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Zum Schwelgen schön
Mitreißend mit der Stradivari: Geiger Ray Chen und das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Michael Tilson-Thomas beim Sibelius-Konzert. Foto: Michael Gregonowits
23.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Nike Luber

Der Ersatz muss keineswegs die schlechtere Wahl sein. Ray Chen, der bei den Pfingstfestspielen für die erkrankte Janine Jansen einsprang, begeisterte im Festspielhaus Baden-Baden durch seine mitreißende Interpretation des einzigen Violinkonzerts von Jean Sibelius. Er spielte den Solopart gesanglich und verlieh ihm zugleich große Intensität. Chens Tongebung auf der Stradivari, die einst dem legendären Geiger Joseph Joachim gehörte, zeichnete sich durch Klangschönheit und Sensibilität aus.

So fing Ray Chen in seiner Wiedergabe des Soloparts sowohl die sanfte Melancholie als auch die leidenschaftlichen Momente ein. Mühelos gelangen ihm die virtuosen Solokadenzen, die er nicht nur technisch brillant, sondern auch ausdrucksvoll spielte. Dirigent Michael Tilson Thomas und das London Symphony Orchestra achteten darauf, den Solisten nie akustisch "zuzudecken".

Ray Chen war in seinem Element und erweiterte das Programm gleich um zwei Zugaben. Seine Lieblings-Caprice von Paganini, die Nr. 21, erwies sich unter Chens Händen als glänzend ausgeführte Studie in Doppelgriffen. Mit beschwingter Leichtigkeit gab der in Taiwan geborene und in Australien aufgewachsene Geiger Gavotte und Rondeau von J. S. Bach.

Michael Tilson-Thomas und das London Symphony Orchestra blieben bei Sibelius, um genau zu sein, bei seinen eigenwilligen Sinfonien, die sich in keine Schublade einordnen lassen. Den Kopfsatz der Sinfonie Nr. 6 in d-Moll breitete das Orchester zunächst schwelgerisch als zartes Klanggewebe aus, schön durchhörbar gehalten, damit die Einwürfe der Bläser bestens zur Geltung kommen konnten. Die kontrastreiche Gestaltung der Sinfonie folgte darin der Kompositionsweise von Sibelius, aufgelockerte Streicherpassagen standen neben kraftvoll musizierten Steigerungen.

Tilson Thomas schlug insgesamt schwungvolle Tempi, so dass auch die dunkel rauschenden, dramatisch aufgeladenen Orchesterstellen nie ausuferten. Hier wurde Sibelius nicht als nordischer Melancholiker vorgestellt, sondern als umfassend ausgebildeter europäischer Komponist, der in der Zeit zwischen Spätromantik und Moderne seinen ganz eigenen Stil gesucht und gefunden hat.

Das gilt erst recht für die siebte Sinfonie in C-Dur, die Sibelius in einem einzigen, dafür ausladenden Satz zusammenfasste. Dirigent und Orchester sorgten dafür, dass dieses Stück nicht als eine geballte Ladung Klangfülle erschien, sondern durch liebevoll ausmusizierte Details Spannung erhielt. Eine reife Leistung, die vom Publikum honoriert wurde. Für die Zugabe griffen Michael Tilson Thomas und das London Symphony Orchestra auf ein humoriges Stück von Benjamin Britten aus der "Suite on English Folk Tunes, op. 90, IV." zurück. Es trägt den schönen Titel "Lass uns ein Eichhörnchen jagen" und wurde witzig und spritzig vorgetragen.

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