Viel Geld für Aufforstung des Hardtwalds

Viel Geld für Aufforstung des Hardtwalds

Von Volker Neuwald

Karlsruhe - Der Zustand des Hardtwalds in der Oberrheinebene ist besorgniserregend, besonders zwischen Rheinstetten und Ettlingen südlich von Karlsruhe. Das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) kündigt für das kommende Jahr eine "Hardtwaldkonzeption" an - um zu retten, was noch zu retten ist.

"In Abstimmung mit allen relevanten gesellschaftlichen Interessengruppen" soll diese Konzeption erarbeitet werden, geplant sei ein runder Tisch. Dies geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Ettlinger Grünen-Landtagsabgeordneten Barbara Saebel hervor.

Vor allem die klimabedingten Waldschäden der heißen Sommer 2018 und 2019 haben den Hardtwald schwer getroffen. Sie führten unter anderem zu einem verstärkten Absterben ökologisch wertvoller Altbuchen, zum Teil auch Alteichen. Höhere Lufttemperaturen und ein ständiges Niederschlagsdefizit bereits in den letzten 15 Jahren von 70 bis 90 Millimeter im Jahr haben die Wasserversorgung der Vegetation schwer beeinträchtigt.

Immer mehr Tage

mit Trockenstress

"Die Anzahl der Tage mit Trockenstress sind im Kreis Karlsruhe im 30-jährigen Mittel zwischen 1951 und 2010 kontinuierlich von 52 auf 67 Tage angestiegen", zitiert Saebel aus der Antwort des Ministeriums. "In den letzten 15 Jahren ergab sich ein mittlerer Trockenindex von 85 Tagen." 2018 sei mit 162 Tagen der bisher höchste Wert erreicht worden.

Für Saebel ist klar: "Der Klimawandel ist in unserem Wald bereits deutlich spürbar. Der Oberrhein zeigt die Spitzen der Veränderung - hier brauchen wir den Wald dringend als Kohlenstoffspeicher und Klimaschutz-Instrument." Mit Aufforstungen hin zu trockenheitsresistenteren Arten wie Eichen und Douglasien versuchen die Experten, auf die Veränderungen zu reagieren. "Die Landesregierung hat sowohl für kommunale als auch für Privatwaldbesitzer Geld zur Aufforstung in den Doppelhaushalt eingestellt", so Saebel.

Zusätzlich sorgt im Hardtwald das Eschentriebsterben für Probleme: "Die Eschenvorkommen nehmen seit einigen Jahren sichtbar ab, der langfristige Erhalt dieser Baumart ist derzeit infrage gestellt", zeigt man sich im Ministerium wenig optimistisch. "Die Wiederaufforstung der entstandenen Kahlflächen erfolgt dank Fördermitteln häufig mit Eichen-Mischbeständen."

Grundsätzlich sei der Hardtwald durch die zur Austrocknung neigenden Sandstandorte und klimatische Extreme geprägt, erläutert das MLR. "Die ursprünglich vorherrschende Kiefer ist nur noch mit 34 Prozent an diesen Waldungen beteiligt", bezogen auf den Kreis Karlsruhe. Der größte Flächenanteil sei mit Laubholz bestockt. Problematisch bleibe die Ausbreitung von Neophyten wie der Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) oder der Kermesbeeren (Phytolacca).

Zu Einzelheiten der angekündigten Konzeption äußert sich das MLR noch nicht. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung der vergangenen Jahre fortgeführt werden muss. Das heißt: Erhöhen des Laubbaumanteils, Verringerung der Nadelbaumflächen. "Längere Verjüngungszeiträume und der Erhalt von Altbäumen im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft haben die Zahl der Habitatbäume nachhaltig erhöht." Das Alt- und Totholzkonzept im Staatswald sowie Waldnaturschutzkonzepte in Gemeindewäldern bewirken eine weitere ökologische Zustandsverbesserung. Und die 14 Naturschutzgebiete im Kreis könnten bereits heute "aus ökologischer Sicht als hochwertig bezeichnet werden". Unter dem Strich muss dennoch klar sein: Der Hardtwald wird sich stark verändern - auch optisch.

Grünen-Abgeordnete Saebel schreibt weiter, dass der Anteil verkehrsgefährdender Bäume entlang von Bundes-, Land- und Kreisstraßen, an Waldwegen und auf Privatgrund deutlich zugenommen habe.

Begrünte Innenstädte statt Betonwüsten

Allein in Ettlingen seien rund 250 Bäume bereits gefällt oder zum Fällen vorgesehen. "In der Kernstadt von Ettlingen fallen aufgrund baubedingter Standortnachteile vor allem Laubbäume aus, in den Ortsteilen eher Nadelbäume (...) Kommunen müssen künftig durch mehr Baumpflanzungen auf Plätzen und an Straßen sowie Fassadenbegrünungen für ein gesundes Mikroklima sorgen. Begrünte Innenstädte sind an heißen Tagen bis zu zehn Grad kühler als Betonwüsten."

Im Finanzausschuss des Stuttgarter Landtags, dem Saebel angehört, gebe es etliche Aufforstungsprogramme für Kommunen, für das Erforschen trockenheitsresistenter Arten, zur innovativen Bodenbearbeitung und zur Baumpflege, gerade auch für Stadtbäume.

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