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Mit Logik gegen Fanatismus
Begriffe brauchen Zeichen: In Karlsruhe sind alte Schriften und von ihnen inspirierte Kunst zu sehen.  Foto: Felix Grünschloß
17.03.2018 - 07:15 Uhr
Von Thomas Weiss

Eine dem spanischen Philosophen und Theologen Ramon Llull (1232 bis 1316) gewidmete ZKM-Schau stellt jetzt den Dialog in den Mittelpunkt: Den Dialog des Gelehrten, der als Dichter und Troubadour begann, mit den monotheistischen Weltreligionen ebenso wie den Dialog, den spätere Geistesgrößen wie Leibniz, aber auch Künstler wie Dalí oder Tàpies mit seinem Werk führten und führen. Die Ratio in den Dienst der Religion anstatt die Religion in den Dienst der Irrationalität zu stellen ist ein immer wieder modern erscheinender Ansatz, gerade in Zeiten, da der Dialog zwischen den Religionen immer schwieriger wird, Irrationalität und Fanatismus Oberhand zu gewinnen scheinen. Bis zum 5. August befasst sich "Dia-Logos - Ramon Llull&die Kunst des Kombinierens" auf verschiedenen Ebenen mit dem Werk des aus Mallorca stammenden Katalanen.

Zu den Prunkstücken der von Amador Vega, Peter Weibel und Siegfried Zielinski kuratierten Ausstellung gehört die aus der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe - die noch weitere 15 Objekte beisteuert - stammende Handschrift "Breviculum ex artibus Raimundi Lulli electum". Sie wird, wie die Direktorin der Landesbibliothek, Julia von Gaertringen erläutert, wegen konservatorischer Bedenken nur am Eröffnungswochenende im Original zu sehen sein, danach als Faksimile. Die zwischen 1321 und 1329 in Nordfrankreich entstandene Handschrift schildert Leben und Werk des Philosophen in einer allgemeinverständlichen Darstellung seines Schülers Thomas Le Myésier.

Der katalanische Philosoph war, wie die Ausstellung nachzeichnet, ein weitgereister Mann, ein "Nomade", wie Zielienski ihn nennt. Dies hat sein Denken und seinen Willen zum Dialog mit der jüdischen und muslimischen Religion sicher mitgeprägt. Friedlich in einer Vitrine vereint zeigt die Ausstellung Llulls "Ars generalis ultima" im lateinischen Original einer hebräischen und einer arabischen Fassung als digitale Reproduktion aus Aleppo. Aber Llull wollte sich nicht nur an Gelehrte, sondern auch an des Lateins nicht mächtige Menschen wenden. Deshalb publizierte er auch auf Katalanisch. Llull formalisierte die Religionskonzepte von Judentum, Christentum und Islam, um den religiösen Wahrheiten Beweiskraft zu unterlegen. Daraus entstand die logische Schule der "ars combinatoria", die bis in die heutige Zeit ihre Auswirkungen hat. Zielinski spricht etwas zugespitzt von Llull als "Vater des Computers", da der Gelehrte eine Art "Papiercomputer" auf drehbaren Scheiben schuf.

Sein Denken hat über Leibniz, der sich mit ihm intensiv auseinandersetzte - was sich in der Ausstellung nachvollziehen lässt - auch auf die deutsche Geistesgeschichte beachtlichen Einfluss. Wie Llull ging Leibniz davon aus, dass allen Begriffen Zeichen zugeordnet werden können und sich daraus neue Begriffe durch formal-mechanische Kombinationen ableiten lassen würden.

Ebenfalls in Karlsruhe zu sehen ist ein funktionstüchtiger Nachbau von Leibniz' Rechenmaschine, die erstmals die vier Grundrechenarten automatisch ausführen konnte. Logik und interkultureller Dialog stehen bei dem Katalanen, der kein Mönch war, sondern verheiratet und Vater zweier Kinder, gegen religiösen Fanatismus. Llulls universale Konzepte und interkulturelle Ideen haben bis heute Einfluss auf die Bildende Kunst, Literatur und Musik ebenso wie Informationstheorie und Medientechnologie.

Nachfolgende Künstler stark beeinflusst

Die vielfältigen Anregungen, die er für Künstler des 20. Jahrhunderts lieferte, zeigt die Schau anhand von Arbeiten von Salvator Dali, Antoni Tàpies oder Anselm Kiefer, der mit seiner großformatigen Arbeit "Am Anfang" vertreten ist. Aber auch Beziehungen zur frühen Medienkunst eines Manfred Mohr sind relevant. Ebenso lassen sich jüngere Medienkünstlern wie Philipp Goldbach, Yunchu Kim oder Adam Slowik sich von Llull inspirieren.

Aber auch Autoren wie Italo Calvino, Jorge Luis Borges, vor allem aber Umberto Eco haben sich mit den philosophischen Positionen des Katalanen auseinandergesetzt, ebenso wie die Autoren der "Wiener Gruppe" mit Konrad Bayer. Die Universalität seines Denkens wird auch durch seinen Einfluss auf die Musik, der sich bei Arnold Schönberg, John Cage oder Mestres Quaderny, nachweisen lässt, unterstrichen.

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