Porträt einer bemerkenswerten Frau

Porträt einer bemerkenswerten Frau

Von Hans-Dieter Fronz

Roter Teppich in Offenburg: In der Oberrheinhalle hat am Dienstagabend in glanzvollem Ambiente der SWR-Fernsehfilm "Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau" seine Premiere gefeiert.

Sie war eine der erfolgreichsten Wirtschaftsfrauen Nachkriegsdeutschlands: Anna Magdalene Burda, die ihren Vornamen nach ihrem Lieblingslied "Ännchen von Tharau" in Aenne änderte. Mit der Modezeitschrift Burda-Moden legte die "Königin der Kleider" den Grundstein für einen der größten deutschen Zeitschriftenverlage, der noch heute - nach Aennes Sohn Hubert unter dem Firmennamen Hubert Burda Medien - in Offenburg ansässig ist.

Der Südwestrundfunk (SWR) hat in dem Zweiteiler "Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau" der 2005 in hohem Alter gestorbenen Verlegerin einen zweiteiligen Fernsehfilm in doppelter Spielfilmlänge gewidmet. Herausgegriffen wird ein wichtiger Lebensabschnitt der taffen Unternehmerin: die Gründungsphase der Zeitschrift Burda-Moden zwischen 1949 und Mitte der Fünfzigerjahre. Die ARD strahlt die beiden Teile am 5. und 12. Dezember zur besten Sendezeit aus.

Ein Premierenabend in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Oberrheinhalle in Offenburg gab jetzt in glanzvollem Rahmen schon mal einen Vorgeschmack im Kinoleinwandformat.

Für die Stars des Abends wie die bekannte Schauspielerin und als Darstellerin Aenne Burdas großartig aufspielende Katharina Wackernagel war ein roter Teppich ausgerollt worden. Unter den geladenen Gästen befand sich viel regionale sowie Offenburger Stadtprominenz; gesichtet wurden etwa Wolfgang Grupp, Trigema-Chef, Speerwurfweltmeisterin Christina Obergföll im Beisein ihres Mannes Boris oder der Schlagersänger und Entertainer Hansy Vogt. Fürs Kulinarische sorgte Sternekoch Bernd Werner von Schloss Ebersbach.

Eine Hauptrolle im Rahmenprogramm spielte der 78-jährige Hubert Burda. Zu Beginn, noch vor der Vorführung des ersten Teils des Films, unterhielt er das Publikum mit launigen Bemerkungen, um zuletzt das Badnerlied anzustimmen. Spät am Abend legte er bei dem die Veranstaltung beschließenden Podiumsgespräch einen fulminanten Auftritt mit geradezu furiosem Abgang hin. Am Beginn der Veranstaltung waren auf die Frage seiner neben ihm am Mikrofon stehenden Enkelin, wer im Saal denn Aenne Burda noch persönlich gekannt habe, viele Arme hochgegangen.

Unterhaltsame



Geschichtsstunde

Der Film ist das Porträt einer bemerkenswerten Frau und über weite Strecken beste Fernsehunterhaltung; gleichzeitig so etwas wie eine ausgedehnte Geschichtsstunde - Thema: die Nachkriegszeit -, nicht nur in eingestreuten filmischen Zeitdokumenten in Schwarzweiß, sondern etwa auch im Zeitkolorit mit VW-Käfer, Jazzmusik zum Tanzen und - natürlich - der Mode. Kein Mensch brauche Strickmuster, vielmehr Brot und "womöglich was drauf": Mit diesen Worten wehrt Franz Burda, gespielt von Fritz Karl, zu Beginn den Wunsch seiner neben ihm im Bett liegenden Gattin, eben Aenne Burda (Wackernagel), nach einer von ihr herausgegebenen Modezeitschrift ab.

Zu diesem Zeitpunkt - es ist das Jahr 1949 - weiß Aenne bereits, dass ihr Mann sie mit seiner ehemaligen Sekretärin Effi Holler betrügt, mit der er ein uneheliches Kind hat. Was sie noch nicht weiß, ist, dass er der Geliebten eben die - erfolglose - Modezeitschrift finanziert, zu der sie selbst die Idee hatte. Als sie davon erfährt, stellt sie ihn vor die Alternative: den Verlag ihr zu überschreiben - oder Scheidung.

Aenne erreicht ihr Ziel und lässt sich auch nicht durch die 200 000 DM Schulden, die ihre Vorgängerin angehäuft hat, von ihrem Weg abbringen. Den etwas heruntergekommenen Laden in Lahr möbelt sie umgehend auf, ihre Geschäftsidee: Do-it-yourself in Modefragen. Die Käuferinnen der Zeitschrift sollen die elegante Kleidung, die sie in anderen Magazinen bloß bewundern dürfen, dank beigelegter Schnittmuster selbst schneidern können. Den Erfolg der Zeitschrift verhindern dann auch mittlere Malheurs wie eine notwendig werdende Namensänderung der schon im Druck befindlichen Illustrierten nicht.

Einen starken Fokus legt der Film auf das Familienleben mit den drei kindlichen, respektive jugendlichen Söhnen Franz, Frieder und Hubert und die infolge der Untreue des Mannes schwierige Beziehung zwischen den beiden Ehegatten. Als Aenne aus den strapaziösen Verhältnissen ausbricht und in einem Urlaub in bella Italia mediterrane Leichtigkeit sowie ihren späteren Italian-Lover kennen lernt, steht ihre Ehe kurz vor dem Aus. Auf den - so durchaus überlieferten - Showdown zwischen dem ihr nachreisenden Ehemann und seinem südländischen Rivalen verzichtet der Film selbstredend nicht.

Doch die beiden raufen sich noch einmal zusammen. So dass der Film nicht in Zerwürfnis und Trennung mündet, sondern in ein Happy End: eines "mit Fragezeichen", so Drehbuchautorin Regine Bielefeldt im abschließenden Podiumsgespräch. In dem war viel von der Aenne Burdas Emanzipiertheit, ihrem Spirit auch die Rede. Hubert Burda sagte: "Sie war emanzipiert, ohne das Wort in den Mund zu nehmen."

Beinahe der Höhepunkt des Abends und jedenfalls ein riesiger Lacherfolg war das verliebte Bekenntnis, das er vor voller Halle gegenüber Katharina Wackernagel ablegte. Er fühle sich durch die Hauptdarstellerin seiner Mutter in die kindlich-ödipale Phase der Liebe zu seiner Mutter zurückversetzt, meinte Hubert Burda. Nur dass er heute 78 Jahre alt sei, müsse ein Regiefehler sein...

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