Land setzt auf Fusion von Verkehrsverbünden

Land setzt auf Fusion von Verkehrsverbünden

Karlsruhe (win) - Das Land Baden-Württemberg ist bereit, sechs Jahre lang durchschnittlich 50 Prozent der Mindereinnahmen zu übernehmen, wenn Verkehrsverbünde deutlich einfachere Tarifzonenmodelle und preiswertere Tickets einführen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich zwei oder mehr Verkehrsverbünde zu größeren Strukturen zusammenschließen. Ohne Fusion, mit der die ungewöhnlich hohe Zahl von 22 Verkehrsverbünden im Land reduziert werden soll, würde das Land "nur" 15 Prozent der Mindereinnahmen refinanzieren. Dies sagte Ministerialdirektor Uwe Lahl aus dem Verkehrsministerium gestern bei seinem Besuch im Karlsruher Rathaus.

Hintergrund des Landesangebots ist, dass beim Kampf gegen Luftverschmutzung und angesichts drohender Fahrverbote im Bereich des Verkehrsverbunds Stuttgart auch preiswertere Tickets eingeführt werden sollen. Das Land wird sechs Jahre lang durchschnittlich 15 Prozent der hierdurch fehlenden Einnahmen übernehmen. Was für Stuttgart gilt, soll nun auch dem Rest des Landes zugute kommen.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup zeigte sich positiv überrascht und versprach, die ohnehin schon laufenden Fusionsgespräche mit benachbarten Verkehrsverbünden zu intensivieren. Im Karlsruher Verkehrsverbund werde zudem seit geraumer Zeit an einer neuen Tarifstruktur gearbeitet, die spätestens nach Vollendung der Kombilösung 2022/23 umgesetzt werden soll.

Mit einer Fahrkarte nach Stuttgart

Um mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, wird das Land ab dem 4. Dezember zudem einen sogenannten BW-Tarif einführen. Um beispielsweise von der Karlsruher in die Stuttgarter Innenstadt zu kommen, sei dann nur noch eine Fahrkarte nötig statt drei. Vergleichbar sei das Angebot mit dem City-Ticket der Bahn, das Bahncard-Kunden bei Fernreisen auch die Nahverkehrsnutzung am Start- und Zielort ermöglicht.

Weitere Themen im Karlsruher Rathaus waren der Bau der Kombilösung und die anstehende Sanierung der Rheinbrücke. Wie bereits berichtet, hat sich das Land endgültig bereiterklärt, 20 Prozent der zuschussfähigen Kosten beim Bau der Kombilösung zu übernehmen. Bisher war lediglich ein Festbetrag in Höhe von 108 Millionen Euro zugesagt, nun dürften noch rund 30 Millionen Euro hinzukommen. Der Bundeszuschuss beträgt weiterhin 60 Prozent. "Dieser Kabinettsbeschluss wurde erstaunlich schnell und unkompliziert herbeigeführt", sprach Mentrup von einem klaren Signal, dass dem ÖPNV im Kampf gegen die Feinstaubbelastung eine große Rolle beigemessen wird. Auch für Lahl war der Beschluss folgerichtig, denn Karlsruhe sei in Sachen Verkehrswende ein Vorreiter im Land.

Bei der Sanierung der Rheinbrücke, die Ende Juli beginnen soll, hofft Lahl ebenfalls auf ein Umdenken. "Wenn die Menschen ihr Verhalten nicht ändern, wird es enorme Stauprobleme geben", ist er sich sicher. Um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern, habe man das Angebot im Nahverkehr über den Rhein deutlich aufgestockt. Zudem appellierte Lahl an die Pendler, sich zu Fahrgemeinschaften zusammenzuschließen.

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