Mehr Übernachtungen und mehr Förderung

Mehr Übernachtungen und mehr Förderung

Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Die einen kämpfen mit Touristenmassen oder mit der Sperrung ganzer Gegenden. Andere sehen sich mit neuen strengen Auflagen konfrontiert, etwa in Frankreich, wo auch die Spitzengastronomie keine Lebensmittel mehr wegwerfen darf. In Baden-Württemberg dagegen präsentieren sich die Verantwortlichen am diesjährigen Tourismustag auf der Reisemesse CMT hochzufrieden. Mit zwei Ausnahmen: Geklagt wird über zu viel Bürokratie und zu wenig Fachkräfte.

In Zeiten, in denen so häufig über Mobilitätswende und Nachhaltigkeit diskutiert wird, ist die CMT selbst ein Thema. Denn viele der Aussteller auf der Fildermesse berichten an diesem Montag vom noch nie da gewesenen Andrang am Eröffnungswochenende, als 90 000 Besucher in die zehn Hallen strömten, eine chaotische Verkehrssituation rund um das durch die S-Bahn angebundene Gelände inklusive. Immer neue Rekorde werden aber weiterhin als erstrebenswert wahrgenommen. "Baden-Württemberg leidet nicht an Overtourism", stellt der zuständige Minister Guido Wolf kategorisch fest, "wir richten unser Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Regionalität und haben weitere Potenziale, die es auch in Zukunft auszuschöpfen gibt."

Als Beispiel für eine Region, in der ein "kräftiger Schub" möglich ist, nennt der CDU-Politiker Allgäu/Oberschwaben und den dortigen Center Park mit tausend Häusern in Holzbauweise auf einem früheren Militärgelände. Der musste zwar nach seiner Eröffnung 2018 mit anhaltend schlechten Bewertungen im Netz kämpfen. Inzwischen aber gilt die Freizeit- und Ferienanlage als einer der Garanten dafür, dass es 2019 und damit im neunten Jahr in Folge immer weiter bergauf gehen soll mit dem Tourismus im Land: Endgültige Statistiken liegen noch nicht vor, aber alle Verantwortlichen erwarten für Baden-Württemberg weiter steigende Zahlen. 2018 wurden 22,4 Millionen Ankünfte und 54,9 Millionen Übernachtungen registriert, in den ersten elf Monaten 2019 waren es bereits vier Prozent mehr.

Die Landesregierung darf sich zu Gute halten, "richtig Geld in die Hand zu nehmen", wie Wolf sagt, "weil wir uns der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus für das Land bewusst sind". Nach seinen Angaben kommt die Branche auf ein jährliches Bruttoumsatzvolumen von rund 25 Milliarden Euro. Trotzdem braucht sie Hilfe bei den Problemfeldern Bürokratie und Fachkräftemangel. Der Hauptgeschäftsführer der für die Branche federführenden Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, Martin Keppler, legte Z ahlen zur "nicht einfachen Beschäftigungssituation" vor: Rund 7 100 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung in der Branche, damit ist die Tendenz leicht sinkend. Knapp 3 000 haben ihre Ausbildung im vergangenen Herbst begonnen.

Dehoga-Landeschef Fritz Engelhardt hofft weiterhin auf Erleichterungen, damit Gastronomen ihre Ruhetage nicht in weiten Teilen zur Erfüllung bürokratischer Pflichten verwenden müssten. Zugleich will sich der Pfullinger Hotelier dem Lob für Landschaft und kulinarische Angebote aber nicht verschließen.

Baden-Württemberg sei ein Genießerland von exzellenter Qualität mit 90 Michelin-Sternen in 77 Restaurants als "Imageträgern". Und natürlich werde auch darauf geachtet, dass Lebensmittel nicht im Müll landen. Es gebe schließlich verschiedene Möglichkeiten, dies zu verhindern, etwa Gästen in entsprechenden Behältnissen Reste ihrer Portion mitzugeben.

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