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Ein Picasso mit Ottifant
29.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Hans-Dieter Fronz

Man kennt ihn von ungezählten Fernsehauftritten, etlichen Kinofilmen und millionenfach verkauften Tonträgern. Otto, der Außerfriesische. Der Clown, der begnadete Spaßmacher - aber auch der Musiker und Schauspieler. Alles das ist Otto, und es ist bekannt. Weniger dagegen, dass er auch ein Talent zum Künstler hat. Otto malt Bilder in Öl und Acryl, die sich nicht schlecht und zu guten Preisen verkaufen.

Denn Otto ist von der Muse geküsst. Ursprünglich wollte der selbst ernannte Götterbote mit dem Flügelkäppi Kunsterzieher werden. Anfang der Siebziger Jahre studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg; sein Studium finanzierte er durch Auftritte als Leadsänger und -gitarrist der Rockband "The Rustlers". Wie Otto jetzt in einem Interview verriet, geht er hin und wieder sogar freiwillig ins Museum. Um zu schauen, wie die Künstlerkollegen es machen. Wenn ihm etwas gefällt, macht er es ihnen nach, wie er humorvoll hinzufügte.

In den letzten Jahren wurde Ottos Kunst in diversen Ausstellungen gezeigt - in Galerien in Hamburg und Werl zum Beispiel. Oder in Mainz. Dort gab's 2015 im Alten Postlager so etwas wie die erste große Retrospektive: "Otto Waalkes - Die Ausstellung. Sein Lebenswerk". Jetzt ist Otto in der Mercedes-Benz-Hall im Europa-Park in Rust zu Gast. Und stellt sich mit seiner Präsentation in eine illustre Reihe klangvoller Namen: James Rizzi, Janosch, Chagall...

Mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken hat er nach Rust mitgebracht. Der originale Leuchtturm seiner Bühnenshow und Souvenirs aus einem langen Showleben wie Bühnenkostüme und Requisiten, Fotografien und Plakate ist atmosphärisches Beiwerk für seine Anhänger. Im Shop werden Fan-Artikel und Merchandising-Produkte angeboten, denn selbstverständlich ist die Ausstellung auch und vielleicht in erster Linie ein großer Marktplatz. Speziell für die Europa-Park-Besucher hat Otto eine Serie von Zeichnungen geschaffen, die in einer Sonderedition gehandelt werden.

Aber wie ist sie denn nun - Ottos Kunst? Vor allem humorvoll und bunt. Und übrigens so knuddelig wie sein Markenzeichen, der Ottifant, der sich bei ihm allenthalben ins Bild mogelt - etwa wenn Otto nach dem Motto "Genie trifft Genie" die Kunstgeschichte gegen den Strich bürstet und bekannte Motive gleichsam ottifantisch umdeutet. So liebkost Picassos Mädchen mit der Taube bei ihm anstelle des Federviehs einen Ottifanten. Und zu den Klängen von Manets berühmtem Flötenspieler (der in Ottos Version dem Komiker verdächtig ähnlich sieht) lässt er eine beschwingte Ottifantin im Petticoat tanzen. Auch Gauguins Südseefrauen schließen Bekanntschaft mit der Spezies. Wie der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi hat Otto alle Stile und Bildsprachen von der Moderne bis heute drauf: von Edward Hopper über Roy Lichtenstein bis Keith Haring, den Kopf stehenden Ottifanten à la Baselitz erwarten wir in Bälde.

In witzigen Comiczeichnungen aus dem apokryphen biblischen "Buch Otto" kreiert der Künstler auch ganz neue Spezies. Wie den Spaghettihund - oder den Fledermaulwurf, eine Wiesenmischung aus Fledermaus und Maulwurf. Sein "Stachelschwein" schaut in Gestalt eines borstigen Schweinskopfs mit dem Rüssel nach oben als Kaktus aus dem Blumentopf. Und die Lachmöwe lacht sich eins im Flug. Ottos Tierleben kennt auch getigerte sowie Ottifanten mit Zebrastreifen. Die Evolution führt in seiner Sicht vom Affen über eine Urform des Ottifanten bis hin zur Krone der Schöpfung: der Gattung Homo ottensis mit Flügelkäppi.

Ottos erster, größter und neugierigster Fan ist übrigens er selbst. "Beim Malen kann ich kaum stillstehen, ich bin so ungeduldig und will endlich wissen, wie das Bild aussieht, wenn es fertig ist", hat er einmal witzig bemerkt. Meistens lohnt es sich ja, das Warten - gerade auch in einem pekuniären Sinn. Der Shop bietet auch eine Vielzahl von Reproduktionen malerischer Motive zu stolzen Preisen. Eine Reproduktion des Aquarells "Nighthawks" nach Hopper etwa kostet - handsigniert, in einer Auflage von 199 Stück - 1400 Euro. Wobei offen bleibt, ob inklusive Rahmen oder nicht. Bis 7. Januar.

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