Derzeit das größte Bauprojekt in Südbaden

Derzeit das größte Bauprojekt in Südbaden

Von Hans-Dieter Fronz

Freiburg - Es begann im Februar. Gleise wurden abmontiert, der darunter liegende Schotter in großen Lastern weggekarrt - und das auf einer Strecke von insgesamt 22 Kilometer, zwischen Breisach und Freiburg. Der Grund: Die Breisacher Bahn zwischen den beiden Städten wird neu gebaut.

100 Millionen Euro kostet das aktuell größte Bauvorhaben in Südbaden. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Bahn am 1. Dezember mit nagelneuen Zügen auf einer runderneuerten Strecke wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Der Nutzen für die Bahnkunden ist erkennbar: Sie gelangen deutlich schneller von A nach B. Denn die mit Dieselantrieb ausgestatteten alten Züge fuhren lediglich mit bis zu 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Die neuen Elektrozüge dagegen erlauben Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer. Wenn die Strecke fertig gebaut ist, kann man mit dem Zug ohne Umsteigen von Breisach über Freiburg nach Neustadt und weiter bis nach Donaueschingen fahren. Solange ersetzt ein Busersatzverkehr die ausfallenden Züge.

Viel Arbeit ist bis dahin noch zu erledigen. Für die schnelleren Züge muss auf der gesamten Strecke der Bahndamm erneuert werden. Denn die neue Strecke erfordert eine "gewisse Stabilität", wie Jürgen Friedmann feststellt, Sprecher bei der Bahn, Abteilung DB-Netz. "Man kann mit dem Auto ja auch nicht mit 150 über einen Feldweg brettern." Dafür müssen neue Gleisbette gebaut und neue Schienen verlegt werden; der für die Gleise verwendete Schotter ist Granit aus dem Schwarzwald. Auch die Bahnsteige müssen in der Höhe an die neuen Züge angepasst und verlängert werden; die Zugänge werden behindertengerecht gestaltet. In Gottenheim und Freiburg-Landwasser werden zwei Haltestellen neu gebaut.

Zu Verzögerungen kam es, als auf einem Teilstück ein vermehrtes Vorkommen einer geschützten Eidechsenart entdeckt wurde. Die Entsorgung des Altmaterials bedeutet zusätzlichen Aufwand.

Auch müssen entlang der gesamten Strecke Masten für die Oberleitungen der neuen, elektrifizierten Bahn aufgestellt werden. Die Vorarbeiten dafür sind schon in vollem Gang. Dazu gehört auch die Suche nach Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg. Bereits im Juni sollen dann die Fundamente für die Masten gesetzt und diese in den Folgemonaten aufgestellt werden.

Die vier beauftragten Baufirmen beschäftigen zusammengenommen mehr als 500 Arbeitskräfte. Um den Zeitplan einzuhalten, wird momentan an verschiedenen Abschnitten gleichzeitig gearbeitet, an einer Baustelle auch samstags. Sonderschichten, Nacht- und Wochenendarbeit sind aber bisher nicht vorgesehen. Sie wären eine Option für den Fall, dass es zeitlich eng werden könnte.

Fast 140 Jahre lang hatte die alte Bahnstrecke zuverlässig ihre Funktion erfüllt. Die Planungen für eine neue, schnellere Strecke blieben denn auch nicht ohne Widerspruch. Zumal die Kosten für die Erneuerung der Strecke deutlich über der einst veranschlagten Summe liegen. 57 Millionen Euro wollte man bei der Bahn ursprünglich ausgeben. Schon jetzt liegen die Kosten bei 100 Millionen Euro.

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