Mehr als nur Gedankenspiele?

Mehr als nur Gedankenspiele?

Von Jürgen Volz Karlsruhe - Bislang sind es lediglich Absichtserklärungen - aber sollte sich für die Karlsruher Majolika Keramik Manufaktur tatsächlich ein Investor finden lassen, dann wäre dies ein Meilenstein auf dem Weg zur Zukunftssicherung des seit Jahren angeschlagenen Traditionshauses. Gestern wurde im Rathaus der Fächerstadt ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung getan. Es gab dort erfreuliche Kunde: Mit dem Schwarzwälder Unternehmer Ralf Müller gibt es einen konkreten Interessenten für die Majolika. Müller ist kein Unbekannter in der Branche - ganz im Gegenteil. Bei der Zeller Keramik Manufaktur (Zell am Harmersbach) und der Dorotheenhütte, eine Glashütte in Wolfach, hat der Geschäftsführende Gesellschafter in der Vergangenheit sein Geschick im Umgang mit schwierigen wirtschaftlichen Situationen unter Beweis gestellt. Nach seinem Einstieg haben sich beide innerhalb kurzer Zeit zu Vorzeige-Unternehmen gemausert.

Eine ähnliche positive Entwicklung wünschen sich die Stadt und die Majolika-Stiftung auch für den nahezu 118 Jahre alten Karlsruher Traditionsbetrieb. Die Stadt ist bei der Majolika über ihre Tochtergesellschaft KVVH (Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH) als Grundstücksbesitzer mit im Boot. Die Stiftung wiederum ist seit 2011 alleinige Gesellschafterin der Majolika. Damals stand die Firma vor dem finanziellen Aus.

An der schwierigen Lage hat sich seither nichts geändert. Die Stadt gewährt der Stiftung einen jährlichen Zuschuss über 300 000 Euro, der den Fortbestand der Majolika mit ihren lediglich noch acht fest angestellten Mitarbeitern gewährleistet. Die Suche nach einem Investor oder strategischen Partner zur Weiterentwicklung des Unternehmens blieb in den vergangenen Jahren jedoch erfolglos. Zumeist schreckten Interessenten die hohen Investitionen - unter anderem für die Modernisierung der maroden Produktionsgebäude im Hardwald am Rande des Schlossparks - ab.

"Es ist bisher auch nicht gelungen, ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Gesamtkonzept zu entwickeln", sagte die Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz gestern im Rahmen einer Pressekonferenz. Genau hier tut sich nun jedoch "eine einmalige Chance für die Majolika auf", wie Kultur-Bürgermeister Albert Käuflein ergänzte. Investor Müller war zwar gestern nicht persönlich zur Präsentation nach Karlsruhe gekommen, sein Pressesprecher Ulf Tietge unterstrich jedoch die Ernsthaftigkeit des Interesses an einem Einstieg bei der Majolika oder sogar einer kompletten Übernahme. Demnach sieht Müller die Majolika als ideale Ergänzung der bisherigen Aktivitäten auf dem Keramikmarkt. Die bisher auf Gebrauchskeramik spezialisierte Zeller Manufaktur mit der bekannten Produktline "Hahn & Henne" würde ihr Portfolio mit hochwertiger Kunstkeramik und einem bekannten Namen erweitern.

Zwar gibt es noch kein ausgereiftes Konzept, wie ein künftiges Engagement Müllers bei der Majolika konkret aussehen könnte, "aber einige Ideen haben wir natürlich schon", sagte Tietge. Unter anderem soll die Karlsruher Produktionsstätte für Produkte der Zeller Keramik genutzt werden.

Synergien erhoffe man sich zudem im Vertrieb. Dort ist die Zeller Keramik weltweit aufgestellt. An der Kunstkeramik der Majolika soll jedoch nicht gerüttelt werden. Das wiederum ist dem Vorsitzenden der Stiftung, Klaus Lindemann, ein besonderes Anliegen - und letztlich wohl auch die Voraussetzung dafür, dass die Stiftung überhaupt bereit ist zu verkaufen.

Seitens der Stadt Karlsruhe gibt es ebenfalls einige Ideen für die Zukunft. "Der Standort könnte zu einem keramischen Zentrum ausgebaut werden", sagte Luczak-Schwarz. Es soll nicht nur die Karlsruher Bürger, sondern auch Gäste aus dem Umland und darüber hinaus anlocken und letztlich zu einer touristischen Attraktion ausgebaut werden.

Zunächst jedoch muss der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung einen Grundsatzbeschluss fassen, der die Verwaltung in die Lage versetzt, in konkrete Verhandlungen mit dem potenziellen Investor einzutreten. "Da steht noch sehr viel Arbeit an", fasste Luczak-Schwarz gestern das Vorhaben zusammen.

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