Zwei musikalische Welten

Zwei musikalische Welten

Von Karen Streich

Die Baden-Badener Philharmonie unter dem Dirigat von Chefdirigent Pavel Baleff stellte die Sinfonien zweier befreundeter Komponisten der Romantik in ihrem jüngsten Abonnementkonzert einander gegenüber: Die Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 von Robert Schumann im ersten Teil des Abends maß sich mit der folgenden Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Johannes Brahms.

Zwei Welten begegneten sich, beide in musikalisch empfindsamer vollendeter Schönheit. Langsam, behutsam ließ Baleff vom Orchester die Einleitung zu Schumanns Sinfonie, "Ziemlich langsam-Lebhaft", beginnen, sich steigernd bis zur leuchtenden Strahlkraft voller Leidenschaft unter seinem fordernden Dirigat.

Ganz anders dagegen lässt Brahms seine vierte und letzte Sinfonie beginnen mit "abfallenden großen Terzen und aufsteigenden Sexten", wiegend voranschreitend, spannungsgeladen in ständigen Kontrasten. Schumanns Werk stand unter der Idee eines Werks in einem Satz mit gleitenden Übergängen vom ersten Satz "Ziemlich langsam, lebhaft" bis zum letzten "Langsam, Lebhaft, Presto". Baleff hatte ein geschlossen reagierendes Orchester vor sich, mit dem er die Zuhörer den unterschiedlichen Charakter der Werke aufs Schönste miterleben ließ.

Für Schumann war seine vierte Sinfonie eine Herzensangelegenheit, sie sollte "Clara heißen" wie man in den Programmerläuterungen lesen konnte, und es kam dem Komponisten besonders auf die lyrische Reihung einzelner Stimmungen an. Diese lyrische Reihung seinen Zuhörern zu vermitteln, gelang dem Orchester vorzüglich. Der zweite Satz, eine Romanze im "Ton des erzählenden Liedes", die Streicher werden von der Solovioline (Yasushi Ideue) umspielt und vom sehr guten Hörner- und Posaunenklang kraftvoll und markig kommentiert, zeigte sich voller musikalischer Überraschungen.

Baleff setzte offensichtlich großen Wert auf spannende Übergänge zwischen den vier Sätzen des Werkes, was sehr gut zum Ausdruck gebracht wurde. Das Publikum kam in den Genuss eines außergewöhnlichen Ereignisses voller musikalischer Leidenschaft.

Ganz anderen Charakter zeigte im zweiten Teil des Konzertabends die Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Johannes Brahms. Die wiegende Einleitung zum ersten Satz kam wirkungsvoll gegen das ständige kontrastreiche Voranschreiten des Orchesterparts zur Wirkung. Hörner und Klarinetten leiteten den zweiten Satz, Andante moderato, klangschön ein, das Publikum erlebte sehr klangschöne Bläserdarbietungen zum Pizzikato der Streicher, abgelöst von einer Kantilene der Celli.

Pure Lebensfreude drückte sich im dritten Satz, Allegro giocoso - Poco meno presto - Piu Allegro, aus, und in der Tat "energico" ließ Baleff die Bläser und Pauken das Finale, Allegro energico e passionato- Piu Allegro einleiten, um bald zu einer melodiösen Flötenweise zurückzufinden, bis schließlich von Holz- und Blechbläsern geführt, das musikalische Geschehen sich dem Finale näherte, das in einem Tusch gipfelte. Die Begeisterung äußerte sich gleichermaßen im Applaus des Publikums und der offensichtlichen Freude des Dirigenten, der sich bei allen Musikern mit Handschlag für gutes Zusammenmusizieren bedankte.

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