Auerhuhn schlägt Astrofotografie

Auerhuhn schlägt Astrofotografie

Von Volker Neuwald

Freudenstadt - Der Verein Photoworks Freudenstadt ist sauer auf den Nationalpark Schwarzwald: Die Hobbyfotografen wollten in der Nacht vom 14. auf den 15. April von einer Stelle oberhalb des Schliffkopfhotels Bilder der Milchstraße knipsen. Für diese Astrofotografie muss es so dunkel wie möglich sein. Der Workshop fiel kurzfristig ins Wasser, weil die Nationalparkverwaltung Wind davon bekam und die Exkursion verbot. Jetzt schlagen die Wellen der Empörung hoch.

Begründet wird die Ablehnung mit Verweisen auf zahlreiche Paragrafen aus diversen Gesetzen. Die Hobbyfotografen zweifeln die rechtlichen Grundlagen zwar nicht grundsätzlich an, verstehen sie aber auch als "schallende Ohrfeige". Können sechs Fotografen in der Nacht mehr Störungen verursachen als Tausende Besucher am Tag oder Drückjagden quer durch den Nationalpark? "Wir möchten einfach nur die Logik dahinter verstehen. Vielleicht hilft uns das, unseren Frust zu verarbeiten", schreibt Anne Wurster, die zweite Vorsitzende von Photoworks.

Deshalb fasst Franziska Schick von der Pressestelle des Nationalparks den Sachverhalt auf BT-Anfrage in verständlicher Form zusammen: "Im Falle von Photoworks handelte es sich um eine organisierte Veranstaltung, die im Nationalpark immer einer Genehmigung bedarf. Photoworks hatte zur Veranstaltung eingeladen, bevor mit dem Nationalpark über das Vorhaben gesprochen wurde. Sonst hätten sie bereits früher gewusst, dass in diesem Fall keine Genehmigung möglich gewesen wäre", so die Stellungnahme.

Zur Begründung heißt es weiter: "Der Veranstaltungstermin fiel in eine sehr sensible Zeit, in der es für das Wild nur darum geht, möglichst energiesparend über die Runden zu kommen mit dem kargen Angebot der Natur." Zusätzlicher Stress sei absolut zu vermeiden. "Das Auerwild braucht Ruhe im Wald und auf den Grinden - insbesondere nachts, in den Tagesrandstunden und jetzt zur Balzzeit." Fazit der Verwaltung: Die Aktion hätte den Schutzzweck des Parks beeinträchtigt.

Der Vergleich mit den - nur tagsüber stattfindenden - Jagden hinke, weil der Nationalpark gesetzliche Verpflichtungen zu erfüllen habe. Es fänden weniger Jagden statt, als es das Jagdgesetz erlaube. Gejagt werde nur im Zeitraum etwa von Mitte Oktober bis Mitte November, erläutert Schick.

Ob diese Erläuterungen die Hobbyfotografen zufriedenstellen, ist offen. Auf Facebook wird ganz unverhohlen vorgeschlagen, die Sessions einfach nicht mehr öffentlich anzukündigen. Dieser Gesetzesverstoß könnte dann allerdings teuer werden.

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