"Wollen Anstoß geben für Klimaschutz in Museen"

'Wollen Anstoß geben für Klimaschutz in Museen'

Von Gerd Roth und

Christiane Lenhardt

Die Spitzen wichtiger Museen in Deutschland wollen mehr Klimaschutz in ihren Häusern. Das geht aus einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters hervor. Darin fordern die Leitungen von rund zwei Dutzend führenden Museen, Kultureinrichtungen und Instituten "eine zentrale Taskforce, die sich einzig den klimapolitischen Herausforderungen in Museen und anderen öffentlichen Ausstellungshäusern widmet".

Zu den Erstunterzeichnern gehört die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden. Deren kommissarischer Leiter Hendrik Bündge sagte gestern im BT-Gespräch: "Wir wollen mit dem Brief einen ersten Anstoß für mehr Klimabewusstsein in den deutschen Museen geben und das Thema, das uns alle betrifft, nicht allein den Schülern überlassen, die freitags auf die Straße gehen."

Die Staatliche Kunsthalle an der Lichtentaler Allee ist mehr als 100 Jahre alt, ein eindrucksvoller Bau - aber energetisch nicht gerade topaktuell. Das hatte der Landesrechnungshof erst vor einigen Monaten moniert, ohne allerdings bereits geleistete Sanierungen, etwa an den Oberlichtern der historischen Ausstellungssäle, in sein Urteil einzubeziehen.

Bündge, der die Kunsthalle Baden-Baden derzeit zusammen mit Luisa Heese in einer Doppelspitze leitet, sieht aber nicht nur energetisch Einsparpotenzial, sondern auch im Materialverbrauch. "Man sollte darüber nachdenken, ob bei jedem Kunsttransport so viel anfallender Verpackungsmüll anschließend weggeworfen werden muss", fügte er hinzu. Allgemein gehe es aber erst einmal darum, bestimmte Bereiche zu benennen, in denen klimafreundlicheres Handeln möglich wäre.

"Deutschland tritt gegenwärtig nicht mit ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen auf - das betrifft auch die Kulturpolitik", heißt es in dem Brief. Viele Protagonisten des Kunstbetriebs engagierten sich für Umweltschutz und gegen den Klimawandel. "Mit ihrer Innovationskraft kann die Kunst zu einer echten Ressource im Kampf gegen Umweltzerstörung werden." Museen haben nach Aussage der Initiatoren aufgrund stetig wachsender Sammlungen, die permanent klimatisiert werden müssten, sowie durch ihr laufendes Programm spezifische Anforderungen an Bau und Betrieb. "Die meisten Ausstellungshäuser unterstehen jedoch einer staatlichen Verwaltung und hängen somit auch von ihrer klimapolitischen Ausrichtung ab", so der Brief. Verwaltungsstrukturen erschwerten maßgeschneiderte Lösungen und verlangsamten Entscheidungsprozesse. "Museen können deshalb in umweltpolitischen Fragen nicht so selbstbestimmt auftreten, dass sie eigene ambitionierte Akzente setzen könnten."

Als nächsten Schritt gelte es zu ermitteln, wie viele Museen sich der Initiative anschließen möchten, so Bündge. Eine zentral gebildete Taskforce solle dann zwischen Länder- und Bundesebene sowie zwischen Ministerien und Museen vermitteln. "Sie sollte die Museen beraten, gemeinsam mit ihnen konkrete Ziele formulieren und zügig einen Maßnahmenkatalog für einen nachhaltigeren öffentlichen Kunstbetrieb erarbeiten", formulieren die Museumsverantwortlichen in ihrem Brief. Themen sind dabei Klimatisierung, Licht, Leihverkehr, Mobilität, Heizung, Abfallmanagement, Neubauten, Material- oder Produktwahl. Am Ende könne ein staatliches Gütesiegel für Museen stehen, um ihren Klimaschutzbeitrag herauszustellen. "Dies alles wäre ein wichtiger Beitrag zu einem ,Green New Deal', den das gesamte Land derzeit dringend braucht", schreiben sie: "Kunst und Kultur haben das Potenzial, die Gesellschaft durch neue Ideen voranzubringen." Der Kulturbetrieb könne "zum Vorreiter auch im Klimaschutz" werden.

Zu den Erstunterzeichnern zählen auch das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, das Kunstmuseum Wolfsburg, die Kunstsammlungen Chemnitz, das Museum Wiesbaden, Museum Ludwig Köln, das Museum Friedrichshafen, das Kunstmuseum Stuttgart, genauso wie das Museum für Moderne Kunst (MMK) Frankfurt, Häuser von Bremen, Hamburg bis Berlin. Daneben gehören zahlreiche Künstler zu den Unterstützern ebenso wie Experten, etwa der Direktor des Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin, Stefan Simon. Klimaschutz solle genauso ein wichtiges Thema für die Documenta 15 in Kassel 2022 werden, wie Sabine Schormann, Generaldirektorin der weltweit führenden Präsentation zeitgenössischer Kunst, hinzufügte.

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