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Das grausame Geschäft der Welpenmafia blüht
Die Jungtiere werden oft viel zu früh von ihren Eltern getrennt und sind deshalb besonders krankheitsanfällig. Foto: dpa
24.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Larissa Schwedes

Stuttgart - Die Welpen reisen Hunderte von Kilometern, geschwächt und eingepfercht zwischen Artgenossen einem ungewissen Ziel entgegen. Wenn sie nicht schon während der Fahrt verenden, sterben sie oft später kläglich. Illegale Tiertransporte sind kein Einzelfall.

Es ist zwei Uhr nachts, als die Polizei an Marion Wünns Tür klingelt. Die Leiterin des Stuttgarter Tierheims traut ihren Augen kaum, als sie sieht, was die Beamten ihr mitbringen: Es sind mehr als 100 Hunde und Katzen, die eingepfercht in einem aus der Slowakei kommenden Transporter entdeckt und befreit wurden. Bulldoggen, Möpse, Labradore, britische Kurzhaarkatzen. Ihre unfreiwillige Reise nach Spanien ist von einer Routinekontrolle der Autobahnpolizei bei Leonberg abrupt beendet worden.

Die folgenden 24 Stunden hat Marion Wünn keine ruhige Minute, an Schlaf ist nicht zu denken. In größter Eile trommelt sie ihre Pfleger zusammen, holt ihren Sohn aus dem Bett, verlegt Tiere in ihre Ausläufe, reinigt Boxen und bereitet in Rekordzeit die größte Quarantäne-Station vor, die ihr Haus je gesehen hat.

Dass mehrere Tiere an den Folgen der Torturen des Transportes sterben, können auch die Pfleger trotz ihres tagelangen Rund-um-die-Uhr-Einsatzes nicht verhindern. Gut zwei Wochen nach dem Transport sind fünf Hunde und sieben Katzen tot, gestorben an einem stressbedingten Lebersyndrom sowie der Viruskrankheit Parvovirose.

Was sich in Stuttgart abgespielt hat, ist kein Einzelfall, wenige Tage später flog ein weiterer illegaler Transport bei Esslingen auf. Vor allem in grenznahen Regionen - wie beispielsweise im Raum Freiburg und in Teilen Bayerns - werden immer wieder Großtransporte aus dem Verkehr gezogen, die meistens stammen aus Osteuropa. Tendenz: steigend.

Während im Jahr 2016 laut der Statistik des Deutschen Tierschutzbundes 495 Hunde bei Kontrollen beschlagnahmt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 628. Zählt man die anderen bei diesen Transporten entdeckten Tiere - darunter Vögel, Mäuse und Meerschweinchen - hinzu, fiel der Anstieg noch drastischer aus: Ihre Zahl verzehnfachte sich im gleichen Zeitraum von gut 1100 auf fast 11000.

"Man kann davon ausgehen, dass dies tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs ist", sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Tierschutzbundes. Gezielte Kontrollen der Polizei gibt es kaum, deshalb sind die entdeckten Fälle oft eher zufällige Treffer. "Wir stehen nicht an der Straße und fangen Transporter ab", sagt Günter Weiß vom Polizeipräsidium Freiburg. Man sei bei der Verfolgung auf Hinweise der Veterinärämter oder von Privatpersonen angewiesen.

Händler sind oft schwer zu greifen

Doch selbst wenn die illegalen Transporte auffliegen, sind die Händler oft schwer greifbar und die strafrechtliche Verfolgung begrenzt. Der Tierschutzbund spricht von einer "Welpenmafia". Der Berliner Bundestagsabgeordnete Kai Wegner (CDU) hatte im März gefordert, einen eigenen Straftatbestand des illegalen Welpenhandels einzuführen, um Händler härter bestrafen zu können. Die gehandelten Tiere werden oft unter miserablen Bedingungen in Osteuropa gezüchtet und illegal verkauft. Spitzenreiter ist bei den vom Tierschutzbund erfassten Fällen Rumänien, gefolgt von Ungarn und Serbien. Eigentlich ist für Welpenhandel eine Erlaubnis der Behörden erforderlich - diese legt Vorgaben zu Haltung, Betreuung, Transport und zu Impfungen fest.

Die illegal gehandelten Tiere werden oft viel zu früh von ihren Eltern getrennt, haben dadurch ein schwaches Immunsystem und erkranken schnell. Agrarpolitiker und Tierschützer warnen davor, auf dubiose Verkaufsangebote hereinzufallen - Alarmzeichen seien niedrige Preise oder fehlende Papiere.

Viele kriminelle Züchter verramschen die Tiere im Internet. Besonders Plattformen wie Ebay Kleinanzeigen werden dafür genutzt - für die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" Grund für eine Petition. Sie fordert das Portal auf, in der Tier-Kategorie eine verpflichtende Identitätsprüfung der Verkäufer vorzunehmen. Die Anzeigen-Plattform lehnt das jedoch ab.

Die vom Stuttgarter Tierheim gepflegten Hunde und Katzen dürfen im Südwesten bleiben, wie Stadt und Agrarministerium gemeinsam beschlossen. "Die Transportbedingungen, der schlechte Pflegezustand der Tiere und das verfrühte Trennen von den Muttertieren sind ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzrecht", heißt es in der Begründung. Marion Wünn hat alle Mitarbeiter und Aushilfen aus ihrer Freizeit geholt, um für jedes einzelne Tierleben zu kämpfen. Für sie stand von Anfang an fest: "An die Händler gebe ich die Tiere niemals zurück. Nur über meine Leiche."

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