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Surfen auf der Welle
02.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Georg Rudiger

Die zierliche Person im blauen Kleid ist kaum zu hören, als sie das Publikum begrüßt. Youn Sun Nah wirkt zu Beginn der Jazznight im Festspielhaus Baden-Baden ganz schüchtern mit ihrer gehauchten Stimme und dem verlegenen Lächeln. Umso stärker dann die Überraschung, als die Sängerin ihren Sopran zum ersten Mal klingen lässt. Rund, weich, fast ein wenig lasziv tönt ihre Stimme beim selbst komponierten Song "Traveller" vom aktuellen Album "She Moves On", das im Mittelpunkt des rund 100-minütigen Abends steht, um im folgenden "Teach The Gifted Children" von Lou Reed zur echten Rockröhre zu werden. Mit vollem Brustklang und mächtiger Tiefe fügt sie sich ein in den jetzt noch dunkleren Sound der Band.

Dan Rieser erhöht am Schlagzeug den Druck, Frank Woeste wechselt vom Konzertflügel zum Fender Rhodes und der Hammond-Orgel, mit der er die Akkorde schreien lässt. Auch Brad Jones (Kontrabass) und Tomek Miernowski an der E-Gitarre erden den Sound.

Nichts ist mehr zu spüren von der Unsicherheit der Koreanerin. In der Musik bewegt sich die Tochter eines Dirigenten und einer klassischen Sängerin traumwandlerisch sicher. Wie ein Chamäleon passt sich die Vokalkünstlerin ihrer musikalischen Umgebung an. Von dunkler Tiefe bis in eisige Höhen, von Folk bis Rock, von Jazz bis zu experimenteller Musik - Youn Sun Nah ist überall zu Hause. Und hat eine exzellente Band hinter sich, die ebenfalls jedem Song einen ganz eigenen Sound gibt.

Was Tomek Miernowski in Leonard Cohens "Hallelujah" an Klängen auf der E-Gitarre zaubert, ist ein echtes Hörerlebnis. Nur Gitarre und Gesang - intim, verletzlich und von überirdischer Schönheit. Das treibende "She Moves On" von Paul Simon startet Schlagzeuger Dan Rieser mit einem langen, energiegeladenen Solo, das zum Startschuss wird für einen tanzbaren Flow. Kontrabassist Brad Jones glänzt mit melodiösen Linien, Frank Woeste sorgt an den Keyboards für die passende Farbe und wunderbar fließende Akkorde. Youn Sun Nah lässt sich von der Band tragen und surft auf der Welle. Unglaublich, wie deckungsgleich ihr Scatten im hochvirtuosen Song "Momento Magico" vom Lento-Album 2012 mit der akustischen Gitarre von Tomek Miernowski verläuft.

Aber auch im ganz reduzierten, ruhigen "Black Is The Colour Of My True Love's Hair", bei dem sie selbst Kalimba (Daumenklavier) spielt, schafft sie ganz besondere musikalische Momente, die von Kontrabass und Percussion behutsam behandelt werden. "A Sailor's Life" wird zum experimentellen Abenteuer mit Ecken und Kanten in der Stimme.

Am Ende erweist sie Tom Waits mit dem düsteren Song "Jockey Full Of Bourbon" ihre Referenz. Frank Woeste lässt die Hammond Organ stöhnen. Der Kontrabass ächzt, das Schlagzeug rumpelt, die Gitarre quietscht. Ähnlich wie Rebekka Bakken raut auch Youn Sun Nah für den typischen, dreckigen Tom-Waits-Sound ihre Stimme auf und entwickelt eine beängstigende Durchschlagskraft.

Mit zwei Zugaben beschenken Youn Sun Nah und ihre großartige Band das begeisterte Publikum. "Lament" singt Youn Sun Nah auf dem strengen Beat und den liegenden Akkorden mit großer Emotion, ehe sie nochmals mit ihrem wunderbaren Pianisten Frank Woeste zurück auf die Bühne kommt, um sich mit Léo Ferrés Chanson "Avec le temps" stilvoll von ihren Fans, darunter auch einigen aus Frankreich, zu verabschieden. Ein großer Jazzabend im Festspielhaus.

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