"Wir werden Großes mit Großem beantworten"

'Wir werden Großes mit Großem beantworten'

Von Christiane Lenhardt

Mit einem Beethoven-Schwerpunkt zum Jubiläumsjahr des Komponisten geht der neue Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa in seine erste Saison in Baden-Baden. Gestern hat er sein Programm für 2019/20 vorgelegt. Das setzt auf Kontinuität, mit den Berliner Philharmonikern und ihrem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko, mit John Neumeier, Valery Gergiev und Thomas Hengelbrock, aber auch auf Neues. "Wir werden die Festspiele weiter ausbauen und profilieren", erklärte der designierte Intendant Stampa - "und neue Programminseln etablieren."

Der 53-jährige Musikmanager Stampa löst in wenigen Monaten den langjährigen Festspielhaus-Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser (66) ab, der sich nach den Sommerfestspielen in den Ruhestand verabschiedet. Er hat Deutschlands größtes Opern- und Konzerthaus aus turbulenter Anfangszeit kontinuierlich aufgebaut und erfolgreich geprägt.

"Wir werden Großes mit Großem beantworten", verkündete Stampa gestern auch etwas scherzhaft in Anspielung auf seine Körpergröße. Der gebürtige Münsterländer hat zuvor das Konzerthaus Dortmund geleitet und war Geschäftsführer der Hamburger Laeiszhalle, bevor die Elbphilharmonie eröffnet wurde.

"Wir wollen in Baden-Baden Dinge tun, die festspielwürdig sind", sagte Stampa, ganz eigene Programme sollen kreiiert werden. So wird Beethovens Freiheitsoper "Fidelio" als zentrales Werk die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker 2020 mit Kirill Petrenko prägen, inszeniert von der Regisseurin Mateja Koleznik, die mit ihren Inszenierungen am Münchner Residenztheater reüssierte. Auch alle Beethoven-Streichquartette wollen die Berliner in zwei Tagen in Baden-Baden aufführen. Vor Ostern führt Simon Rattle mit den London Symphony Orchestra Beethovens Neunte auf.

Aber vor allem die Pfingstfestspiele, die zuletzt durch die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker ins Hintertreffen gerieten, will Stampa wieder aufwerten und im nächsten Jahr zusammen mit dem SWR Symphonieorchester Stuttgart sowie seinem Chefdirigenten Teodor Currentzis zu neuer Größe führen. Darüber hinaus soll Verdis "Requiem" multimedial aufgeführt werden: von Currentzis' Music-Aeterna aus seiner russischen Wirkungsstätte in Perm mit den Bilderwelten des Film-Avantgardisten Jonas Mekas (der im Januar starb). Als Kooperationspartner ist das neue New Yorker Kulturzentrum für Gegenwartskunst "The Shed", das gerade eröffnet wurde, dabei. Dem angesagten griechischen Dirigenten und seinem Ensemble wird zusätzlich ein Wochenend-Festival gewidmet sein. "Er wird alles bieten, wofür er bekannt ist", sagte Stampa - von Rameaus "Sound of Light", angelehnt an die CD des Dirigenten mit der Musik des französischen Komponisten, bis hin zu Mozarts Requiem. Mit dem Dreitage-Festival, das Ende Oktober startet, bringt das Festspielhaus ein Format, das an die Artist-in-Residence-Programme für Musiker vor Jahren erinnert.

Neben der engen Bindung an das SWR-Orchester, das vor der Fusion Baden-Baden noch im Namen trug, ist Stampa auch der Verweis auf die reiche musikalische Geschichte Baden-Badens wichtig. Dies hatte der neue Intendant kürzlich auch im Interview mit dem Badischen Tagblatt hervorgehoben. Baden-Baden sei eine offene, europäische Stadt, ein Sehnsuchtsort für viele, konkretisierte er. Viele Menschen ziehe es nach Baden-Baden und sie fänden, etwas, das man als europäische Kultur bezeichnen könne. "Wenn es uns gelingt die nächsten Jahre, dieses zusammenzubringen, Programm, Weltstars, Konzerte, Opern mit dem europäischen Kunst- und Kulturbegriff, mit der Geschichte, die wir hier haben, dann werden wir Baden-Baden weiterhin zu einem einzigartigen Festspiel-, Klassik- und Konzertort in der Welt machen", so Stampa.

Seine erste Saison wird am 27. September mit John Neumeiers erster Ballettoper zu Glucks "Orphée et Eurydice" mit dem Hamburg Ballett eröffnet, das Stück kam Anfang des Jahres in Hamburg heraus. Die Tanzsparte bringt neben Neumeier, das Nederlands Dans Theater und das Mariinsky-Ballett (zu Weihnachten mit Klassik-Hits) - und Flamenco von der Antonio Gades Company. Viele Musiker, Dirigenten und berühmte Sänger, die seit Jahren im Festspielhaus gastieren, kommen weiterhin: Von der italienischen Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, die ihr neues Programm im Festspielhaus uraufführt, über Elina Garanca, Sopranistin Diana Damrau, den Bariton Christian Gerhaher, Tenor Jonas Kaufmann sowie Countertenor Philippe Jaroussky. Junge erfolgreiche Dirigenten wie Yannick Nézet-Séguin am Pult der Berliner Philharmoniker und Andris Nelsons mit den Wiener Philharmonikern und seinem Gewandhausorchester Leipzig dürfen Großes aufführen. Die Pianistin Hélène Grimaud, die große Dame am Klavier Elisabeth Leonskaja sowie der Geiger Nikolaj Znaider kommen.

Damit soll nicht nur das angestammte Klassikpublikum gelockt werden, sondern auch neues gewonnen werden. "Wir müssen ein Fundament schaffen für neue Generationen von Besuchern, Mäzenen und Stiftern", sagte Stampa. Deswegen soll es im Education Programm einen neuen Schwerpunkt für junge Erwachsene geben, gerade auch für junge Menschen in Führungspositionen. Denn die privat finanzierte Kulturstiftung brauche auch in den nächsten 20 Jahren finanzkräftige Förderer. Eine Spende will erarbeitet sein, und ein Spender oder eine Spenderin wollen überzeugt werden.

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