Kein Wasser und viel Hitze

Kein Wasser und viel Hitze

Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Karlsruhe/Stuttgart - Der ohnehin warme Oberrheingraben wird immer wärmer. Die aktuelle Klimabilanz weist für 2018 fast viermal mehr heiße Tage an der Station Mannheim aus als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. 42 Mal kletterte das Thermometer mindestens über 30 Grad. Im Gegenzug nehmen die Niederschläge ab. Und ganz grundsätzlich werden in immer mehr Bereichen noch nie erhobene oder extreme Daten ermittelt.

Schon seit Langem steht Südwestdeutschland unter besonderer Beobachtung. "Um zukünftige Chancen nutzen und Risiken verringern zu können, müssen Wissenschaft und Politikberatung die Bewusstseinsbildung anstoßen", verlangt ein Papier des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2005. Das Rheintal wird als besonders verletzlich eingestuft. Hitzetage und -nächte sind prognostiziert, Starkregenfälle und Trockenheit, Artensterben oder Straßenschäden.

Viele Vorhersagen sind längst im Alltag angekommen. Die "klimatische Einordnung des Jahres 2018" durch die LUBW trägt den Titel "Zu warm, zu heiß, zu trocken?". Das vergangene Jahr war durchschnittlich sogar wärmer als der Jahrhundertsommer 2003, allerdings ohne Temperaturen über 40 Grad, die damals im August unter anderem in Karlsruhe und Freiburg gemessen worden waren.

Ein wichtiger und bereits seit zwölf Jahren untersuchter Indikator ist die Apfelblüte im Murgtal. Die "explodierte" ab dem 12. April 2018 "durch teilweise frühsommerliche Temperaturen geradezu" und "schaffte es im Rekordtempo von zwölf Tagen bis in die Mittellagen auf 660 Höhenmeter". Auch der Start der Blüte hat sich inzwischen deutlich vorverlegt. Zwischen 1991 und 2018 wurde der 23. April als durchschnittliches Datum ermittelt, von 1961 bis 1990 war es noch der 3. Mai.

Für die Landwirtschaft von großer Bedeutung sind die Niederschlagsmengen in der Vegetationszeit, denn sie beeinflussen entscheidend die Erträge. Laut LUBW gab es 2018 mit nur 370 Millimetern nach 1947 mit 354 Millimetern die zweittrockenste Vegetationsperiode. Zwischen 1961 und 1990 waren es noch über 600 Millimeter.

Das Statistische Landesamt in Stuttgart hat verschiedene Auswirkungen erfasst. So werden, aktuell auch in zahlreichen Supermärkten zu beobachten, heimische Kartoffeln knapp - die Erträge bleiben sogar auf bewässerten Flächen um 17 Prozent hinter 2017 und zehn Prozent hinter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre zurück.

Der Rheinpegel Maxau führte fast ein Drittel des Vorjahrs Niedrigwasser und erreichte den geringsten Wasserstand seit 1972. Und noch gar nicht hat sich das Grundwasser vom ohnehin schon niedrigen Niveau 2017 erholt. Nach den Daten der LUBW hat sich die Situation in den meisten Landesteilen sogar noch verschärft. Wasserknappheit sei "insbesondere in Gebieten wie den Höhenlagen des Schwarzwalds, die vorwiegend mit Quellwasser versorgt werden, nicht auszuschließen", heißt es weiter. Speziell der Herbst zehrte an den Wasserreserven. Er war nicht nur um 55 Prozent trockener als im Zeitraum 1961 bis 1990, sondern der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen anno 1881.

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