Zins-Realität bei Kunden angekommen

Zins-Realität bei Kunden angekommen

Von Nico Fricke

Iffezheim - "Die Schuldner sind die Gewinner, die Sparer die Verlierer": Mit diesen Worten brechen die Direktoren der VR-Bank in Mittelbaden, Klaus Knapp und Felix Thiem, die Auswirkungen der weiter anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihre Kunden herunter. Doch bei diesen sei mittlerweile die Erkenntnis angekommen, dass geparktes Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto nichts einbringe.



Die Bereitschaft für andere Anlagemodelle wie Fondssparpläne nehme spürbar zu, sagten die beiden Bankdirektoren gestern bei der Bilanzpressekonferenz in Iffezheim. Die Kunden müssten nach der jüngsten Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi weiter mit den niedrigen Zinsen leben - ebenso wie die Kreditinstitute. Mit den Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigte sich der Bankvorstand "sehr zufrieden". Die Bilanzsumme der genossenschaftlichen Bank stieg um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 930,4 Millionen Euro. Maßgeblich getragen wurde dies von den Kundenkrediten, die um fast fünf Prozent auf 527,1 Millionen Euro angewachsen sind. "Wir leben in einer prosperierenden Region, der Bauboom hält weiter an", erläuterte Knapp die Zahlen. Aber auch die Kundeneinlagen haben noch einmal deutlich zugelegt: 675,2 Millionen Euro (2017: 652 Mio. Euro) wurden der VR-Bank in Mittelbaden anvertraut. Eine Weitergabe des EZB-Strafzinses von 0,4 Prozent an Privatkunden schließen Knapp und Thiem aber weiter aus. Für Großkunden gebe es bereits individuelle Vereinbarungen mit zum Teil hohen Freibeträgen - je nach Engagement.

Dass die Entwicklung der Finanzmärkte und die Politik des billigen Geldes nicht spurlos an der Bank vorbeigegangen sind, zeigt der Blick auf den Zinsüberschuss. Dieser fiel mit 16,9 Millionen Euro um rund 8,4 Prozent geringer aus als noch 2017. Doch freuten sich Knapp und Thiem über einen neuen Rekordwert beim Provisionsüberschuss, der zumindest einen Teil des Rückgangs beim Zinsüberschuss wettmachen konnte. Der Provisionsüberschuss stieg um rund fünf Prozent auf 6,6 Millionen Euro, lobten die Bankdirektoren die Arbeit ihrer 191 Mitarbeiter (160 Vollzeitstellen). Für das "sehr gut gestartete Jahr 2019" rechnet der Bankvorstand mit einem weiteren leichten Plus in diesem Bereich.

Unterm Strich verbleibt für das Kreditinstitut ein Vorsteuerergebnis von 5,8 Millionen Euro (2017: 7,7 Millionen Euro), die Hälfte soll dem Eigenkapital zugeführt werden, das mittlerweile die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten habe, "was den Handlungsspielraum der Bank für künftige Geschäfte erweitert", erklärte Thiem.

Die Kunden dürfen sich freuen: Aus dem Jahresüberschuss von 1,65 Millionen Euro erhalten die 24 387 Mitglieder eine "ansehnliche Dividende" von vier Prozent für ihr bei der VR-Bank gehaltenes Geschäftsguthaben. Die Zustimmung der Vertreterversammlung am 15. Mai in Sinzheim vorausgesetzt, sollen rund 597 000 Euro ausgeschüttet werden, so Knapp. Mit der Information der 228 Vertreter in fünf kleineren Veranstaltungen sei schon begonnen worden.

Nach der im vergangenen Jahr vollzogenen Erneuerung der VR-Bank-Filiale in Söllingen für rund 430 000 Euro sei man "auf dem Stand", sagte Thiem - und er betonte: "Die Bank bleibt im Dorf." Heißt: Keine der zwölf Geschäftsstellen steht derzeit zur Disposition.

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