandels bestehen zu können, müssen aber auch Forschung und Entwicklung vernetzt werden.

Diesen Appell richtete Professor Steffen Kinkel vom Institut für Lernen und Innovation in Netzwerken an der Hochschule Karlsruhe am Montag in Gaggenau an rund 65 Teilnehmer einer Konferenz, zu der der Expertenausschuss Innovationsförderung der Oberrheinkonferenz eingeladen hatte. In der Modellfabrik des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau in der Unimogstraße 1 tauschten sich Deutsche, Franzosen und Schweizer über die neuen Herausforderungen aus.

Gastgeber war die Wirtschaftsregion Mittelbaden, ein Zusammenschluss von 25 Kommunen und Gebietskörperschaften sowie weit über 50 Unternehmen. "Der Fokus unserer Arbeit liegt in der Vernetzung der Akteure aus Kommunalpolitik und Wirtschaft, in der Förderung der Kommunikation, des Dialogs und des Informationsaustauschs", begrüßte Geschäftsführer Claus Haberecht die Gäste.

Kinkel erläuterte dann in seinem Vortrag unter anderem, was sich hinter dem Begriff Industrie 4.0 konkret verbirgt, wo die Unternehmen heute stehen und welche Kompetenzen künftig benötigt werden. Es gebe Vorreiter wie Daimler oder Bosch, die laut Kinkel aber darauf achten müssten, dass ihre Zulieferer nicht zu sehr ins Hintertreffen geraten. "Ingenieure und Informatiker sollten bei Projekten konsequent zusammenarbeiten, um die Sichtweise und ,Sprache' des jeweils anderen verstehen zu lernen", so Kinkel weiter. Der Experte glaubt an eine "(re-)lokalisierte Produktion": Die neuen Digitalisierungstechnologien würden zu erhöhter Produktivität und Flexibilität führen, so dass Arbeitskostenvorteile in Niedriglohnländern weniger ausschlaggebend für Standortentscheidungen werden dürften. Innovative Firmen würden vielmehr auf individualisierte Konsum- und Produktionsmodi setzen. Als Beispiel nannte Kinkel die "Speedfactory" von Adidas, die schnelle und spezialisierte Schuhfertigung durch Roboter - made in Germany.

Vor der Konferenz in der Modellfabrik besichtigten die Teilnehmer das Werk Gaggenau von Mercedes-Benz, danach ging es weiter zur Carl-Benz-Schule und der dort angesiedelten Lernfabrik 4.0. Den Abschluss bildete ein Plenum im Mercedes-Benz-Werk.

Die Oberrheinkonferenz versteht sich als Schlüsselgremium der Zusammenarbeit am Oberrhein. Unter dem Slogan "Drei Länder, zwei Sprachen und ein Ziel" pflegen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Elsass und die Schweizer Kantone der Region Basel einen intensiven Austausch. Mehr als 500 Experten erarbeiten in zwölf Arbeitsgruppen und 35 Ausschüssen Projekte, um die Zukunftsfähigkeit der Region sicherzustellen.

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