Eurowings will Passagiere zurückgewinnen

Eurowings will Passagiere zurückgewinnen

Von Nico Fricke

Karlsruhe/Baden-Baden - Mit dem Start des Winterflugplans will Eurowings die im März von der insolventen Air Berlin übernommene Verbindung vom Baden-Airpark (FKB) nach Berlin-Tegel (TXL) wieder fest etablieren. Doch nach einem turbulenten Sommer mit Flugausfällen und Verspätungen muss die Lufthansatochter erst wieder Vertrauen aufbauen. Dabei ist die Strecke von großer Bedeutung für die Technologieregion Karlsruhe.

"Gute Erreichbarkeit ist das A und O eines Wirtschaftsstandorts", sagte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup gestern bei einer Pressekonferenz. Von einer "strategischen Verbindung" sprach gar IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania. Sowohl aus politischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht sei eine schnelle Erreichbarkeit der Hauptstadt von großer Wichtigkeit.

So freue man sich zwar, dass Eurowings die Strecke seit März wieder bediene und seit Ende Oktober statt einer Propellermaschine einen Airbus 319 oder 320 mit größerer Kapazität einsetze. Doch neben all der Freude über den Neustart auf der Berlin-Linie machte Mentrup keinen Hehl aus seinen schlechten Erfahrungen mit Eurowings in den vergangenen Monaten. "Ich hoffe auf ein Mehr an Qualität und Quantität. Image ist ein Thema", richtete der Leidgeprüfte seine Kritik an Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner. Der gebürtige Karlsruher nahm die mahnenden Worte als "Ansporn". Ein schwieriger Sommer liege hinter der "engpassgeprägten" Luftfahrt-Industrie: "Wir hatten zu wenig Personal, zu wenige Flugzeuge, zu wenig Ersatzteile, zu wenige Slots", räumte Wagner Probleme ein, die nicht nur bei Fluggästen nach Berlin für Unmut gesorgt haben. "Das soll nicht mehr passieren."

Mit einer Entzerrung des Flugplans, dem Einbau von Puffern zum Beispiel bei Flugzeiten und Reserven bei Flugzeugen "sehen wir uns für den Winterflugplan gut gerüstet", so Wagner. Auch ein robuster Sommerflugplan sei in Vorbereitung. Die geplante Wieder-Etablierung der einst beliebten Strecke Karlsruhe/Baden-Baden nach Berlin-Tegel sei aber eine große Herausforderung.

Kritischer Blick

auf die Zahlen

"Zweimal täglich knapp 150 Plätze in jede Richtung zu füllen, ist nicht einfach", blickte Wagner auf die Startphase. Nicht zufrieden war er mit der Auslastung der seit März eingesetzten Propeller-Maschine Dash. "Die war oft nicht mal zu zwei Dritteln voll." Dabei habe die Strecke "Volumen und Potenzial". Wagner hofft nun auf eine bessere Annahme der Verbindung unter den neuen Vorzeichen: Moderne Jets mit mehr Sitzplätzen und niedrigeren Ticketpreisen. "Viele trauern noch der Air Berlin hinterher", weiß Wagner: Doch deren Preispolitik sei bekanntermaßen "nicht nachhaltig" gewesen.

Etwa 75 Prozent Auslastung strebt Wagner auf den Flügen an - bei "einem guten Mix aus Geschäfts- und Privatreisenden. In einem Jahr werden wir dann einen kritischen Blick auf die Zahlen werfen müssen."

Von montags bis freitags fliegt Eurowings zweimal täglich nach Berlin und zurück, am Samstag und Sonntag je einmal. Wenn die Zahlen stimmen, könne man über einen "dritten Umlauf" - also einen dritten täglichen Flug von/in die Hauptstadt sprechen, wie ihn sich OB Mentrup gestern wünschte. "Das wäre dann für das Jahr 2020", so der Eurowings-Geschäftsführer. Wenig Hoffnung machte Wagner auf einen neuerlichen Versuch, Hamburg wieder in den FKB-Flugplan aufzunehmen. "Hamburg hat sich für uns nicht gerechnet. Die Nachfrage war nicht so groß wie erwartet. Wir schauen den Markt aber jedes Jahr neu an."

Nun muss aber erst mal die Berlin-Verbindung wieder ihre Passagiere zurückgewinnen. "Wir hoffen, dass das Marktpotenzial da ist", sagte IHK-Chef Glania. Und OB Mentrup mahnte vor allem "Zuverlässigkeit" an.

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