Altmaier grüßt per Videobotschaft

Altmaier grüßt per Videobotschaft

Von Jürgen Volz

Karlsruhe - Der Wirtschaftsminister kam nicht persönlich, schickte aber eine Videobotschaft nach Karlsruhe: Weil Peter Altmaier immer noch an den Folgen eines Sturzes im Dezember leidet und sich einer medizinischen Behandlung unterziehen musste, sagte er gestern seinen Auftritt beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer kurzfristig und für die rund 900 Gäste in der Gartenhalle einigermaßen überraschend ab.

Dass er nicht nach Karlsruhe kommen könne, habe aber auch etwas Gutes, sagte der Minister per Video. Immerhin seien durch die abgesagte An-und Abreise rund 500 Kilogramm CO2 eingespart worden, so Altmaier mit einem Augenzwinkern. In der Sache selbst erinnerte er an die von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen in Sachen Klimaschutz und Energiewende. Gleichwohl ließ Altmaier keinen Zweifel daran, dass dem Automobil in Deutschland auch weiterhin eine große Bedeutung zukomme. Die Bundesregierung habe ein "hohes Interesse daran, die individuelle Mobilität im Zeitalter des Autos zu erhalten, gleichsam aber den Umweltschutz zu forcieren." Deutschland müsse Autoland bleiben, aber mit anderen Antrieben. "Wir begleiten diesen Strukturwandel", so Altmaier.
IHK-Präsident Wolfgang Grenke hatte zuvor die Gäste in der Gartenhalle auf das Thema des Neujahrsempfangs "Zukunft der Mobilität Was bewegt sich am Oberrhein?" eingestimmt. "Mobilität ist vielfältig, und es gibt viele Möglichkeiten, Verkehrsmittel zu kombinieren. Es sinnvoll zu tun: Darauf kommt es an", erklärte Grenke. "Ich bin überzeugt, in den nächsten zehn Jahren werden und müssen wir unser Fortkommen anders organisieren. Aber wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Wir wissen: Durch die Digitalisierung haben wir völlig neue Möglichkeiten, den Verkehr intelligent und flexibel zu steuern", so Grenke weiter. "Wir brauchen auch eine Verkehrswende, um die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Außerdem droht uns schlicht und einfach ein Verkehrskollaps. Derzeit findet eine Verlagerung der Transportgüter statt, von der Schiene und aus dem Binnenschiff auf den Lkw. Eine Veränderung unserer Verkehrssysteme scheint noch in weiter Ferne in der Güterversorgung wie im öffentlichen Personennahverkehr."
Grenke forderte in seiner Rede außerdem dazu auf, Investitions-Hemmnisse und bürokratische Hürden zu beseitigen. Zu viel Bürokratie schränke Unternehmen darin ein, auch klimaschutzrelevante Innovationen umzusetzen. "Keine Frage, Dinge müssen geregelt sein. Aber Bürokratie darf sich nicht verselbstständigen", so der IHK-Präsident.
Die Industrie- und Handelskammer hatte Pere Calvet, Präsident der UITP, Weltverband für öffentlichen Transport und Verkehr, nach Karlsruhe eingeladen. Der Spanier betonte, dass das Prinzip des "globalen Denkens und lokalen Handelns" heute zutreffender denn je sei. "Ein breites öffentliches Verkehrsangebot ist absolut unerlässlich, um die infolge des Wachstums der Städte und der Hoffnungen der Bürger notwendige Mobilität zu fördern", so Calvet. "Der schnellste und kostengünstigste Weg zu einer kohlenstoffdioxidfreien Alltagsmobilität von Personen ist die Ermutigung zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, des Fahrrads oder zum Gang zu Fuß." Prinzipiell müsse man die gesamte wirtschaftliche Logistikkette optimieren. Sie sei lebenswichtig für die Erde, aber auch und vor allem für die Zukunft der Wirtschaft.
Im abschließenden Talk ging es vor allem um alternative Mobilitätsformen. Der Umstieg erfordere nach Ansicht von Frauke Goll, Leiterin des Digitalen Innovationszentrums am FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe, Risikofreudigkeit und Innovationsbereitschaft. Hier habe gerade die Region in vielen Dingen, insbesondere was Forschung und Öffentlichen Personennahverkehr betrifft, Vorbildcharakter. Darin waren sich auch Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup, Landrat Christoph Schnaudigel und Pere Calvet einig.
"Dem Silicon Valley werden wir es zeigen", erklärte René Ohlmann, Vorsitzender des deutsch-französischen IHK-Ausschusses für grenzüberschreitende Angelegenheiten, überaus selbstbewusst.

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