http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
Pädophilie - ein unheilbarer Trieb?
Oft sind Kinderschänder Mehrfachtäter. Einige Experten sprechen daher von einem Kick. Foto: dpa
13.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Florian Krekel

Baden-Baden/Berlin - Es ist ein tragischer Kriminalfall, der selbst erfahrene Ermittler an die Grenze dessen bringt, was sie aushalten können. Und es ist ein grausames Schicksal. Über zwei Jahre hinweg wird in Staufen bei Freiburg ein heute neun Jahre alter Junge von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten Männern für Vergewaltigungen überlassen. Das Paar kassiert dafür nicht nur Geld, sondern ist laut polizeilichen Ermittlungen an den Vergehen auch noch aktiv beteiligt.

Das menschenverachtende Verbrechen bleibt über Jahre im Dunkeln und das, obwohl der Lebensgefährte der Kindesmutter wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraft ist. Ein tragischer Einzelfall?

Nein, sagt Leska Kaufmann. Die ehemalige Journalistin ist Mitarbeiterin des Baden-Badener Vereins Cora, der sich um Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt kümmert. Sie weiß aus Erfahrung: Viele Täter sind Mehrfachtäter - gerade die Intensivtäter. "Man könnte die von den Tätern empfundene Lust am Quälen von Kindern als enormen Kick bezeichnen, dessen Befriedigungspotenzial hoch ist und mögliche Strafbarkeit und Verurteilung in den Hintergrund treten lässt. Und wenn dieser Kick abebbt, muss er erneut gesucht werden."

Sehr häufig ergeben deshalb Ermittlungen, dass vermeintliche Einzeltäter sich schon vorher oder parallel an anderen Kindern vergangen haben und der ungezügelte Trieb sei auch der Grund, warum verurteilte Straftäter wie im Staufener Fall in den meisten Fällen immer wieder rückfällig würden, berichtet Kaufmann über ihre täglichen Erfahrungen. Pädophilie sei ein unheilbarer Trieb, sagt sie. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein. In der Wochenzeitung "Die Zeit" äußerte das ein Sexualtherapeut bereits vor Jahren. Pädophilie sei nach dem Stand der Wissenschaft nicht heilbar, es gebe keine kausale Erklärung, wie die Störung entstehe, wird er 2012 von dem Blatt zitiert.

Zur Prävention und um solche Fälle wie in Staufen zu verhindern, fordert Kaufmann deshalb, das Strafrecht entsprechend anzupassen und die Vorgehensweise vor Gericht zu verändern. Die gerichtliche Einschätzung müsse in diesen Fällen weg vom empirischen Prinzip, weg von der Wissenschaft, weg von psychologischen Gutachten. "Der Begriff der Heilmöglichkeit muss rausfallen. Die Psychologen und Gutachter müssen eingestehen, dass sie keine Ahnung haben, wie man Pädophilie heilen kann."

Wenn ein Täter besondere Gewalt gezeigt habe und hinter der Tat "eine Energie erkennbar" sei, helfe nur die Sicherungsverwahrung - also lebenslanges Einsperren. Denn "wir räumen jedem Menschen die Möglichkeit ein, sich ändern und rehabilitieren zu können. Das mag beim ,Crime passionelle' zutreffen, aber bei wiederholtem, gezieltem Suchen nach immer neuen Opfern, wie es in diesen Fällen zutage tritt, passt es nicht." Zwar nehmen viele Kinderschänder die Therapie im Gefängnis an, denn nur das bringe die Aussicht auf frühzeitigere Haftentlassung. "Die zeitlich begrenzte Haft führt meiner Erfahrung nach aber nur dazu, dass die Täter bei ihren folgenden Taten neue und bessere Strategien der Verschleierung entwickeln." Reue gebe es nicht, berichtet Kaufmann aus den Gesprächen mit Betroffenen und fügt an: "Glauben sie mir - es gibt nichts Schlimmeres, als in die Augen eines missbrauchten Kindes zu schauen."

Im Bundesjustizministerium möchte man solche Aussagen auf BT-Anfrage lieber nicht bewerten oder kommentieren. Die Behörde verweist lediglich darauf, dass die Beurteilung einzelner Fälle - etwa des Falls in Staufen - Sache der Strafverfolgungsbehörden und Gerichte vor Ort ist.

Ähnlich klingt das aus Baden-Badener Justizkreisen. Jeder Fall werde einzeln betrachtet und in dem vom Gesetz vorgegebenen Rahmen abgeurteilt - eine Bewertung oder Überarbeitung der Gesetze müsse an höherer Stelle, also dem Justizministerium, erfolgen. Auch das möchte man in Berlin nicht kommentieren.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung die hohen Mietkosten dämpfen, die viele Bürger besorgen. Fürchten Sie, sich in Zukunft Ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können?

Das ist schon der Fall.
Ja.
Nein.
Ich bin in keinem Mietverhältnis.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen   
1