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Blumen von der Tankstelle für Meryl Streep
30.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Vogel

Er herzt Stars auf dem roten Berlinale-Teppich und verschenkt Kinotickets an Filmfans. Immer mit dabei sind Dieter Kosslicks berühmter Schal und sein augenzwinkernder Charme. Als "Herr der Bären" muss der Festivalchef aber auch immer wieder heftige Kritik an seiner Programmauswahl einstecken. Im nächsten Februar wird der gebürtige Pforzheimer seinen letzten Auftritt als Direktor der Berliner Filmfestspiele haben. Sein Nachfolger steht noch nicht fest. Heute feiert Kosslick aber erstmal seinen 70. Geburtstag - ganz allein mit Ehefrau und Sohn in Italien.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobt in seinem Glückwunschschreiben den Impresario, weil er sein Programm immer "im Zeitgeschehen positioniert" habe. "Die Freiheit der Kunst frei von politischen Aufgaben und Bedrängnissen ist Ihr Credo. Umso mehr haben Sie insistiert, dass die Berlinale die künstlerische Auseinandersetzung mit den drängenden Themen unserer Zeit sucht." Kosslicks Arbeit sei getragen von der Überzeugung, dass Filme das politische und gesellschaftliche Klima in einem Land verändern können, so Steinmeier weiter.

Jedes Jahr im Februar ist Kosslick bei der Berlinale Gastgeber für internationale Schauspielgrößen wie Matt Damon, George Clooney, Juliette Binoche, Catherine Deneuve, Michael Douglas, Penélope Cruz und Richard Gere. Während der Filmfestspiele ist Kosslick im Dauereinsatz und wohnt in einem Hotel mit Blick auf den roten Teppich.

Zu seinen schönsten Augenblicken gehört die Berlinale-Eröffnung 2008, als die Rolling Stones und Regisseur Martin Scorsese mit ihrem Konzertfilm "Shine a Light" kamen. "Aber es gab auch dramatische, stille Momente wie bei der Premiere von Andrzej Wajdas später für den Oscar nominiertem Drama ,Das Massaker von Katyn'", erinnert sich Kosslick.

"Unvergessen bleibt für mich der Tankstellen-Blumenstrauß eines Fans, den ich mangels eigener Blumen auf der Bühne Meryl Streep überreichte..." Sie bedankte sich auch noch überschwänglich dafür.

Doch es gab auch Ereignisse, die Kosslick die Schweißperlen auf die Stirn trieben. "Die Opening Night, der Eröffnungsfilm, kann auch zu einem Opening Nightmare, einer Schreckensnacht, werden", sagt Kosslick. Bei der Berlinale-Eröffnung 2004 etwa wurde der Hollywoodfilm "Cold Mountain" mit Nicole Kidmann, Renée Zellweger und Jude Law gezeigt - aber keiner der angekündigten Stars kam. "Sie sagten drei Stunden vorher alle ab."

Kosslick startete seine Karriere in den 70er Jahren in Hamburg als Redenschreiber und Büroleiter des damaligen Ersten Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose (SPD). Später war er Frauenbeauftragter der Hansestadt. Kosslick arbeitete als Redakteur bei der Zeitschrift "Konkret" und ging 1983 dann in die Filmförderung. Dort war er zunächst Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros, 1988 wurde Kosslick Geschäftsführer der wirtschaftlichen Filmförderung Hamburgs. Seit 1992 leitete er die Filmstiftung NRW. 2001 wurde er Chef der Internationalen Filmfestspiele Berlin, die neben den Filmfestivals in Cannes und Venedig zu den "großen Drei" zählen.

Noch bis Mai 2019 läuft Kosslicks Vertrag. Prominente Regisseure hatten zuletzt in einer Erklärung ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Berlinale-Leitung und einen inhaltlichen Neustart des Festivals gefordert. Kosslick kündigte an, dass er künftig nicht mehr für eine Leitungsfunktion bei der Berlinale zur Verfügung stehe. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach sich nun dafür aus, dass es künftig eine Doppelspitze geben solle - nach dem Vorbild von Cannes mit getrennter künstlerischer und geschäftsführender Verantwortung. Im Sommer will sie die künftige Berlinale-Leitung vorstellen.

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