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Viele Gedankensplitter über den Stand der Emanzipation
23.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Ute Bauermeister

"Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet und Theatertexte zu 50 Prozent von Frauen souffliert", heißt es in "Radikale Akte", einem Text von Gerhild Steinbuch, mit dessen Uraufführung durch das Volkstheater im Badischen Staatstheater die "24. Europäischen Kulturtage Karlsruhe" eröffnet wurden.

Es geht in dem Theatertext um Frauenrechte, um die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Männern und Frauen und die Frage, ob diese bereits erreicht ist. Und um die Geschichte der Frauen, als eine Geschichte der auf Heim und Herd reduzierten Körper, der Püppchen, die kaum Rechte, dafür aber jede Menge Pflichten hatten.

18 Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft aus Karlsruhe und Umgebung orchestriert Regisseurin Mizgin Bilmen dafür auf der Bühne. Alexander Djurkov Hotter steckt sie in porzellanpuppenhafte Kostüme, so dass sich keine von der anderen unterscheidet: Alle tragen eine Perücke, rosa Tüllröcke und haben geschminkte Gesichter. Sie trippeln, tapsen und bewegen sich wie Aufzieh-Puppen. Mal im Chor, mal einzeln sprechen sie die Satzfetzen, die von der Geschichte der Frauen und ihren Empfindungen handeln.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, bei dem Vieles sichtbar wird und doch Einiges in den verallgemeinernden Re-Mixen und den grellen Lichtern untergeht. Es wird viel geschrieen, aber auch geflüstert. Nicht immer sind alle Passagen akustisch verständlich. Aber die Szenen werden dennoch eindrücklich: Beispielsweise wenn die Püppchen sich bei wilder Stroboskop-Beleuchtung und lauter Musik aus den Röcken schälen und zu Individuen werden. Die Bühne wird quasi zum Schlachtfeld, diejenigen, die bislang dazu verdammt waren zu lieben, zu sorgen, sich zu kümmern, wehren sich. Dennoch bleibt ein weiter Weg: "Draußen rauscht die Perspektive vorbei"; heißt es einmal. Und "30 Prozent trennen uns von einer gerechten Bezahlung". Obwohl schon viel erreicht wurde, sind einige Fakten nach wie vor erschütternd, das wird sehr deutlich: "Ich will eine Sprache, die Grenzen überwindet!". Auf der von Hanna Lenz eingerichteten Bühne steht eine überdimensionierte "Herzgranate", eine Symbiose aus Emotionalität (das Herz) und der Härte des Leben zerstörenden Stahles, als Sinnbild für den Kampf um die Gleichberechtigung. Die losen Gedankensplitter regen zwar zum Nachdenken an, vermögen aber nicht wirklich zu berühren, aufzurütteln.

Alle Darstellerinnen haben im Programmheft dargelegt, worin ihre persönlichen radikalen Akte bestehen. Das liest sich extrem spannend, davon hätte man auf der Bühne gerne mehr erfahren. Der Inszenierung gelingen einige schöne Bilder (wie das durch Wind-Maschinen aufgeblasene Tuch) und die Darstellerinnen werden nach der gut einstündigen Aufführung von den Zuschauern frenetisch gefeiert.

Ob sich etwas ändert und ob es noch zehn oder einhundert Jahre dauert, bevor Frauen wirklich gleich entlohnt werden und gleiche Chancen auf alle Posten haben, wird sich zeigen. Wir brauchen durchaus noch weitere radikale Akte.

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