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Schnaps-Experten bewerten 3 168 Spirituosen
27.03.2018 - 07:28 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Sasbachwalden - Bereits an der Eingangstür des großen Veranstaltungssaals im Kurhaus Alde Gott liegt seit Sonntag der Duft von hochprozentigem Alkohol in der Luft. Rund 3170 Schnaps- und Likörflaschen sind im hinteren Teil des Raums auf elf länglichen Tischen aufgereiht. Sorgfältig sortiert stehen die Spirituosen für die 36. Prämierung von Obstbränden des Verbands Badischer Klein- und Obstbrenner bereit, die noch bis heute andauert.

Wie am Fließband werden die Schnapsgläser mit Bränden und Likören befüllt und anschließend zu den Prüftischen getragen. Schnell muss es gehen, denn die unzähligen Spirituosen müssen binnen drei Tagen alle auf ihre Qualität getestet werden. Dafür wurde vor Beginn jede einzelne Flasche mit einer Zahlenfolge versehen. Auch die Schnapsgläser beklebt das Personal mit der entsprechenden Bezeichnung. Etwa zehn Personen sorgen im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf.

Im vorderen Teil des Saals ist von der Hektik kaum etwas zu spüren. Rund 50 Prüfer nehmen dort etwa Kirschwasser, Birnenbrände oder Himbeergeist genau unter die Lupe. Neben 150 verschiedenen Sorten an Bränden mit Fruchtauszug wurden 381 Likörarten angeliefert. Seit 1949 findet die Prämierung des Verbands badischer Klein- und Obstbrenner im Zweijahresrhythmus statt - seit 1986 in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Saar-Verband. Mit über 3000 Proben ist es laut Klaus Lindenmann, Geschäftsführer des badischen Verbands, die weltweit größte Prämierung dieser Art. "Wir prüfen Erzeugnisse aus ganz Baden", so Lindenmann. Durch Prämierungen könne man seine Produkte richtig einschätzen und den Kunden durch eine unabhängige Bewertung die Qualität demonstrieren. Oft ließen sich ausgezeichnete Erzeugnisse wesentlich besser verkaufen als nicht prämierte oder nicht eingereichte.

"Für die Zusammensetzung unserer Jury greifen wir auf erfahrene Leute zurück", betont Lindenmann. Viele der Prüfer seien selbst ausgebildete Brennmeister. Einer von ihnen ist Edmund Marder. Seit rund 30 Jahren ist er als einer der ältesten Prüfrichter ein fester Bestandteil in der Jury. "Mein erster Brand, den ich vor vielen Jahren destilliert habe, wurde vom Stammtisch als katastrophal bezeichnet", erinnert sich Marder an seine Anfänge und schmunzelt. Die Brände seines Vaters hätten den Männern vom Stammtisch damals besser geschmeckt. Das nahm Marder zum Anlass, diverse Verkosterschulungen zu besuchen, um die wahre Kunst des Schnapsbrennens kennenzulernen.

Heute weiß er: "Der Geruch ist eines der wichtigsten Kriterien." Ebenso fließen aber auch der Charakter und die Intensität von Frucht und Aroma in die Bewertung mit ein, erklärt der Experte. Man müsse die Obstsorte auch erkennen können, wenn man das Etikett der Flasche nicht vor Augen hat. Marder sieht die Kunst eines Brenners darin, "die Frucht ins Glas zu bringen". Doch das allein mache noch keinen guten Brand aus. Geruch und Geschmack sollten ausgewogen sein und eine Harmonie bilden. Außerdem müsse der Schnaps mild am Gaumen sein. "Wenn er scharf am Gaumen brennt, dann zieht das die Bewertung natürlich nach unten", verrät Marder.

Heute sitzt er mit zwei jüngeren Prüfern an einem Tisch. Umso erstaunlicher sei es, wie man sich untereinander bei den meisten Spirituosen sofort einig sei. Viel Übung gebe Sicherheit. Oft wisse man als erfahrener Tester sehr schnell, was ein besonders edler Tropfen sei, meint Marder.

Für die Bewertung werden Punkte vergeben. Neben den bekannten Ehrenpreisen für die vollen 60 Punkte zeichnet der Verband die zehn besten Brenner aus. Für die Kategorie Liköre und Brände mit Fruchtauszügen werden die besten fünf Betriebe geehrt. Außerdem wird erneut der "Obstbrand des Jahres" gekürt. Laut Marder testet jeder Prüfer pro Tag etwa hundert Spirituosen. Trinkfest müsse man dafür aber nicht sein, scherzt er, denn in der Regel wird der Schnaps oder Likör nicht geschluckt. Um eine Beurteilung abzugeben, genüge es, den hochprozentigen Alkohol im Mund zu spülen.

Am Ende der dreitägigen Prämierung gönne sich der ein oder andere dann aber dennoch ein Gläschen eines besonders guten Exemplars. Das habe man sich nach der "harten Arbeit" auch verdient.

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