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"Neue Ära für Baden-Baden angebrochen"
21.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Mit einem Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Festspielhauses hat die Stadt Baden-Baden gestern die Erfolgsgeschichte von Deutschlands größtem Opernhaus im Bénazetsaal des Kurhauses gefeiert - und damit einen "Impuls für das beginnende Festwochenende" gesetzt, wie Oberbürgermeisterin Margret Mergen bei ihrer Eröffnungsrede erklärte.

"1998 brach für Baden-Baden eine neue Ära an", sagte sie, "von da an hat die Stadt zunehmend an Internationalität gewonnen." Etwas Neues zu wagen, das mit großen Risiken verbunden war, gleich am Anfang kurz vor dem Konkurs stand, fast gescheitert wäre und durch Tatkraft und Mut zum Guten gewendet worden sei, wäre vorbildlich, sagte Mergen beim Festakt, zu dem viel Baden-Badener Politprominenz, Festspielhausstifter und Bürger gekommen waren. Den musikalischen Teil übernahmen das Septett der Baden-Badener Philharmonie und der Baden-Badener Sänger Marc Marshall mit Pianist René Krömer.

"Eine Stadt wie Baden-Baden muss beständig an ihrer Attraktivität arbeiten", sagte EU-Kommissar Günther Oettinger gestern als Gastredner im Bénazetsaal, auch dieser eine "gute Stube Baden-Badens" und glänzend saniert. Ein Strukturwandel hier an der Oos, nachdem in den 1980er und 90er Jahren das Kur- und Bäderwesen nicht mehr so erfolgreich lief, sei damals dringend notwendig gewesen, sagte Oettinger, der in der turbulenten Anfangszeit des Festspielhauses als CDU-Fraktionsvorsitzender an einer entscheidenden Schnittstelle saß, um für das kühne Baden-Badener Projekt auch die Unterstützung der Landesregierung unter Parteifreund Erwin Teufel und der Landes-SPD zu gewinnen - zum Schluss habe Einigkeit geherrscht über die Notwendigkeit, in Baden-Baden ein Festspielhaus zu bauen und es schließlich auch zu retten. Oettinger erinnerte daran, dass die Bundesländer und Städte auch heute in einem Standortwettbewerb lebten. Aber nun habe Baden-Baden etwas bekommen, was außerordentlich sei, das ein Magnet für Stadt und Region geworden sei, den die anderen wichtigen Einrichtungen in der Stadt ergänzen.

Der Erfolg hat viele Väter und Mütter - einige davon saßen gestern auf dem Podium bei der Gesprächsrunde mit Moderator Markus Brock, um die Geschichte des Hauses noch einmal Revue passieren zu lassen. Der 2016 gestorbene Lothar Späth, damals Jenoptik-Chef, Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg und umtriebiger Kulturerneuerer aus Stuttgart, wurde für seine Tollkühnheit viel gerühmt. Er hatte zusammen mit Oberbürgermeister Ulrich Wendt in den 90er Jahren die Festspiel-Idee - die der Klassikfreund Ermano Sens-Grosholz in Baden-Baden aufbrachte - mit politischen und wirtschaftlichen Mitstreitern aus der Region ermöglicht.

"Es war eine titanische Aufgabe", erklärte Ulrich Wendt gestern in der Gesprächsrunde. Und Späth hätte sich dieser Idee verschrieben gehabt. Ein Preis dafür, dass das Land sich engagierte - sich nicht nur über mehr als 20 Jahre zu verpflichten, jährlich gut zwei Millionen Euro für den Gebäudeerhalt zuzuschießen, sondern auch mithalf, den Immobilienfonds der landeseigenen Südwest LB für den Bau aufzulegen - das war die Neuordnung der Bäder- und Kurverwaltung in Baden-Baden. Was schließlich 2001 zur Verstaatlichung der Spielbank führte. Daran erinnerte die damalige CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Lazarus. Vorbildlich war, dass der Bau in zwei Jahren stand und im Kostenrahmen von 120 Millionen Mark blieb, anders als viele Prestigeprojekte heutzutage. Dann kamen erst die "stürmischen Jahre", erklärte Lazarus, die auch langjährige Stadträtin war.

