Südbaden ist schon weiter

Südbaden ist schon weiter

Von Thomas Trittmann

Rastatt/Stuttgart - Bessere Verbindungen zwischen Baden und dem Elsass für Radfahrer, Fußgänger und Nutzer des ÖPNV zu schaffen, ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Jüngst fand dazu in Karlsruhe ein Runder Tisch mit Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und rund 50 Vertretern aus der Oberrheinregion statt.

Im Fokus der Verkehrspolitiker steht einerseits, die Situation für Fußgänger und Radfahrer an der Staustufe Iffezheim und auf der Wintersdorfer Brücke zu verbessern. Andererseits will das Land die Reaktivierung zweier ehemaliger Bahnverbindungen vorantreiben, nämlich der Strecke von Freiburg nach Colmar und der Verbindung von Rastatt nach Hagenau. Rückenwind gibt es dabei aus Brüssel: Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission bestätigt beiden Verbindungen einen hohen Nutzen für die jeweilige Region.

Dabei sieht es so aus, als schritten die Dinge in Südbaden schneller voran als in Mittelbaden. Eine Machbarkeitsstudie zur Strecke nach Colmar - die unter anderem den Neubau einer Rheinbrücke erfordern würde - ist bereits in Auftrag gegeben. Laut dem Landesverkehrsministerium sollen erste Ergebnisse schon Ende des Jahres vorliegen.

Hingegen ist eine solche Studie für die Wintersdorfer Strecke bislang noch nicht in Arbeit. Zuständig ist der Eurodistrikt Pamina, der Mitte 2019 eine solche in Auftrag geben will. Die Kosten für die Studien liegen nach Ministeriumsangaben bei jeweils 500000 bis 600000 Euro. Im Falle Freiburg-Colmar werden die Kosten zwischen deutscher und französischer Seite geteilt; die Finanzierung der Studie Rastatt-Hagenau ist noch nicht geklärt. Ebenfalls noch offen ist, ob die bloße Reaktivierung untersucht wird oder ein umfassenderer Ausbau, etwa mit Elektrifizierung. Schon lange gibt es den Vorschlag, dereinst Hochgeschwindigkeitszüge von Frankfurt oder Stuttgart über Karlsruhe und die Wintersdorfer Brücke gen Paris fahren zu lassen.

Indes: Die französischen Bahnstrecken nördlich von Straßburg - also die Linien nach Lauterbourg und Weißenburg - sind nicht elektrifiziert und wenig befahren. Wer grenzüberschreitend reist, muss einen Umstieg und oft unattraktiv lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Noch im Februar stand sogar eine Stilllegung zumindest zur Diskussion - was eine Reaktivierung der Linie nach Rastatt ad absurdum geführt hätte.

Doch nun scheinen die Weichen anders gestellt zu werden: Laut dem Verkehrsministerium haben Rheinland-Pfalz und die Région Grand Est im Juni eine Absichtserklärung unterschrieben. Sie sieht vor, dass der Schienenverkehr zwischen Straßburg, Weißenburg, Landau und Neustadt/Weinstraße sowie der Verkehr Straßburg-Lauterbourg-Wörth gemeinsam ausgeschrieben wird. Das bedeutet, dass dann nicht mehr auf französischer Seite Züge der SNCF und auf deutscher Seite Züge der Deutschen Bahn jeweils bis zum Grenzbahnhof fahren, sondern dass es ein durchgehendes Zugangebot eines Betreibers geben wird.

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