Inszenieren und entfalten

Inszenieren und entfalten

Von Elisa Reznicek

"Kleidung hat keine Bedeutung, bis jemand sie trägt", sagt Designer Marc Jacobs. Der Spruch, der mit weiteren Zitaten von Coco Chanel, Calvin Klein und Michael Kors das Treppenhaus der Jungen Kunsthalle Karlsruhe ziert, liefert das passende Motto zur aktuellen Ausstellung. "K & M. Kunst und Mode" ist die auch als "längste Fashion Weeks der Welt" ausgelobte Schau für Kinder, Jugendliche und interessierte Erwachsene überschrieben. Diese lädt noch bis zum 13. Oktober bei freiem Eintritt dazu ein, der vielfältigen Beziehung zwischen der Kunst und der Mode nachzuspüren.

Konzipiert wurde die sehenswerte Ausstellung von Sibylle Brosi, Petra Erler-Striebel, Claudia Sigmund und Luca Anne Schabinger in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Mode der Hochschule Pforzheim unter der Leitung von Sibylle Klose, Olga Pfeifle und Silke Helmerdig.

"Wir haben vor langer Zeit schon einmal etwas rund um Hüte gemacht, damals noch im Kinder- und Jugendmuseum", erzählt Petra Erler-Striebel. "Mode war seitdem bei uns immer wieder als Thema im Gespräch. Meine Kollegin Sibylle Brosi hat dann den Kontakt nach Pforzheim intensiviert. Die machen dort wirklich unglaublich tolle Sachen!" Es kristallisierte sich die Idee heraus, Originale aus der Sammlung der Kunsthalle mit innovativen Form-, Detail- und Materialideen der Studierenden in Beziehung zu setzen.

Diese werden in der Jungen Kunsthalle von Schlagworten wie "Der Puffärmel als KeyPiece", "Freiheit in der Enge" oder "Von der Inszenierung zur Entfaltung" begleitet und sind im Rahmen des Semesterprojekts "Memory of the Futures...!?" bei Prof. Sibylle Klose entstanden.

"Wer das Zukünftige anvisiert, muss in der Vergangenheit blättern: die Historie als Sprungbrett in und für die Zukunft?!", sinniert man bei den angehenden Designerinnen und Designern in Pforzheim. Oder anders gefragt: "Mode aus dem 19. Jahrhundert - ist das nicht alles total out?" Nach einem Ausstellungsbesuch ist klar: Karl Lagerfeld hatte mal wieder Recht! "Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode."

Im Untergeschoss sind Gemälde wie ein "Mädchenbildnis" von Albert Lang (1891) oder das "Bildnis des Generals Krieg von Hochfelden und seiner Gemahlin zu Pferde" von Rudolf Kuntz mit Marie Ellenrieder (1832) zu sehen. Jenes "Mädchenbildnis" beispielsweise zeigt eine junge, recht versonnen blickende Frau, die man heute vermutlich ähnlich aufgestylt bei Instagram finden könnte. Sie hat ein schwarzes, hochgeschlossenes Outfit an, das eine aufwändige Schmetterlingsverzierung trägt.

Gleich mehrere Studierende haben sich davon inspirieren lassen, darunter Aurélie Harazim, die Brosche wie Tier mittels Silikonwerkstoff und Silberlametta umdeutet, oder Julia Schulze, die eine raffinierte, grobmaschige Ärmellösung bei einem ihrer "beflügelten" Entwürfe zeigt.

Der spannende Weg von der Ideenfindung auf sogenannten "Mapping Boards", die Stimmungen, Assoziationen, Texturen und Ähnliches abbilden, bis hin zu den fertigen Modellen, lässt sich im ersten Stock nachvollziehen.

Hier können Besucher zudem selbst kreativ werden, indem sie etwas entwerfen, sich im Upcycling versuchen oder einmal wie echte Models über den Catwalk laufen. Für diesen Spaß stehen kunterbunte Leih-Outfits aus dem Fundus bereit.

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