Sigrun Lang: "Stadt war in finanzieller Not"

Die trafen Wendts Amtsnachfolgerin Sigrun Lang 1998 mit voller Wucht. "Viele haben mich damals bekniet, das Haus hochgehen zu lassen", sagt Alt-OB Sigrun Lang im BT-Gespräch. "Denn die Stadt selbst war in größter finanzieller Not." Nicht nur das Jahrhunderthochwasser kam 1998, es war die Zeit der Konversion, die Franzosen zogen ab, die Cité galt es zu entwickeln, ebenso das Areal am Flugplatz Oos, dessen Betrieb auf den neuen Baden-Airpark verlagert worden war. Gewerbesteuereinnahmen gab es praktisch nicht. Und dann noch das rettungsbedürftige Festspielhaus.

Es sei alles andere als selbstverständlich gewesen, den Gemeinderat zu überzeugen, das Festspielhaus zu retten. Der Stadtrat entschied unter Vorsitz von OB Lang nach fünfstündiger Sitzung am 5. August 1998 für die symbolische Mark die hochverschuldete Festspielhaus-Betriebsgesellschaft zu übernehmen. Der vorige Betreiber, die Dekra, konnte "besser Autos prüfen als Opernhäuser zu betreiben" (so Oettinger). Und Alt-OB Wendt räumte ein: "Die ganze Festspielhaus-Idee hatte einen Geburtsfehler, wir hatten keinen Betreiber und der einzige, der übernahm, war der Prüfkonzert Dekra." Die war bald selbst ein Sanierungsfall.

Immerhin hatte Dekra-Sanierer Zeidler noch den neuen Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser geholt. Der Grund für den herausragenden Erfolg des Festspielhauses bis heute, darüber herrschte gestern Einigkeit. "Ich hatte keinen Plan, aber sehr schnell sehr gute Leute geholt", so Mölich-Zebhauser über seine erste Zeit. Unter anderem warb er von der Dekra damals Geschäftsführer Michael Drautz ab. Die hervorragende Akustik habe nicht nur ihn selbst überzeugt, ans Festspielhaus zu kommen, so Mölich-Zebhauser, sondern auch Valery Gergiev und Anne-Sophie Mutter - denen die anderen Klassikstars schnell folgten.

Mit Millionenzuschüssen von der Dekra, mit Mitteln aus dem Baufonds des Hauses und Spenden des Freundeskreises konnten Finanzlöcher gestopft werden, um den Spielbetrieb zu ermöglichen. "Das Eindreivierteljahr bis zur Gründung der Festspielhaus-Stiftung im März 2000 waren die Hölle", meinte Lang allerdings im BT-Gespräch. Die frühere OB hat den Festakt gestern aus der ersten Reihe aufmerksam verfolgt - und ist heute eine begeisterte Festspielhausbesucherin.

Stiftungsrats-Vorsitzender Horst Weitzmann, ein Opernliebhaber und damals Unternehmer aus der Ortenau, war einer der Ersten im Freundeskreis des Festspielhauses und erinnerte daran, dass das Haus heute eine "Bürgerbewegung" sei. Daraus hat sich eine Kulturstiftung mit 30 Stiftern entwickelt, die den Festspielhaus-Betrieb auf solide Beine gestellt haben, zusammen mit Freunden, Förderern und Sponsoren.

Die Bürger Baden-Badens müssen 2020 das Festspielhaus-Gebäude für 18,5 Millionen Euro kaufen - "dann gehört es der Stadt", betonte Oberbürgermeisterin Mergen. Es sei ein finanzieller Kraftakt, der weitere Verantwortung nach sich zöge. Denn bis 2021 läuft die Unterstützung des Landes für den Unterhalt aus - im Hinblick darauf gab sie EU-Kommissar Oettinger gestern mit auf den Weg, eine Nachfolgefinanzierung zu unterstützen. Oettinger versprach, die Bitte Ministerpräsident Winfried Kretschmann demnächst anzutragen - und erinnerte aber daran, dass bald neue Landtagswahl sei - und eröffnete den Wahlkampf.

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