Ganz auf die Liebe eingestellt

Ganz auf die Liebe eingestellt

Von Karl Georg Berg

Das Programm des Musikfestes der Berliner Philharmoniker, das bei den Osterfestspielen im Festspielhaus Baden-Baden eine schöne Tradition ist, war in diesem Jahr sehr gut auf die zentrale Opernproduktion mit Verdi "Otello" abgestimmt und bot quasi eine Ergänzung dazu.

Der erste Teil war Shakespeare mit einer anderen seiner großen Tragödien um das Scheitern einer Liebe gewidmet, nämlich "Romeo und Julia", und der zweite Teil brachte italienischer Musik vor und nach Verdi. Einen zusätzlichen Akzent erhielt der Abend durch das Jubiläum des Bundesjugendorchesters, das vor 50 Jahren gegründet wurde und dessen Patenschaft mittlerweile die Berliner Philharmoniker übernommen haben. So spielten auch diesmal wieder gestandene Philharmoniker in den Reihen des Bundesjugendorchesters mit, das sich im Jubiläumsjahr in fulminanter Form präsentierte. Hermann Bäumer war der Dirigent. Der Mainzer Generalmusikdirektor hat schon mehrfach mit dem Bundesjugendorchester gearbeitet, seine ehemaligen Philharmoniker-Kollegen dagegen dirigierte er zum ersten Mal. Elf Jahre lang war Bäumer Posaunist der Berliner gewesen.

Vor dem Auftritt des großen Orchesters trat dem Wesen dieses Musikfests gemäß erst eine Solistengruppe der Berliner Philharmoniker auf: ein Bläseroktett, das eine von Andreas Tarkmann eingerichtete Suite aus der Ballettmusik zu "Romeo und Julia" von Sergej Prokofjew spielte. Vor wenigen Wochen war erst im Festspielhaus eine Klaviersuite aus diesem Ballett erklungen, das in Einzelteilen viel öfter zu hören ist als in der kompletten Version. Die Bläserversion hat ebenfalls ihren Reiz und wurde von den acht Philharmonikern sehr brillant und lebendig musiziert. Dank Tarkmanns geschickter Einrichtung können hier alle Stimmen ihre Kunst wirkungsvoll zur Geltung bringen.

Als moderne Version von "Romeo und Julia" entstand das Musical "West Side Story", daraus spielte das Bundesjugendorchester mit der angesprochenen Verstärkung die Sinfonischen Tänze, die Komponist Leonard Bernstein ein paar Jahre nach der Uraufführung der Bühnenversion zusammengestellt hatte. Das Bundesjugendorchester ließ es bei deren Wiedergabe an Leidenschaft und Feuer nicht fehlen. Energisch angeleitet von Hermann Bäumer wurde das Drama in instrumental konzentrierter Form überaus packend vergegenwärtigt.

Italien war dann Motto der zweiten Hälfte. Zunächst spielte das erweiterte Philharmonische Oktett Decimino I von Saverio Mercadante, ein Werk für zehn Musiker, das die Grenzen der Kammermusik schon sehr weit ausreizt. Apart aber ist diese Musik auf jeden Fall, klanglich superb und spritzig im Charakter. In dem von Konzertmeister Daishin Kashimoto angeführten Ensemble gab es wiederum erlesene solistische Momente. Besonders die der Flöte mit dem einmal mehr fantastischen Emmanuel Pahud setzten Zeichen.

Zu den populärsten Werken sinfonischer Musik aus Italien im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehört die römische Trilogie von Ottorino Respighi. In Baden-Baden standen am Schluss des Musikfestes die "Fontane di Roma", die römischen Brunnen, auf dem Programm. Die sehr impressionistischen, manchmal fast schon elegischen Klangbilder schimmern in tausend Farben, so wie Licht im Wasser. Das Bundesjugendorchester zeigte unter der souveränen Leitung von Hermann Bäumer seine bestechende Klangkultur und seinen Sinn für berückenden Orchesterzauber.

Für die gute Stimmung beim Musikfest sorgten auch die lockeren Zwischenmoderationen der philharmonischen Hornistin Sarah Willis, die im ersten Teil mit dem Publikum den "Zwischenruf" zum Mambo bei Bernstein einübte und im zweiten Dirigent Hermann Bäumer interviewte, der dabei Anekdoten aus seiner Jugendorchesterzeit preisgab.

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