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"Trump wird sogar noch nachlegen"
08.03.2018 - 00:00 Uhr
Berlin - Mit dem Rückzug von Gary Cohn, der als oberster Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump und Befürworter eines freien Welthandels galt, ist die Verunsicherung an den internationalen Märkten eher noch gestiegen. Kommt es nun tatsächlich zu einem Handelskrieg? Darüber sprach BT-Korrespondent Stefan Vetter mit dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

BT: Herr Fratzscher, hat Trump jetzt praktisch freie Bahn, um seine angedrohten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe wahr zu machen?

Marcel Fratzscher: Die hat Trump auch schon vorher gehabt. Denn Strafzölle kann er weitgehend unabhängig vom US-amerikanischen Parlament verhängen. Ich gehe davon aus, dass Trump seine Drohung wahr macht und sogar noch nachlegen wird. Und zwar in erster Line gegen China, das seinerseits Handelsbarrieren errichtet hat. Insofern sind nicht nur die USA der Buhmann.

BT: Soll die EU besser stillhalten, oder mit Gegenzöllen antworten?

Fratzscher: Die EU muss mit eigenen Zöllen reagieren. Allein schon deshalb, weil die europäische Volkswirtschaft die einzige ist, die den USA wirksam Paroli bieten kann.

BT: Demnach wäre ein Handelskrieg unausweichlich.

Fratzscher: Ein Handelskrieg kann durchaus vermieden werden, aber nur dann, wenn Trump einlenkt. Und das wird er nur tun, wenn er von den Europäern Druck bekommt. Insofern ist der Ansatz klug, dass die EU Strafzölle für bestimmte Produkte wie Whiskey oder Motorräder im Blick hat. Sie würden in den USA zwar einen eher geringen wirtschaftlichen, dafür aber großen politischen Schaden anrichten. Denn besagte Produkte werden in Regionen und Wahlkreisen hergestellt, in denen Trump besonders populär ist und auf deren Unterstützung er politisch angewiesen ist.

Interview

BT: Welche Folgen hätten die US-Strafzölle für Deutschland?

Fratzscher: An der deutschen Stahl- und Aluminiumproduktion hängen zehntausende Jobs. Einige davon würden in Gefahr geraten. Und sollten die Strafzölle auch noch auf Autos ausgeweitet werden, wie es Trump angedeutet hat, dürfte der Schaden noch deutlich größer sein. Weit mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen an dieser Branche. Eine solche Eskalation könnte Deutschland schwerlich verkraften. Generell gilt: Die deutsche Wirtschaft hat besonders viel zu verlieren, weil sie stark exportorientiert ist. Die Ausfuhren machen etwa die Hälfte unserer Wertschöpfung aus. In den USA dagegen sind es nur etwa zehn bis 15 Prozent.

BT: Schützt sich die EU nicht auch mit Zöllen vor Billigeinfuhren?

Fratzscher: Das tut die EU in einigen Bereichen, und das ist auch legal, wenn es sich um Dumping-Importe handelte. Bei den Stahl- und Aluminium-Exporten in die USA kann man davon aber nicht sprechen.

BT: Am Ende sitzt Trump aber doch am längeren Hebel, oder?

Fratzscher: Auch die USA würden bei einem Handelskrieg verlieren. Denn Stahl- und Aluminiumprodukte würden dort teurer.

BT: Davon würden aber die US-Stahlproduzenten profitieren.

Fratzscher: Richtig. Vorübergehend wäre das sicher der Fall. Im Gegenzug würden aber in der weiterverarbeitenden Industrie die Preise steigen. Das dämpft die Nachfrage, wodurch ebenfalls Jobs verloren gingen. Nach allen Untersuchungen wäre der Verlust in den weiterverarbeitenden Branchen sogar größer als der Beschäftigungsgewinn in der US-Stahlindustrie. Ich würde allerdings nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Trump hier für rationale Argumente empfänglich ist. Schließlich hat er mehr Jobs für die heimische Schwerindustrie versprochen. Die Kehrseite hat er nie erwähnt.

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