Auf Weizenanbau sollte verzichtet werden

Auf Weizenanbau sollte verzichtet werden

Karlsruhe/Baden-Baden (nof) - Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe hat gestern den Abschlussbericht für das PFC-Vorerntemonitoring 2018 veröffentlicht. Demnach erfordern die Ergebnisse des abgelaufenen Erntejahrs Änderungen bei den Anbauempfehlungen für Landwirte.

Das Vorerntemonitoring (VEM) ist zentraler Ansatz für den vorsorgenden Verbraucherschutz des vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) finanzierten Projektes zum Umgang mit PFC-belasteten Flächen. Laut Mitteilung hat es "seine Wirksamkeit bewiesen und weitere Erkenntnisse für das aktuell laufende Folgeprojekt geliefert". Ziel sei es zu vermeiden, "dass kritische Kulturen außerhalb der Untersuchungen in den Verkehr gelangen können".

Fläche: Zwischenzeitlich ist der Umfang der Flächen mit PFC-Gehalten in Nord- und Mittelbaden auf insgesamt 881 Hektar angewachsen. Davon liegen 644 Hektar im Raum Rastatt/Baden-Baden, verteilt auf rund 200 Quadratkilometer.

Spargel/Weizen: Der ungewöhnliche Witterungsverlauf im Frühjahr mit sehr viel Niederschlag und frühzeitig höheren Temperaturen hat offenbar das Wachstumsverhalten der Pflanzen und damit auch die Aufnahme von PFC-Verbindungen stark beeinflusst, teilt das RP mit. So wurden unerwartet früh, aber in geringem Umfang, PFC in Spargel, aber auch entgegen der bisherigen Erkenntnisse in Wintergerste gefunden. Die hohe PFC-Aufnahme von Winterweizen hat sich bestätigt und in dem Extremjahr 2018 noch verstärkt. Bereits bei geringen PFC-Gehalten im Boden werde der Beurteilungswert der kurzkettigen PFC im Weizenkorn überschritten. Insofern muss künftig auf den Anbau von Weizen auf PFC-Flächen verzichtet werden. Wird dennoch Weizen angebaut, müssen die Erzeugnisse durch den Landwirt vor dem Verkauf auf eigene Kosten auf PFC untersucht und die Verkehrsfähigkeit nachgewiesen werden. Die Anbauempfehlungen wurden entsprechend angepasst und kritische Kulturen, die PFC bereits bei sehr geringer Bodenbelastung verstärkt aufnehmen, in den Bereich "für den Anbau nicht empfohlen" eingestuft.

Beregnung: Beregnungswasser mit PFC-Gehalten hat einen großen Einfluss auf die Aufnahme der kurzkettigen PFC in Pflanzen. Nachdem sich die Bewertung der PFC und damit auch die Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS) für Wasser geändert haben, mussten die Beregnungsvorgaben geändert werden. Für Landwirte kann dies bei stärker belastetem Beregnungswasser zu einer deutlichen Reduktion der verfügbaren Beregnungswassermenge führen. Unter Umständen müssen die Kulturfolgen umgestellt und der Anbau geändert werden.

Kartoffeln/Soja: Das RP informiert weiter über die Ergebnisse des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ). Dieses hat herausgefunden, dass Kartoffeln zwar wie erwartet im Kraut einen hohen PFC-Gehalt aufweisen, in der Knolle jedoch keine nachweisbaren PFC einlagern. Ein weiteres Ergebnis zu Sojabohnen habe die ersten Erkenntnisse aus dem VEM bestätigt, wonach diese Pflanze ganz erheblich PFC einlagert und somit als Anbaualternative nicht zur Verfügung steht.

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