Elch im Anflug

Grundsteinlegung am Ende eines langen Wegs: Schon in den frühen 90er-Jahren wollte der schwedische Möbelriese nach Karlsruhe, eine Ansiedlung scheiterte damals aber. Foto: Heck

Von Winfried Heck

Karlsruhe - Noch rund zwei Jahre wird es bis zur Eröffnung des neuen IKEA-Einrichtungshauses in Karlsruhe dauern, doch schon jetzt, bei der symbolischen Grundsteinlegung, gab es jede Menge zufriedener Gesichter. "Wir wollten immer nach Karlsruhe", sagt Johannes Ferber, bei IKEA Deutschland zuständig für Immobilien und die Expansion. Für ihn erfüllt sich nun ein langgehegter Wunsch.

Auch Gerd Hager vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein sieht das künftige IKEA-Haus im Oberzentrum Karlsruhe absolut positiv. "Für Planer ist das eine Sternstunde. Das Einrichtungshaus entsteht genau an der richtigen Stelle." Und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup erhofft sich nicht zuletzt eine Stärkung der Einkaufsstadt. "Wer sich jahrzehntelang auf den Weg nach Walldorf machen musste, wird den neuen Standort als große Erleichterung erleben."

Es war ein durch und durch beschwerlicher Weg, den IKEA in den vergangenen Jahrzehnten zurücklegen musste. Schon in den frühen 90er-Jahren wollte der schwedische Möbelriese nach Karlsruhe, eine Ansiedlung scheiterte damals aber am fehlenden Grundstück und an der fehlenden Unterstützung der Stadtpolitik. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Stadt es sich seinerzeit nicht mit Hugo Mann verderben wollte, der von Karlsruhe aus sein Firmenimperium (Wertkauf, Mann Mobilia) aufgebaut hatte. "Wir hatten durchaus das Gefühl, wir seien nicht erwünscht in Karlsruhe", sagt Ferber heute. Mit Mentrup habe sich dann aber ein Politikwechsel im Rathaus vollzogen, seither sei die Unterstützung der Stadt vorbildlich.

Auch Hager, der stets gegen eine IKEA-Ansiedlung in Rastatt kämpfte, habe Wort gehalten. Nachdem die "Rastatter Kurve" (Regierungspräsidentin Nicolette Kressl) genommen und ganz nebenbei mit dem finalen Gang bis vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig auch Rechtsgeschichte geschrieben worden war, gab es für die Planungen in Karlsruhe neuen Schub. Das Gelände an der Durlacher Allee geriet erneut in den Fokus. Ironie der Geschichte: dieses Gelände gehörte teilweise den Erben von Hugo Mann, die es nun an IKEA verkauften. Das Gelände selbst hatte dann auch noch jede Menge Überraschungen parat, denn unter der Fläche schlummern die Reste einer alten Mülldeponie samt Ansammlungen von Sondermüll. 15000 Sondierungsbohrungen waren nötig und schließlich mussten 1000 Bohrpfähle jeweils acht Meter tief in den Untergrund getrieben werden, um dem künftigen Gebäude die nötige Standsicherheit zu geben. Rund 18 Monate Zeit gingen verloren, inzwischen kostet die Suche nach Baufirmen und Handwerkern viel Zeit. Doch nun läuft die Realisierungsphase, die ersten Wände ragen bereits in den Himmel. Insgesamt wird IKEA am Standort Karlsruhe 80 Millionen Euro investieren und rund 200 neue Arbeitsplätze sollen hier entstehen.

Bis zur Eröffnung müssen noch die Zufahrtsstraßen erweitert und mit zusätzlichen Abbiegespuren versehen werden und auch die Stadtbahnhaltestelle am Weinweg wird umgebaut und erweitert. Neben der nahen Autobahn empfindet Ferber die "perfekte Anbindung an das Schienennetz" und an die überregionalen Radwege als besonders reizvoll.

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