Auf der Suche nach dem grünen Geheimnis

Auf der Suche nach dem grünen Geheimnis

Von Florian Krekel

Iffezheim - Es sind Momente der Ungewissheit, eine angespannte Stimmung erfüllt die Räume der Offiziellen von Baden-Racing am Hauptrenntag der Großen Woche 2018. Züchter und Rennvereinspräsident Gregor Baum hat seine Pferde zurückgezogen, jetzt scheint beim Großen Preis von Baden auch noch einer der Favoriten aus England nicht an den Start zu gehen. Das Geläuf erfüllt die Qualitätsanforderungen nicht. Ein empfindlicher Imageschaden droht.

Dann die Erleichterung, die Engländer nehmen teil. Was bleibt, ist ein deutliches Alarmsignal. Jetzt steuert Baden-Racing mit viel Aufwand gegen und muss auch Fehler eingestehen.

Hintergrund

Es leiden in diesem Sommer zwar viele der deutschen Turfbahnen unter der extremen Trockenheit, doch in Iffezheim ist es eher die Nässe des Geläufs, die den Trainern bei der Großen Woche Sorgen macht. Einer von denen, die schon damals die Grasbahn bemängeln, ist der Iffezheimer Trainer Gerald Geisler: "Ich bin der Meinung, die Bahn war zu stark bewässert im Sommer. Das Problem war, dass die Beregnung zu ungleichmäßig ist." Manche Stellen würden von den Wasserstrahlen doppelt oder sogar dreifach abgedeckt, andere nur ganz schwach. Dadurch ergäben sich extreme Unterschiede im Zustand und in der Härte des Geläufs, was für die Pferde sehr schlecht sei.

Andere Szenekenner bestätigen das - und auch bei Baden-Racing scheint man (zwangsläufig) durchaus selbstkritisch. In einer Pressemitteilung stellt Geschäftsführerein Jutta Hofmeister klar: "Ein gutes Geläuf ist unser wichtigstes Kapital. Das wurde uns in der vergangenen Saison noch einmal deutlich vor Augen geführt."

Denn Probleme machten in der Vergangenheit nicht nur die Beregnungsanlagen, sondern vor allem auch die Graswurzeln. Die waren und sind (noch) zu kurz. Zu starke Verdichtung des Bodens in der Vergangenheit - so vermuten Experten gegenüber dem BT - ist zudem einer der Gründe für Wurzelsterben. Das Geläuf hat dadurch nicht die gewünschte Stabilität: "Sie müssen sich vorstellen, dass ein Galopper beim Auftritt eine Wucht von etwa zwei Tonnen entwickelt. Wenn das Gras dem nicht standhält, dann reißen - wie bei einer Grätsche beim Fußball - immer wieder Stücke aus dem Rasen und es entsteht ein Flickenteppich", erklärt Pferdetrainer Geisler.

Solche Sätze wird man bei Baden-Racing verständlicherweise nicht gern hören, aber man hört sie. Das honoriert auch Geisler: "Die Trockenheit im Sommer war nicht einfach und Heinrich Sievert (Iffezheimer Geläufchef, Anm. d. Red.) versucht, wirkliche Verbesserungen stattfinden zu lassen. Das Ergebnis müssen wir jetzt abwarten", gibt sich Geisler mit Blick auf die angestoßenen Maßnahmen hoffnungsvoll.

Wie diese konkret aussehen, hat Sievert bereits unmittelbar nach der Großen Woche mit anderen Rasenexperten aus ganz Deutschland besprochen. Ohnehin kann man Experten zufolge Sievert nicht allein für die Probleme verantwortlich machen. Das unterstreicht auch der zuletzt erarbeitete Maßnahmenkatalog. Baden-Racing will nun das gesamte Geläuf in mehreren Phasen sanieren.

Wichtigste Sofortmaßnahme: Sanierung des Rastatter Bogens auf der "Neuen Bahn". Die alte Grasnarbe wurde auf einer Breite von sechs Metern abgefräst und mit einer Sportrasen-Mischung neu eingesät. Darüber hinaus wurde der Boden bis in tiefere Schichten vertikutiert und viel Sand ausgebracht. Ein weiterer wichtiger Schritt sei der Kauf von zusätzlichen Rails, um Geläuf-Abschnitte zur Schonung abstecken zu können, erläutert Geschäftsführerin Hofmeister. Zudem sei angedacht, Teile der Jagdrennbahn für den Trainingsbetrieb zu nutzen. Die Kosten für die aktuellen Maßnahmen beziffert Hofmeister auf rund 50 000 Euro.

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