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Von intimer Fragilität zur geräuschhaften Attacke
Geigerin Vilde Frang treibt an der Oberfläche des Streichermeers.  Foto: Monika Rittershaus/Festspielhaus
03.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Georg Rudiger

Ein aufsteigender Durdreiklang mit großer Septime, dem eine fallende Linie folgt. Ganz unspektakulär beginnt Béla Bartóks erstes Violinkonzert - als müsse sich die Solovioline erst orientieren, als wüsste man noch nicht, wohin die Reise geht. In diesem Jugendwerk, das Bartók als Porträt der von ihm verehrten Geigerin Stefi Geyer anlegte, tastet sich der ungarische Komponist ganz vorsichtig in eine sehr persönliche Klangsprache.

Vilde Frang lässt sich im Festspielhaus Baden-Baden mit geschlossenen Augen und langsamem Bogenstrich ein auf diese intime Musik. Der Ton der norwegischen Geigerin ist hier luftig und kaum zu orten, als würde der Wind die Melodie herbeitragen. Nach und nach kommen einzelne Streicherpulte der Berliner Philharmoniker hinzu, aber die Fragilität der Musik bleibt erhalten. Auch wenn das Tutti einsetzt, versteht Frang den Violinpart nicht als losgelöste Solostimme.

Immer wieder taucht sie im Streichermeer ab und treibt an der Oberfläche, so dass man den Klang ihrer Violine nur als zusätzliche Farbe wahrnimmt. Was für ein Kontrast, wenn die Geigerin mit fettem Ton und geräuschhafter Attacke den zweiten Satz (Allegro giocoso) beginnt, in dem Bartók die Virtuosin in den Mittelpunkt stellt, die seine Liebe aber zurückwies. Der Schmerz darüber war so groß, dass das 1907 komponierte Violinkonzert in der Schublade verschwand und erst 1958, dreizehn Jahre nach seinem Tod in Basel, uraufgeführt wurde.

Mit Souveränität und Leichtigkeit spielt Vilde Frang die Virtuosität aus, lässt den Bogen über die Saiten springen und musiziert jede noch so kleine Figur mit genauer Artikulation. Sie kehrt aber auch zurück zu dem traumverlorenen Klang des ersten Satzes und schlägt so den Bogen zu der behutsamen Liebeserklärung des Beginns. Die Berliner Philharmoniker sind unter der Leitung von Iván Fischer echte Kammermusikpartner und schenken wie in den sonoren Englischhornsoli von Dominik Wollenweber besondere Momente.

Schon bei Bartóks selten gespielten Ungarischen Bauernliedern konnte man die Homogenität des Streicherklangs in den zahlreichen Unisoni genießen. Fischer betont die Basslinie, so dass der rustikale Charakter dieser Tänze immer spürbar bleibt.

Vom Tanzboden in ätherische Höhen, von der Bodenhaftung in die Schwerelosigkeit geht es mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Bühnenmusik zu Shakespeares "Sommernachtstraum". Nach den vier intonatorisch perfekten Anfangsakkorden in den Holzbläsern entsteht im Festspielhaus bereits in der Ouvertüre eine helle Zauberwelt, die in den feinen, nicht zu schnell genommenen Figuren der Streicher einen Elfenreigen vor Augen führt. Der ungarische Dirigent hält ganz unaufgeregt das Orchester zusammen, schafft Klarheit bei heiklen Übergängen und setzt auf Verbindlichkeit im Ton.

Im Notturno glänzt Solohornist David Cooper. Emmanuel Pahud (Flöte) sorgt nicht nur im Scherzo für duftige Girlanden. Dass Andreas Ottensamer das Klarinettensolo im Marcia funebre wie ein Klezmerstück mit Glissando und brechendem Ton spielt, ist jedoch stilistisch fragwürdig. Mari Eriksmoen (Sopran) und Ingeborg Gillebo (Mezzosopran), zwei Blumenmädchen aus dem "Parsifal", fügen diesem "Sommernachtstraum" gemeinsam mit den im Orchester postierten Damen des Philharmonia Chors Wien neben dem instrumentalen Zauber noch vokalen Glanz hinzu.

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