Erfolgsmodell für den ganzen Schwarzwald

Erfolgsmodell für den ganzen Schwarzwald

Von Volker Neuwald

Baden-Baden - Jeder zweite Urlauber in der Ferienregion Schwarzwald nutzt Busse und Bahnen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kostenlos und profitiert von einer Reihe weiterer Vergünstigungen - ganz einfach mit seiner Gästekarte. In 148 Ferienorten und bei rund 9 000 Gastgebern erhalten Urlauber bei der Ankunft die kostenlose Konus-Karte. Die Bilanz für 2018 beweist, wie erfolgreich dieses Modell ist.

Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) hat auf BT-Anfrage die erst seit wenigen Tagen vorliegenden Zahlen mitgeteilt. Auf alle Konus-Betriebe zusammen entfielen demnach 3,5 Millionen Ankünfte und 11,8 Millionen Übernachtungen, was in etwa den Zahlen des Vorjahrs entspricht.

Wolfgang Weiler, Leiter der Kommunikation bei der STG, ordnet die Zahlen ein: "Hätten alle Gäste in Konus-Orten täglich einmal die Karte genutzt, wären das 11,8 Millionen Fahrten mit Bus und Bahn gewesen. Tatsächlich sind aber von den 81 Prozent Urlaubern, die mit dem Auto anreisen, auch 70 Prozent im Urlaub mit dem Auto unterwegs."

Allerdings gaben in der Online-Gästebefragung 2017 rund 48,1 Prozent der Urlauber an, mindestens einmal Konus genutzt zu haben. Bei 8,627 Millionen Urlaubern im Jahr 2018 wären dies mindestens 4,2 Millionen Nutzungen. Weiler: "Da Konus-Gäste im Schnitt aber länger bleiben, nämlich durchschnittlich 3,4 statt 2,6 Tage, könnten es auch mehr als 14 Millionen Nutzungen gewesen sein."

Fazit: Bei einer konservativen Rechnung, wonach im Urlaub mindestens 150 Kilometer durch Bahn und Bus ersetzt werden, entspricht dies mindestens 63 Millionen eingesparten Autokilometern im Jahr 2018, wahrscheinlich aber deutlich mehr.

"Konus trägt also deutlich zur Entlastung des Verkehrsaufkommens bei und natürlich auch zur deutlichen Reduktion von Feinstaub und CO 2 -Emissionen", erklärt Weiler.

Konus steht als Abkürzung für "Kostenlose Nutzung des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber". Die STG startete das Projekt im Jahr 2005 mit 45 Gemeinden und sechs Ver kehrsverbünden im Südwesten. Seit 2008 sind alle neun Verkehrsverbünde an Bord. Die Zahl der teilnehmenden Orte ist bis heute kontinuierlich auf 148 gewachsen, allerdings ist die Zahl der Gästebetten rückläufig.

Pro Übernachtung führen die Gemeinden seit 2017 42 Cent als pauschaliertes Beförderungsentgelt ab (vorher 36 Cent). Ein Cent davon erhält die STG für den Betrieb von Konus und die Werbung, der Rest geht an die Verkehrsbetriebe. 2017 waren das zum Beispiel 4,66 Millionen Euro.

Die Kommunen holen das Geld wieder über die Kurtaxe beziehungsweise Fremdenverkehrsabgabe zurück. Das wird offenbar von den Urlaubern goutiert: 95 Prozent der 2017 befragten Urlauber äußerten Interesse an kostenloser Mobilität vor Ort und sind bereit, dafür einen Aufpreis von 50 Cent pro Übernachtung zu akzeptieren.

Baden-Baden wird dem Konus-Verbund weiterhin nicht angehören. "Die Klientel, für die die Nutzung der Konus-Karte interessant ist, stellt nur einen geringen Prozentsatz unserer Gesamt-Übernachtungsgäste dar", sagt Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH. "Dafür stehen die Kosten, welche ja nach den Gesamt-Übernachtungszahlen bemessen werden, in keinem Verhältnis."

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