Auch viele Kommunen zahlen inzwischen Strafzinsen

Auch viele Kommunen zahlen inzwischen Strafzinsen

Stuttgart/Baden-Baden (lsw) - Die Niedrigzinsphase auf den Kapitalmärkten bekommen auch verstärkt Kommunen im Südwesten zu spüren. Städte müssen teilweise auf große Guthaben bei Kreditinstituten Strafzinsen zahlen, wie aus einer Erhebung des Bunds der Steuerzahler hervorgeht. "Es werden Ausgaben zum Teil in sechsstelliger Höhe getätigt, aber ein direkter Nutzen für die Bürger steht dem nicht entgegen", sagte Verbandschef Zenon Bilaniuk. Dieser Vorgang sei ärgerlich. Die Organisation erhob die gezahlten Strafzinsen für das vergangene Jahr von 57 Kommunen im Land, die mehr als 30000 Einwohner haben.

Die Rangliste der Erhebung führte Tübingen an. Die Stadt zahlte 2017 den Angaben zufolge 139 719 Euro an Strafzinsen. Für 2018 werden Ausgaben von 100000 Euro erwartet. Bei Karlsruhe summierten sich die Ausgaben im vergangenen Jahr auf 113000 Euro. Bilaniuk sagte, Verursacher dieser Problematik sei die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik und den Strafzinsen auf hohe Einlagen. Kreditinstitute müssen derzeit 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Aus Steuerzahlersicht sei dieser Kurs fatal. Gewinner sei der verschuldete Staat, der von den niedrigen Zinsen profitiere. Der Steuerzahlerbund sagte, eine Erklärung für die angefallenen Negativzinsen könne darin liegen, dass einzelne Kommunen über zu viel Liquidität verfügten. "Aber anstatt das Geld den Banken zu überweisen, wäre es besser, wenn das Geld über eine Senkung der Grund- und Gewerbesteuer an die Bürger zurückgegeben würde."

Von Tübingen verlangte die erste Bank im April 2017 Negativzinsen für Guthaben, wie eine Sprecherin mitteilte. Andere Institute zogen nach. "Anzumerken ist noch, dass je nach Hausbank Freibeträge gewährt werden, unter denen kein Verwahrentgelt anfällt. Diese bewegen sich je nach Bank zwischen 250000 und drei Millionen Euro."

Nicht nur die Großbanken verlangen die Strafgelder. Eine Sprecherin von Karlsruhe erklärte: "Ja, auch die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken verlangen Verwahrentgelte." Baden-Baden musste 2017 laut der Erhebung 63330 Euro zahlen, Freiburg 70000 Euro, Mannheim hingegen nur 53 Euro und Stuttgart nichts.

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