Baden-Württemberg rutscht weiter ab

Baden-Württemberg rutscht weiter ab

Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - 17 Jahre ist es her, da landete Baden-Württemberg im ersten großen PISA-Bundesländervergleich auf Platz zwei hinter Bayern. Inzwischen ist der Abwärtstrend ein doppelter. Im nationalen Ranking ist das Land nur noch Mittelmaß. Zugleich fällt Deutschland zwar nicht unter den OECD-Durchschnitt, aber deutlich hinter etliche andere Staaten zurück.


Wieder einmal belegt eine Untersuchung, dass die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom sozialen Status der Eltern unverändert groß ist. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will mit frühkindlicher Bildung gegensteuern. Denn deren immense Bedeutung, sagt sie auf BT-Anfrage, "kann nicht hoch genug eingeschätzt werden."

An Ideen und Versprechungen ist auch im Südwesten kein Mangel, seit die regelmäßigen PISA-Studien den Schulbetrieb und die Bildungspolitiker gehörig durchrütteln. Grün-Rot verhieß nach dem Machtwechsel 2011 "durchgreifende Reformen" (Ministerpräsident Winfried Kretschmann).

Die der Lehrerausbildung blieb allerdings auf halbem Wege stecken. Eine eigens eingesetzte Expertenkommission hatte unter anderem eine Aufwertung des Grundschullehramts empfohlen, die Vertretung der Gymnasiallehrer machte dagegen mobil. Die mitregierende SPD schwenkte um und verhinderte den "Einheitslehrer", wie Fraktionschef Claus Schmiedel damals sagte.

Eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Die Bildungsforschung zeige, dass es besonders wirksam ist, Kinder von der Vorschule bis zum Ende der Schulzeit lückenlos beim Lesen zu fördern, schrieben die Autoren der PISA-Studie von 2018. Das geschehe bislang immer noch zu wenig, trotz aller Anstrengungen. "Wer Bildung besser machen will, muss mehr investieren und mehr Studienplätze schaffen", kommentiert Doro Moritz, die GEW-Landesvorsitzende. Außerdem müssten Schulen "endlich in die Lage versetzt werden, soziale Benachteiligungen abzubauen".

VBE warnt vor zu schnellen Schlüssen

Auch SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch, in der vergangenen Legislaturperiode selber Kultusminister, beklagt, wie "gerade in Baden-Württemberg" immer noch die soziale Herkunft eines Kindes entscheidend sei für den Bildungserfolg. Von der OECD werde dies ja auch besonders kritisiert. Gemeinsames Ziel müsse aber sein, dass dieser Bildungserfolg allein von den Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen abhänge. Die "rückwärtsgewandte Bildungspolitik" seiner Nachfolgerin Susanne Eisenmann (CDU) sei aber "nicht geeignet, die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu lösen".

Gerhard Brand, Landesvorsitzender beim Verband Bildung Erziehung (VBE), warnt dagegen davor, allzu schnell Schlüsse für das Land zu ziehen: Die Studie bilde für Deutschland einen Mix aus Testergebnissen in 16 Bundesländern mit 16 verschiedenen Schulsystemen ab, die Resultate könnten deshalb nur mit starken Abstrichen übertragen werden. Im Hinblick auf die große Bedeutung der sozialen Herkunft für die Leistungen der Schüler müsse die Politik die nötigen Ressourcen bereitstellen, "andernfalls wird die Schule zur Sozialfalle".

Eisenmann wiederum bezeichnet die Verbesserung der Chancen "von allen Kindern" als Kernanliegen ihrer Bildungspolitik. Und sie verweist zudem auf die bereits eingeleitete Stärkung der Basiskompetenzen.

So gebe es vier zusätzliche Stunden für Deutsch und Mathematik in den Grundschulen Baden-Württembergs und mehr Möglichkeiten bei der Förderung der Schüler.

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