"Wenn ich zwei Stimmen hätte..."

'Wenn ich zwei Stimmen hätte...'

Von Dieter Klink

Baden-Baden/Rastatt - AKK, Spahn oder Merz: Wenn morgen beim Bundesparteitag über den neuen Vorsitzenden oder die neue Vorsitzende der CDU entschieden wird, stimmen auch Delegierte aus dem Kreisverband Rastatt mit ab. Drei von 154 aus Baden-Württemberg und insgesamt 1 001 aus dem Bundesgebiet. Mit welchen Erwartungen und Positionen fahren sie nach Hamburg?

Der frühere Kreisvorsitzende Dr. Alexander Becker aus Ötigheim ist entschieden: "Ich wähle Annegret Kramp-Karrenbauer", sagt er dem BT. Die Noch-Parteivorsitzende Angela Merkel habe die CDU richtig positioniert, nämlich in der Mitte. Diesen Kurs, glaubt Becker, werde "AKK" am ehesten fortsetzen. "Wahlen werden in der Mitte entschieden. Die Partei muss mit der Zeit gehen", sagt er. "Wenn die CDU nur ihr konservatives Profil schärft, ist sie irgendwann ein Fall fürs Museum." Mit Blick auf zwei verlorene Landtagswahlen in Baden-Württemberg sagt Becker: "Wenn wir Wahlkreise zurückgewinnen wollen, dann müssen wir sie den Grünen abnehmen."

Die CDU habe in den Merkel-Jahren die gesellschaftliche Realität mitvollzogen. Becker empfindet das massive Werben aus Baden-Württemberg für Friedrich Merz als sehr offensiv und fast schon bedrängend, "mit der Erwartung, die Uhren zurückdrehen zu wollen."

Im Kreisverband, so sein Eindruck, gebe es Anhänger von allen drei Bewerbern. Becker sieht sich aber nicht bedrängt. "Nur wer zu viel Facebook liest, stößt auf massive Erwartungshaltungen."

Die Landtagsabgeordnete Sylvia Felder hätte eigentlich als Delegierte am Parteitag teilgenommen, musste aber schon frühzeitig wegen eines Privattermins passen. Deshalb fährt nun Becker nach Hamburg. Felder freut sich aber, dass der CDU so ein spannender Wahlkampf gelungen ist. "Es gibt einen Aufbruch in der Partei, viele sind gespannt und gefangen", sagt Felder. Überall werde sehr lebhaft diskutiert. Auch im Kreisverband. "Was mich besonders freut: Es gibt kein Gegeneinander, es wird um eine gute Entscheidung gerungen", hat Felder beobachtet. "Es gibt viele, die noch abwägen und sich noch nicht festlegen wollen." Keiner sei verbohrt, das sei ein gutes Zeichen. Manches Mitglied habe zwar den Parteiaustritt angekündigt, falls der- oder diejenige gewinnt, "aber das sind die wenigsten".

Die Kreisvorsitzende Brigitte Schäuble, die ebenfalls als Delegierte nach Hamburg fährt, ist noch unentschlossen, wen sie wählen soll. "Die Wahl fällt mir schwer", sagt sie. Sie habe keine Möglichkeit gehabt, die Kandidaten bei einer Regionalkonferenz zu erleben. "Entscheidend werden die Reden auf dem Parteitag sein", so Schäuble. Aus dem Kreisverband erhalte sie jede Menge Rückmeldungen. "Die einen sagen mir: ,Du musst unbedingt AKK wählen', die anderen sagen: ,Unbedingt Merz.' Wenn ich zwei Stimmen hätte, wäre ich glücklich", ringt Schäuble noch mit sich und einer Entscheidung. "Für beide spricht einiges", sagt sie. Die allgemeine Meinung im Kreisverband sei aber: "Es sind drei tolle Kandidaten, es ist eigentlich egal, wer es wird."

Sie spüre keinen Druck und keinen Auftrag. "Ich bin beim Parteitag frei in meiner Entscheidung." Es sei auf jeden Fall gut, dass die Delegierten die Personalfrage entscheiden - und nicht die Mitglieder. "Alle Delegierten spüren eine hohe Verantwortung, denn es geht nicht nur um ein Stimmungsbild vor Ort, sondern um eine weitreichende Entscheidung."

Der Landtagsabgeordnete Tobias Wald hatte bereits Ende Oktober dem BT gesagt, er unterstütze Jens Spahn. "Meine Meinung hat sich nicht geändert", sagte er nun kurz vor der Fahrt als Delegierter nach Hamburg. "Spahn hat ein konservatives Profil, er steht für die soziale Marktwirtschaft und kann der Partei neue Impulse geben", argumentiert Wald. Der Gesundheitsminister sei eine gute Integrationsfigur, der zwischen den liberalen und dem konservativen Strömungen vermitteln könne. "Er hat Potenzial, die Partei längerfristig mitzugestalten. Bei seinen bisherigen Auftritten blieb er keine Antworten schuldig", so Wald. Im Kreisverband "sind Spahn und Merz die Namen, die immer wieder genannt werden", sagt Wald.

Aus dem Kreisverband Baden-Baden wird wegen zu geringer Mitgliederzahl kein Delegierter zum Bundesparteitag entsandt.

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