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Einwanderer mit Hunger auf mehr
25.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Winfried Heck

Rheinstetten - Wenn ein bisher klares Gewässer plötzlich milchig und trüb wird, zu "Milchkaffee", wie man diesen Zustand inzwischen nennt, dann schrillen bei Biologen alle Alarmglocken. Denn dort hat sich der Kalikokrebs eingenistet, eine aus Nordamerika eingeschleppte Krebsart. Entlang des Rheins zwischen Offenburg und Mannheim hat sie sich in den vergangenen Jahren zum Alptraum der Naturschützer entwickelt. In Gewässern, in denen sich der Kalikokrebs angesiedelt hat, wächst nämlich sprichwörtlich schon bald kein Gras mehr. Erfolgversprechende Bekämpfungsmethoden sind bislang noch sehr arbeitsintensiv.

Ortstermin Mörsch: Die Holzlach gilt als Musterbeispiel für eine optimal renaturierte, ehemalige Auenlandschaft. Bedrohte Amphibien und Insekten finden ideale Lebensbedingungen, sehr zur Freude auch des Storchs, der seit Jahren wieder heimisch ist. Doch inzwischen hat sich das Bild massiv gewandelt. "Wir haben bereits zahlreiche Gewässer an den Kalikokrebs verloren", umschreibt Professor Andreas Martens von der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe die Lage nüchtern. Verloren bedeutet: In diesen Gewässern lebt nur noch der Kalikokrebs, nichts anderes.

Weil er seine Höhlen in den schlammigen Untergrund gräbt, wird das Wasser trüb - und der Krebs ist von Fressfeinden wie dem Storch oder dem Reiher kaum noch zu finden. Aus einem knapp 4000 Quadratmeter großen Tümpel fischten der Professor und seine Studierenden binnen eines knappen Jahres mehr als 50000 Tiere ab, ohne dass es zu einem bemerkenswerten Bestandsrückgang gekommen wäre. Was nicht verwundert, denn jedes Krebsweibchen legt pro Saison bis zu 500 Eier. Schon im ersten Sommer werden diese Jungtiere geschlechtsreif, die explosionsartige Vermehrung nimmt ihren Gang. Gefressen wird alles, was verwertbar ist, auch Kannibalismus scheint üblich. Und ist das Futter knapp, dann wird schlichtweg das Wachstum eingestellt - oder das Gewässer auf der Suche nach neuen Lebensräumen verlassen.

"Das Thema ist keineswegs trivial", sieht Staatssekretär Andre Baumann vom Umweltministerium Baden-Württemberg im Kalikokrebs ein enormes Gefährdungspotenzial für die ökologische Vielfalt. Üblicherweise wird unser Ökosystem mit zugewanderten Arten fertig, beim Kalikokrebs sei dies anders. Ohne aktive Bekämpfung sei die Ausbreitung nicht aufzuhalten, betont Baumann bei seinem Besuch.

Forschungsprojekt droht das Aus

Laut Martens sind zwischen Offenburg im Süden und Mannheim im Norden mindestens 30 Gewässer "nur noch braune Brühe", die gesamte Region bis an den Fuß des Schwarzwalds sei besiedelt. Betroffen sind längst auch das Elsass und die Südpfalz.

Erfolgversprechend scheint eine andere Methode, die Baumann sich anschaute. Um ein Kleingewässer herum wurde aus Baumstämmen eine für Krebse unüberwindliche Barriere angelegt, die von Kröten und Molchen jedoch überwunden werden kann. Nachdem dank eines niedrigen Wasserstands mehrere zehntausend Krebse gefangen und "tierschutzgerecht" zu Futter verwertet wurden, sind dort inzwischen wieder Kaulquappen und Libellenlarven zu finden. "Ein Lichtblick", sagt Martens, allerdings verbunden mit enormem Arbeitseinsatz. Um dauerhaft Erfolg zu haben, brauche es andere Methoden.

"Wir suchen beispielsweise nach Duftstoffen, um die Weibchen anlocken und besser fangen zu können", nennt er eine Möglichkeit. Dank eines über die Stiftung Naturschutzfonds geförderten Masterstudiengangs "Biodiversität" an der PH Karlsruhe sei dies derzeit noch möglich, doch Ende kommenden Jahres könnte damit Schluss sein. Dann läuft die Finanzierung aus - es sei denn, die Politik gewährt weitere Gelder.

Baumann und Grünen-Landtagsabgeordnete Barbara Saebel zeigten sich von der schieren Masse binnen kurzer Zeit gefangener Krebse jedenfalls beeindruckt. Der Rest ist Überzeugungsarbeit im Landtag.

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